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Ernst Thälmann Denkmal: Junge Liberale wollen Thälmann-Denkmal sprengen

Gigantisch: 13 Meter hoch und 50 Tonnen schwer ist der Bronze-Thälmann von Lew Kerbel.

Gigantisch: 13 Meter hoch und 50 Tonnen schwer ist der Bronze-Thälmann von Lew Kerbel.

Foto:

Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Erneut ist eine Debatte über den monumentalen Bronzekopf im Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg entbrannt. Die Jungen Liberalen Nordost, eine Jugendorganisation der FDP, fordern, das Denkmal „schnellstmöglich abzureißen“ und das Wohngebiet nach Ella Kay zu benennen, einer Widerstandskämpferin aus Prenzlauer Berg. Nach ihr heißt bereits eine Straße in der Plattenbausiedlung.

„Es ist ein Skandal, dass im 24. Jahr nach dem Mauerfall dieses Denkmal immer noch steht“, sagt Maximilian Losch vom Bezirksverband Nordost. Zwar hätte auch Thälmann unter der NS-Herrschaft gelitten, doch rechtfertige dies nicht, einen Feind der Weimarer Republik mit einem Denkmal zu ehren – erst recht nicht mit einem derart überdimensionierten, so der 28-jährige Staatswissenschaftler.

Wie ernst es den Jungen Liberalen mit der Tilgung des Arbeiterführers aus dem Stadtbild ist, wollen sie an diesem Sonnabend schon mal zeigen. Sie planen eine symbolische Sprengung der 50 Tonnen schweren Bronzeplastik. Unterstützung bekommen die Nachwuchsliberalen von der Berliner FDP. Der Landesvorsitzende Martin Lindner sagte: „Viele Opfer des DDR-Unrechtstaates empfinden es als andauernde Zumutung, wenn weiter Straßen und Plätze die Namen der Säulenheiligen der DDR tragen. Den Unwillen gegen so ein monströses und gigantisches Denkmal teile ich erst recht.“

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Das 13 Meter hohe Denkmal des von den Nazis ermordeten KPD-Funktionärs Ernst Thälmann (1886–1944) hatte die DDR-Partei- und Staatsführung unter dem Beifall von 100.000 Berlinern anlässlich Thälmanns hundertstem Geburtstag am 16. April 1986 enthüllt. Für die DDR hatte Thälmann eine hohe politische Symbolkraft: Er galt als unbeugsamer Kämpfer gegen das Hitlerregime, die Nazis brachten ihn um. Die Pionierorganisation trug seinen Namen. Kritiker sehen Thälmann jedoch als Gegner der Demokratie, der mit den Nazis gegen die Sozialdemokraten paktierte. Stalin förderte Thälmann, später soll er ihn jedoch als „keinen prinzipientreuen Marxisten“ bewertet haben.

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Kurz nach der Wende hatte es schon mal eine Debatte über das Denkmal gegeben. 1993 beschloss der frühere Bezirk Prenzlauer Berg, „die Monumentalanlage abzutragen“. Das Denkmal sei „eine Unansehnlichkeit im Stadtbild“. Einige Jahre später gab es den Beschluss, den Ernst-Thälmann-Park in Kulturpark umzubenennen. Beides wurde nie umgesetzt.

Das Monument steht auf der Landesdenkmalliste, für einen Abriss gibt es derzeit keine Genehmigung. „Eine Denkmalvernichtung ist kein Beitrag zur Aufarbeitung von Geschichte“, sagt Berlins oberstes Denkmalschützer, Jörg Haspel, der Berliner Zeitung.

Im Bezirk nimmt man die Pläne der Jungen Liberalen gelassen auf. „Wir warten auf ein Gesamtkonzept für den Park“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft. Derzeit läuft eine Voruntersuchung zur künftigen Gestaltung des Wohnviertels. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) stellt sich demonstrativ hinter Thälmann. „Meine Position ist unverändert: Das Denkmal soll stehen bleiben.“ Zweimal im Jahr reinigt eine Firma das ständig mit Graffiti beschmierte Denkmal und bekommt dafür Werbeflächen im Bezirk.

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Auf einem ersten Workshop zum Thälmannpark in dieser Woche haben sich die Bewohner auch Gedanken über das Denkmal gemacht. Man könne es mit Efeu bewachsen lassen, es nachts farbig anstrahlen, auf dem Platz eine Skaterbahn für Jugendliche bauen, lauteten einige Vorschläge. „Ein Abriss des Denkmals und eine Umbenennung des Parks, das sind gerade gar keine Themen unter den Bewohnern“, sagt Markus Seng, Sprecher der Anwohnerinitiative.