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Berliner Zeitung | Ersatzvorschlag Tempelhofer Feld: Sportbund fordert von Flüchtlingen bewohnte Sporthallen zurück
14. December 2015
http://www.berliner-zeitung.de/23346684
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Ersatzvorschlag Tempelhofer Feld: Sportbund fordert von Flüchtlingen bewohnte Sporthallen zurück

Diese Turnhalle in Weißensee wurde zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert.

Diese Turnhalle in Weißensee wurde zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert.

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dpa/Paul Zinken

Die Anzahl der Turnhallen, die zu Flüchtlingsunterkünften geworden sind, steigt. Das sorgt bisher vor allem für Verärgerung bei Sportvereinen, Eltern und bei einzelnen Bezirkspolitikern, die keine Hallen mehr hergeben wollen. Nun verschärft aber auch der Landessportbund (LSB), der bisher um Ausgleich bemüht war, den Ton.

Am kommenden Montagabend lädt der LSB alle Mitgliedervereine zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung in das Haus des Sports auf dem Olympiapark-Gelände ein. „Es reicht: Zweckentfremdung von Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte“, heißt es in dem Einladungsschreiben. „Der Unmut wächst“, sagt Heinz Brandi, Direktor des LSB. In vielen Vereinen würden inzwischen Mitglieder austreten. Natürlich wisse man um die Handlungszwänge des Senats und wolle die drohende Obdachlosigkeit von Flüchtlingen vermeiden. Doch das alles gehe nur, wenn man Flüchtlinge endlich großflächiger unterbringe. „Es führt wohl kein Weg daran vorbei, das Tempelhofer Feld mit provisorischen Gebäuden zu bebauen, die man später wieder abreißen kann“, sagte Brandi.

Deutlich spürbar ist der Unmut etwa beim Sportverein Karower Dachse. Dort ist die Sporthalle der Grundschule am Hohen Feld mit Flüchtlingen belegt, und der Verein hat in anderen umliegenden Turnhallen für einige Sportgruppen Ersatz gefunden, teils auch selbst Hallen angemietet. „Doch 200 Vereinsmitglieder haben inzwischen ihre Mitgliedschaft gekündigt“, heißt es bei dem Karower Sportverein. Bestimmte Sportarten wie Trampolinspringen würden nun gar nicht mehr angeboten.

Kein Trampolinspringen ist natürlich nur ein geringfügiges Problem verglichen mit den existenziellen Nöten vieler Flüchtlinge. Tatsächlich dienen von den gut 1050 Turnhallen in Berlin inzwischen über 43 Hallen als Notunterkünfte für 8700 Flüchtlinge. Es gibt also noch viele Turnhallen, in denen Sport getrieben werden kann. Allerdings kommt erschwerend hinzu, dass mindestens 20 weitere Turnhallen derzeit aus baulichen Gründen gesperrt sind oder nicht zur Verfügung stehen. Weitere Hallen sind in einem eher schlechten Zustand.

Unterschiede zwischen Bezirken

Sehr unterschiedlich verfahren die Berliner Bezirke bei der Bereitstellung von Turnhallen. Einige Bezirke wie Spandau, Neukölln , Friedrichshain-Kreuzberg, nun auch Pankow haben zunächst gleich mehrere Turnhallen zur Verfügung gestellt. Auch wenn Spandau nun keine weiteren Hallen mehr freigeben will. Andere Bezirke wie Reinickendorf boten zunächst kaum eine an. Inzwischen ist dort die Halle der Reginhard-Schule belegt. „Die Bezirke könnten natürlich auch andere Liegenschaften anbieten“, heißt es in Senatskreisen. Doch das würden einige Bezirke offenbar vermeiden. Einfacher ist es offenbar, Turnhallen anzubieten, weil dort Sanitäranlagen bereits vorhanden sind.

Ursprünglich war dem Landessportbund zugesichert worden, dass der Behinderten-, Hochleistungs- und Schulsport nach Möglichkeit nicht beeinträchtigt werde. Doch auch das lässt sich nicht mehr halten. Vor allen an einigen Grundschule und in der Sekundarstufe 1 fallen Sportstunden aus, müssen Schüler zusätzliche Wege in Kauf nehmen. Für die Bildungsverwaltung hat oberste Priorität, dass die Abiturabschlüsse nicht berührt werden. Für das kommende Schulhalbjahr plant die Bildungsverwaltung nun sogar mehr Sportunterricht alternativ in Schwimmhallen, Klettergärten oder Tanzschulen stattfinden zu lassen. Dort will man sich dann einmieten.