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Elektromobilität: Unter Strom

Ein Elektroauto vor dem Tempodrom in Berlin - in der Hauptstadt gibt es mehr Praxisprojekte zur Elektromobilität als in jeder anderen Stadt.

Ein Elektroauto vor dem Tempodrom in Berlin - in der Hauptstadt gibt es mehr Praxisprojekte zur Elektromobilität als in jeder anderen Stadt.

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dpa

Berlin -

Wird Berlin es schaffen? Wird der Bund die Hauptstadt mit viel Geld zu einem „Schaufenster der Elektromobilität“ ausstaffieren? Na klar, sagt Carl Friedrich Eckhardt von Vattenfall. „Berlin hat heute schon internationale Strahlkraft.“ Berlin strenge sich an, stimmt Friedemann Kunst von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein. „Wir werden den Preis gewinnen, weil wir aus eigener Kraft etwas darstellen“, sagt Gernot Lobenberg. Bei ihm verwundert die Zuversicht am wenigsten: Er ist Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität (eMo), die jetzt die Bewerbung erarbeitet. Am 16. Januar ist Abgabeschluss, 40 Bewerbungen werden erwartet.

Prestige und Geld

Es geht um das Prestige des selbst ernannten Verkehrskompetenzzentrums Berlin, aber auch um Geld. 180 Millionen Euro stellt der Bund für Demonstrations- und Pilotvorhaben zur Elektromobilität bereit. In drei bis fünf „Schaufenstern“ soll von Juli 2012 an drei Jahre lang geforscht und geprobt werden.

In Berlin würde das Geld auf sehr fruchtbaren Boden fallen, sagt Lobenberg. „Hier gibt es mehr Praxis-projekte zur Elektromobilität als in jeder anderen Stadt. Alle deutschen Hersteller engagieren sich“ – nicht nur einer wie in Stuttgart, wo Daimler-Benz 500 elektrische Smarts zur Nutzung anbieten will. Ohnehin gehe es nicht nur darum, möglichst viele Stromautos auf die Straßen zu bringen, sondern um ein komplettes Verkehrssystem – und um einen neuen Wirtschaftszweig, der Fabriken und Arbeitsplätze hervorbringen soll. So will die „Leitmetropole“ im bundesweiten Wettbewerb nicht nur mit Elektrobuslinien und noch mehr gemeinschaftlich genutzten E-Autos (Car Sharing) punkten. Vorgesehen sind auch Projekte, die sich mit rechtlichen Rahmenbedingungen, strombetriebenem Lieferverkehr sowie Ladestationen befassen. Im geplanten „Kompetenzzentrum e-THF“ am Rande des früheren Tempelhofer Flughafengeländes sollen Elektrofahrzeuge ausgestellt werden, nebenan entsteht ein Testparcours für Jedermann. Berlin sei ideal für Neues, sagt Gernot Lobenberg. „Hier gibt es Platz, Fachkräfte und eine preisgünstige Umgebung.“

Ein Ticket für alles

Berlin ist aber auch eine Stadt, in der es dank eines guten Nahverkehrs viele Alternativen zum Auto inklusive Elektroauto gibt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Elek-tromobilität trotz vieler Initiativen ihr Nischendasein auch hier noch nicht verlassen hat. Ein Beispiel für eine solche Initiative ist „BeMobility“ – ein Projekt, in dem die Deutsche Bahn (DB) und mehr als 20 andere Partner ausloteten, wie sich E-Autos und Nahverkehr vertragen.
39 Elektrofahrzeuge, die zum größten Teil an 17 CarSharing-Stationen parkten, wurden 2 850 Mal ausgeliehen und sind 195.000 Kilometer weit gefahren, bilanziert Projektleiter Frank Wolter. „Mobilitätskarten“ wurden angeboten, die nicht nur für den Nahverkehr, sondern auch für Mieträder und E-Autos galten. 135 Kunden haben dieses Ticket gekauft. „Wir hätten uns ein wenig mehr gewünscht“, sagt Wolter. Trotzdem wird weitergeforscht: „BeMobility 2.0“ hat nun begonnen.