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Europacity: Mini-Türme und Glaswürfel entstehen am Berliner Hauptbahnhof

Für das Hochhaus am Nordhafen gibt es bisher nur erste Ideen.

Für das Hochhaus am Nordhafen gibt es bisher nur erste Ideen.

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Quartier Heidestrasse GmbH

Berlin -

Nach der Konzernzentrale für den französischen Mineralölkonzern Total sollen in der Europacity am Hauptbahnhof weitere Hochhäuser gebaut werden. Das hat der österreichische Projektentwickler CA Immo am Montagabend angekündigt. Für einen 84 Meter hohen Büroturm am Europaplatz zum Beispiel werde in dieser Woche ein städtebaulicher Wettbewerb gestartet, sagte Matthias Schmidt, Chef der Projektentwicklung in Deutschland. Der neue Turm mit 22 Etagen soll das höchste Bauwerk in dem neuen Stadtteil werden. Er ist damit zwar 15 Meter höher als der Total-Tower, im internationalen Vergleich aber doch eher ein Zwerg.

Wie Schmidt sagt, werde es für die Architekten keine Beschränkungen geben. „Wir wollen in der Europacity eine vielfältige Architektur“, so Schmidt. Zehn Büros aus Europa sollen eingeladen werden, Entwürfe zu liefern. Zu dem Projekt gehören weitere Häuser, die 30 Meter hoch werden sollen. Laut Schmidt wird der Siegerentwurf im April gekürt. Der Baustart für das 125 Millionen Euro teure Vorhaben ist allerdings erst für 2018 vorgesehen.

Problem S21

Denn das 4000 Quadratmeter große Grundstück ist kompliziert. Nicht wegen des Bodens, sondern weil die Deutsche Bahn dort noch immer die neue S-Bahnlinie S21 vom nördlichen Berliner Ring zum Hauptbahnhof baut. Der S-Bahntunnel unter dem künftigen Hochhaus ist erst in diesem Jahr fertiggestellt worden, an anderen Stellen klaffen im Boden aber noch riesige Baugruben der Bahn, sodass dort an die Vollendung des nördlichen Bahnhofsplatzes nicht zu denken ist. Für die S21 sind seit 2006 die Kosten von 190 Millionen Euro auf mehr als 300 Millionen Euro gestiegen.

Bürohaus Heidestraße

Das Bürohaus Rieck 2 soll an der Heidestraße entstehen. Henn Architekten sehen für das Gebäude eine Metallfassade aus Aluminium vor.

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Henn Architekten

Probleme machen außer dem hohen Grundwasser vor allem Tunnelteile, die vor zehn Jahren nicht wie geplant am Hauptbahnhof gebaut wurden. Daher ist weiter unklar, wann die S-Bahnstrecke zum Hauptbahnhof in Betrieb gehen kann. Der geplante Termin 2017 ist längst überholt.

Cube auf dem Washingtonplatz

Die Österreicher wollen jetzt aber keine Zeit mehr vergeuden. Denn nach ihrer Einschätzung boomt derzeit in der Hauptstadt der Büroflächenmarkt. „Der Anstieg der Bürobeschäftigten ist höher als in London und Paris. Bis 2020 werden Flächen für etwa 62.000 Mitarbeiter benötigt“, sagt Guido Schütte, CA-Immo Chef in Berlin. Doch moderne Bürohäuser sind in der Stadt Mangelware. Deshalb baut das Unternehmen, ohne Mietverträge in der Tasche zu haben, auf eigenes Risiko den Cube auf dem Washingtonplatz. Das ist ein würfelförmiges Bürohaus, das mit 42 Meter fast so hoch wie der Hauptbahnhof wird. Strategie ist es dort, eine öffentliche Lobby mit Café und großen Coworking-Flächen einzurichten, die gleichermaßen von Mietern und Besuchern genutzt werden können.

350 Quadratmeter groß soll die Lobby im Rieck 2 sein – mit Café und Bar.

350 Quadratmeter groß soll die Lobby im Rieck 2 sein – mit Café und Bar.

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CA Immo/Henn Architekten

Zugleich soll es ein Smart-Building werden. Das heißt, Hausausweise oder Zugangskarten werden nicht mehr gebraucht, alles wird per App übers Handy gesteuert – Einlass, Fahrstuhl, Tiefgarage. Vernetzt mit der Haustechnik, lassen sich in dem Prestigebau auch Lüftung und Heizung steuern, je nachdem, wo sich die Beschäftigten im Haus aufhalten und arbeiten. „Alle Geräte kommunizieren miteinander. Wir bieten den Mietern mehr Service und Flexibilität“, sagt Schmidt.

Bürohaus an der Heidestraße

Ganz so vornehm wird ein Bürohaus an der Heidestraße neben der Rieck-Ausstellungshalle nicht ausgestattet sein. Aber wie im Cube soll es auch hier eine große und belebte Lobby mit Café und gemeinsamen Arbeitsbereichen geben. 2017 soll der Bau beginnen, den Entwurf dafür haben Henn Architekten geliefert, die auch das Zalando-Quartier nahe Ostbahnhof entworfen haben.

Ein weiteres Hochhaus plant CA Immo am Nordhafen nahe der Perleberger Brücke. Nach ersten Überlegungen soll es bis zu 23 Geschosse haben und könnte als Büro- oder auch als Wohnhaus genutzt werden. Wie hoch tatsächlich gebaut wird, soll ein städtebaulicher Wettbewerb im nächsten Jahr klären, sagt Projektentwickler Schmidt. „Das Vorhaben steht und fällt aber mit der S21 und dem geplanten Bahnhof an der Perleberger Brücke.“