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Entwicklung des Areals: Jetzt können die Bürger beim Tempelhofer Feld mitreden

Das grüne Herz Berlins: das Tempelhofer Feld.

Das grüne Herz Berlins: das Tempelhofer Feld.

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dpa

Noch vor einigen Monaten wäre dieser Empfang für Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) kaum vorstellbar gewesen. „Ich habe die Bitte, dass wir nicht wieder die alten Schlachten schlagen. Das ist erledigt. Wir haben jetzt ein beschlossenes Gesetz“, sagt er und erntet Beifall für seine Worte.

Randbebauungspläne auf dem Tempelhofer Feld gekippt

Rund 300 Akteure sind am Sonnabend in der alten Zollgarage am stillgelegten Flughafen Tempelhof zusammengekommen. Sie hatten mit einem Volksentscheid Ende Mai die Randbebauungspläne auf dem Tempelhofer Feld gekippt und dem Senat eine empfindliche Niederlage zugefügt. Es war insbesondere eine Niederlage für den fachlich zuständigen Stadtentwicklungssenator, der im Dezember neuer Regierender Bürgermeister werden will.

Nun sollen die Bürger über die Zukunft der Tempelhofer Freiheit mitentscheiden. Alle sollen zu Wort kommen, alles soll offen und transparent zugehen. Mit der Koordination dieses Prozesses hat Müller Tilmann Heuser beauftragt. Eine Wahl die dem Senator Lob einbrachte, schließlich hatte der Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine Randbebauung scharf kritisiert.

Liquid Democracy entwickelt Bürgerbeteiligungsplattform

Doch um Inhalte soll es an diesem Tag nicht vorrangig gehen, sondern um das Verfahren. Geklärt werden soll, wie eine Mitwirkung der Bürger organisiert werden kann. „Wir wollen auch bislang Nicht-Beteiligte einbinden ebenso wie die Bezirke und das Parlament“, sagt Heuser. Veranstaltungen sollen für alle zugänglich sein, Protokolle sollen dokumentiert und alle Planungen öffentlich gemacht werden. Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, zu reagieren und Einspruch zu erheben. Heuser nennt das „gläsernes Büro“. Der Verein Liquid Democracy soll dazu im Auftrag des Senats eine Bürgerbeteiligungsplattform entwickeln. „Off- und online“, sagt Heuser.

Antje Kapek, die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, spricht von „einem exemplarischen Modell, das jenseits von Tempelhof zeigen kann, wie Bürgerbeteiligung aussieht“. Katrin Lompscher, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, versteht das Verfahren als „ergänzende Schleife, um Entscheidungen des Parlaments durch Volksreferenten überprüfen zu lassen“.

Vor allem ist es ein Experiment mit offenem Ausgang. Nicht alle Vorstellungen werden realisiert werden können, zu unterschiedlich sind die Ideen für das Tempelhofer Feld. „Heimische Obstbäume“, steht auf einem Zettel an der Pinnwand in der alten Zollgarage, auf der die Besucher ihre Wünsche festhalten können. Auf anderen Zetteln ist notiert: „Eintritt für die Instandhaltung“, „Basketballfeld“, „Aufforstung zu einem Wäldchen“, „Nur Trocken-Trennkompost-Toiletten“, „Erhalt des Ist-Zustandes“.

Ab November soll es die Online-Beteiligungsplattform geben

„Das ist alles sehr ambitioniert, ein bahnbrechendes Verfahren für eine echte Bürgerbeteiligung“, sagt Meike von Appen aus Tempelhof, die jeden Tag auf dem Feld ist. Andere Besucher sind skeptischer. „Ich misstraue der Politik weiterhin“, sagt eine Frau aus Kreuzberg. Abzuwarten bleibe, ob etwas Brauchbares für das Feld entwickelt werde. Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ab November soll es die Online-Beteiligungsplattform geben. Die Pläne für das Tempelhofer Feld sollen bis Mitte 2015 vorliegen. Am Ende trifft das Abgeordnetenhaus die Entscheidung.