Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Ernst-Reuter-Platz: Pepper plant schlankes Hochhaus
23. February 2014
http://www.berliner-zeitung.de/1544372
©

Ernst-Reuter-Platz: Pepper plant schlankes Hochhaus

Christian Pepper, 63 Jahre alt, hat noch viel vor. Unter anderem am Ernst-Reuter-Platz.

Christian Pepper, 63 Jahre alt, hat noch viel vor. Unter anderem am Ernst-Reuter-Platz.

Foto:

AKUD/Lars Reimann

Christian Pepper, 63 Jahre alt, ist Geschäftsführer der Gruppe Pepper, die aus den Unternehmungen seines Vaters Karl-Heinz Pepper hervorging. Das bekannteste Gebäude, das Pepper Senior bauen ließ, ist das Europa-Center am Breitscheidplatz, das vor 50 Jahren als modernstes Einkaufszentrum West-Berlins erbaut wurde. Bis heute gehört es der Gruppe, genauso wie zahlreiche Häuser am Ernst-Reuter-Platz. Anders als sein Vater, der 2003 starb, gilt Christian Pepper als zurückhaltend und tritt selten öffentlich auf. In die Schlagzeilen gerieten er und seine Familie vor drei Jahren, als erst seine Frau von einem Gangster überfallen und verletzt wurde. Sechs Wochen später wurde seine Tochter zum Opfer. Ein Unbekannter schoss auf sie. Sie blieb unverletzt, weil ein Wachmann sich schützend vor sie warf. Er sitzt seitdem im Rollstuhl. Über all das will Pepper nicht sprechen.

Herr Pepper, der Ernst-Reuter-Platz gilt vielen Berlinern als zugiger, verkehrumtoster Platz mit wenig Aufenthaltsqualität. Ihnen ist er ans Herz gewachsen. Warum eigentlich?

Ich finde, er ist ein gutes Beispiel für das mobilitätsorientierte West-Berlin mit seinen guten Verkehrswegen. Man ist von hier aus in wenigen Minuten im Regierungsviertel. Und auch der Flughafen Tegel ist bequem zu erreichen. Außerdem war der Ernst-Reuter-Platz immer ein Ort für gute Geschäfte. Früher, zu Mauerzeiten, war hier das Bankenviertel. Viele Geldhäuser hatten Niederlassungen, die Börse war auch immer schon in der Nähe. Die Nachbarschaft zur Technischen Universität ist interessant. Und der Platz ist weiterhin ein Top-Standort für Büroflächen und Verwaltung.

Dennoch wollen Sie den Platz umbauen. Was haben Sie vor?

Wir wollen nicht den Ernst-Reuter-Platz umbauen, sondern es geht um ein Haus, das uns gehört, das Telekom-Haus an der Einmündung der Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz Nummer 6. Es ist ursprünglich für die Deutsche Post gebaut worden, mal saß ein Fernmeldeamt darin, mal die Landespostdirektion. Nach der Wende brauchte das Unternehmen das Haus nicht mehr, jetzt steht es seit mehr als 15 Jahren leer.

Warum haben Sie das Gebäude nicht vermietet?

Das Haus war maßgeschneidert für die Post. Es hat viele unbelichtete Flächen sowie eine veraltete Haustechnik, die viel mehr Platz wegnimmt als es heutzutage nötig wäre. Es müsste dringend saniert werden…

…aber Sie wollen es eigentlich abreißen lassen.

Ja, darüber verhandeln wir seit längerer Zeit mit dem Senat und dem Bezirk. Wir wollen abreißen und dort selbst neu bauen, höher, schlanker, eleganter. Es soll ein multifunktionales Haus werden mit einer Mischung aus Büro, Einzelhandel, aber auch Wohnen. Im Erdgeschoss könnte Gastronomie einziehen und ein Supermarkt.

Was spricht gegen Ihre Pläne?

Bisher der Bebauungsplan für den gesamten Platz, der legt zum Beispiel Höhe und Volumen der Gebäude fest. Es ist deshalb wichtig festzuhalten: Wir wollen an Masse nichts verlieren, wir wollen nur nach oben wachsen.

Wie laufen die Gespräche mit den Behörden?

Ich kann nicht klagen. Wir arbeiten gut zusammen. Ich rechne damit, dass in einem halben Jahr eine Entscheidung fällt.

Am Ernst-Reuter-Platz will sich die Deutsche Bank ja jetzt auch vergrößern. Wie beurteilen Sie die Entwicklung in der City-West insgesamt?

Langsam kommt das Pendel wieder zurück in den Westen, nachdem lange Zeit Mitte und Prenzlauer Berg mit modernstem Büroraum dominiert haben. Zwar werden dort nach wie vor die Spitzenmieten erzielt, aber auch bei uns im Westen gibt es wieder gute Abschlüsse.

Sie selbst haben ja keine Immobilien im Osten. Hatten Sie zwischenzeitlich befürchtet, dass der Westen komplett abgehängt wird?

Nein, ich wusste immer, dass der Westen seine Stärken hat, weil wir die großen Flächen haben. Schauen Sie sich den Kudamm an. Der ist schon so oft totgeschrieben worden, jetzt lebt er wieder auf. Vorher waren wir hier im Westen verwöhnt, dann gab es Zeiten mit Leerstand. Und die Preise, die man erzielen konnte, waren nicht mehr so attraktiv. Aber man darf sich eben nicht verrückt machen lassen und braucht einen langen Atem. Den haben wir auf jeden Fall.

Diesen langen Atem brauchen Sie auch für das Europa-Center. Zuletzt gab es Erfolgsmeldungen, was neue Mieter angeht: Nike ist neu dabei, die Pizzabäckerkette Vapiano zieht in die Räume des Mövenpick. Aber wie zufrieden sind Sie eigentlich mit dem Entree am Breitscheidplatz?

Wir haben generell beim Europa-Center ein Problem mit den Eingängen. Sie sind zu klein, und das ist nicht ohne Weiteres zu ändern. Am Breitscheidplatz gibt es da noch das spezielle Thema mit den Stufen. Gerade im Sommer, wenn das dortige Eiscafé seine Sonnenschirme aufstellt, sieht man gar nicht, dass sich dahinter ein Eingang zum Europa-Center befindet. Das ist schwierig, aber ich bin gegen einen großen Umbau des Platzes. Der wird doch ganz gut angenommen, auch den Wasserklops finde ich witzig. Es müssten eher Kleinigkeiten gemacht werden, andere Bepflanzungen etwa, andere Sitzmöbel. Außerdem müsste der Platz technisch aufgerüstet werden, dann könnte man im Sommer besser Public Viewings machen, und auch der Weihnachtsmarkt würde profitieren.

Zum Schluss etwas Privates: Von Ihrem Vater weiß man, dass er erst mit 90 Jahren das Unternehmen vollständig an Sie übergeben hat, obwohl Sie schon lange als Geschäftsführer neben ihm gearbeitet haben. Ist das bei Ihnen auch denkbar?

Um Gottes Willen, so lang soll’s bei mir nicht werden. Zumal es meinem Vater zuletzt ja auch gesundheitlich nicht mehr gut ging. Man muss auch loslassen.

Ihren Sohn Patrick haben Sie schon früh in die Geschäfte eingebunden. Können Sie sagen, wann er komplett übernimmt?

Nein, das kann ich nicht. Außerdem will ich vorher noch ein paar selbstgesteckte Ziele erreichen.

Wollen Sie sagen, welche das zum Beispiel sind?

Nö.

Das Interview führte Elmar Schütze