blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Ermittlungen zu Mord in Neukölln : Berliner Abgeordnete üben Kritik im Fall von Burak B.
05. February 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23543228
©

Ermittlungen zu Mord in Neukölln : Berliner Abgeordnete üben Kritik im Fall von Burak B.

Offene Fragen: Teilnehmerin der Mahnwache am Freitag.

Offene Fragen: Teilnehmerin der Mahnwache am Freitag.

Foto:

BLZ/Markus Wächter

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass eine Berliner Abgeordnete gleich sechs parlamentarische Anfragen zum selben Thema an den Senat stellt: Canan Bayram (Grüne) hat in den vergangenen Monaten ungeklärte Fragen zu den Ermittlungen im Mordfall Burak B. gesammelt. Es kamen viele zusammen. Gleichzeitig wandte sich die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke) mit einer Anfrage zum Stand der Ermittlungen an den Bundestag.

Gemeinsam mit der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. stellten die Politikerinnen ihre Anfragen am Freitag öffentlich vor und versammelten sich anschließend zu einer Mahnwache vor dem Sitz der Staatsanwaltschaft in der Turmstraße.

Auf der Straße erschossen

Der 21-jährige Burak B. wurde am 5. April 2012 von einem Unbekannten erschossen. Er hatte am späten Abend mit Freunden an der Bushaltestelle gegenüber vom Krankenhaus Neukölln gestanden, als ein Mann auf sie zukam, wortlos eine Waffe zog und auf die Gruppe schoss. Burak B. verstarb wenig später im Krankenhaus, seine Freunde überlebten schwer verletzt.

In Berlin werden mehr als 90 Prozent der Mordfälle aufgeklärt. Im Fall von Burak B. aber gelang es der Polizei bis heute nicht. Bei Ermittlern gilt die Faustregel: Wird innerhalb einer Woche kein Täter gefunden, sinkt die Wahrscheinlichkeit immens, dass ein Fall überhaupt aufgeklärt wird. Doch als im Herbst der Brite Luke H. in Neukölln erschossen wurde, sah es so aus, als käme Bewegung in den Fall: Rolf Z., 62, der mutmaßliche Mörder des Briten, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, war auch in den Ermittlungen im Fall Burak B. aufgetaucht.

Hat die Polizei Rolf Z., ein mutmaßlicher Neonazi und Waffenbesitzer, der sich häufig in der Nähe des Krankenhauses Neukölln aufhielt, zu früh von der Liste der Tatverdächtigen gestrichen? Das will Canan Bayram nun wissen. Sie kritisiert, dass es bis heute keine Gegenüberstellung mit Zeugen gab. Auch anderen Spuren in die rechte Szene würde nicht genug nachgegangen.

Mögliches rassistisches Motiv

Bayram sagt, sie habe zwar erfahren, dass H. und B. nicht mit derselben Waffe erschossen wurden. „Es bleibt aber unklar, was Polizei und Staatsanwaltschaft hinsichtlich eines Zusammenhangs der beiden Taten unternommen haben.“ Insbesondere aber geht es ihr um ein mögliches rassistisches Tatmotiv. Der Senat wurde 2014 per Beschluss verpflichtet, die Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses umzusetzen. Dazu gehört, dass erfolglose Ermittlungen nach einer gewissen Zeit von neuen Ermittlern überprüft werden. „Es ist Zeit für einen Neustart“, sagt Bayram.

Die Familien von B. und H. hatten im Januar gefordert, dass die Fälle vom Generalbundesanwalt übernommen werden. Der jedoch lehnte ab. Martina Renner, die auch stellvertretende Vorsitzende im thüringischen NSU-Untersuchungsausschuss ist, will in ihrer Anfrage nun wissen, warum. „Hier werden die Konsequenzen, die aus dem NSU-Desaster gezogen wurden, nicht befolgt“, sagt sie. „Die Behörden sind noch immer nicht in der Lage, Rechtsterrorismus zu erkennen.“

Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ist man sich keiner Fehler bewusst: „Wir haben in diesem Fall alles getan“, sagte Michael Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?