Neuer Inhalt

Ex-GSW-Chef Bernd Kottmann: Millionen-Abfindung für 90 Tage Arbeit

Die GSW möchte die hohe Abfindung nicht weiter kommentieren.

Die GSW möchte die hohe Abfindung nicht weiter kommentieren.

Foto:

imago

Der durch einen Aufstand der Aktionäre gestürzte Vorstandschef der Wohnungsbaugesellschaft GSW Bernd Kottmann ist am Ende weich gefallen. Kottmann, der vom 16. April bis 15. Juli vergangenen Jahres im Amt war, erhielt von der GSW zum Abschied eine Abfindung in Höhe von 1,25 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens für das Jahr 2013 hervor. Für die drei Monate auf dem GSW-Chefsessel erhielt Kottmann darüber hinaus 126.000 Euro, wodurch sich die Gesamtzahlungen an den Manager auf 1,376 Millionen Euro summieren.

„Es ist haarsträubend, wie sich die Chefetage der GSW bedient“, empört sich der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV), Reiner Wild. „Auf der einen Seite werden die Mieten bis an die Grenzen der Belastbarkeit erhöht, auf der anderen Seite werden Abfindungen in Millionenhöhe gezahlt.“ Besonders bitter sei, so Wild, „dass es sich bei der GSW um eine ehemals landeseigene Wohnungsbaugesellschaft handelt, die auf maximalen Gewinn getrimmt wurde.“

Das Land Berlin hatte die GSW im Jahr 2004 mit damals rund 65.000 Wohnungen an ein Konsortium um den US-Finanzinvestor Cerberus verkauft. Im Jahr 2011 ging die GSW mit Billigung des Senats an die Börse. Per Aktientausch übernahm die Deutsche Wohnen im vergangenen Jahr die GSW – dadurch entstand mit rund 150.000 Wohnungen der zweitgrößte private Immobilienkonzern in Deutschland. Mehr als 100.000 Wohnungen liegen in Berlin.

Beide kannten sich

Der GSW-Aufsichtsrat hatte Kottmann im vergangenen Jahr zum Nachfolger des langjährigen Unternehmenschefs Thomas Zinnöcker berufen. Eine Entscheidung, die Beobachter auf das maßgebliche Betreiben des damaligen Aufsichtsratschefs Eckart John von Freyend zurückführen. Die beiden kannten sich aus einer gemeinsamen Zeit beim Immobilienkonzern IVG. Doch die Aktionäre akzeptierten die Entscheidung nicht. Sie erzwangen im Juni 2013 die Auflösung des Vertrages mit Kottmann. John von Freyend ging freiwillig. Damals wurde über die hohe Abfindung für Kottmann noch nichts bekannt.

Im Geschäftsbericht 2013 veröffentlichte die GSW schließlich die Vertragsdetails. Danach sollte Kottmann jährlich eine feste Grundvergütung von 490.000 Euro erhalten. Darüber hinaus war eine erfolgsabhängige Komponente vorgesehen. Je nachdem, wie die vereinbarten Unternehmensziele erreicht worden wären, hätten Kottmann zusätzlich bis zu 294.000 Euro jährlich zugestanden. Und um die langfristige Leistung zusätzlich zu honorieren, wurden den Vorstandsmitgliedern noch Aktien in Aussicht gestellt – die Zahl sollte sich aus der erfolgsabhängigen Vergütung und dem Börsenkurs der GSW errechnen.

Sondervergütung zum Gehalt

Die GSW erklärte jetzt zur Abfindung für Kottmann: „Das ist Vergangenheit, die wir an der Stelle nicht weiter auf Angemessenheit bewerten oder kommentieren können.“ Zum Vergleich: Die GSW unterhält seit Januar 2011 einen Sozialfonds für in Not geratene Mieter, der mit 250.000 Euro ausgestattet wurde. Innerhalb von drei Jahren seien „bereits knapp 100.000 Euro“ davon an Mieter ausgezahlt worden, teilte die GSW Ende 2013 mit.

Im vergangenen Jahr hat aber nicht nur der ehemalige GSW-Chef gut verdient. Der Vorstandschef der Deutschen Wohnen Michael Zahn erhielt für die erfolgreiche Übernahme der GSW eine Sondervergütung in Höhe von 900.000 Euro zum Gehalt, sein Vorstandskollege Lars Wittan durfte sich immerhin noch über 600.000 Euro zusätzlich freuen. 50 Prozent des Betrages wurden bereits 2013 ausgezahlt. In Bezug auf den zweiten Teil verpflichteten sich die Vorstände, den Nettobetrag vollständig in Aktien der Deutsche Wohnen AG zu investieren. Die Hälfte des Aktienpakets ist davon abhängig, dass Einsparpotenziale in Höhe von 25 Millionen Euro jährlich durch die Übernahme der GSW erreicht werden, wie aus dem Geschäftsbericht hervor geht. Die Einsparungen von 25 Millionen Euro sollen nach vollständiger Integration der GSW in zwei Jahren erreicht werden.

Die Gehälter der beiden Vorstandsmitglieder der Deutsche Wohnen waren auch ohne Sondervergütung nicht schlecht. Vorstandschef Zahn erhielt 2013 ein Festgehalt von 477.000 Euro zuzüglich einer erfolgsabhängigen Variablen von maximal 950.000 Euro. Lars Wittan bezog ein Festgehalt von 274.000 Euro, zuzüglich einer erfolgsabhängigen Variablen von maximal 550.000 Euro.