Die Entscheidung für Schönefeld als alleinigen Flughafenstandort der Region stößt bei den Berlinern auf starke Skepsis. Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung vertreten 50 Prozent der Hauptstädter die Ansicht, es wäre besser gewesen, wenn es bei den früheren drei kleinen Flughäfen geblieben wäre. Lediglich 43 Prozent der Befragten halten die Entscheidung für einen einzigen Standort für richtig. Der Willy-Brandt-Flughafen soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Noch im Sommer war sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ganz sicher: „Die absolute Mehrheit ist für den Flughafen und freut sich auf ihn“, rief er Ende Juni den wenigen Gegnern des Flughafenstandorts Schönefeld zu, die sich am ersten Tag der offenen Tür auf die Baustelle des künftigen Hauptstadt-Airports BER gewagt hatten – unter lauter Flughafenfans. Rund 50 000 Besucher waren an jenem Tag nach Schönefeld gefahren. Die neue Umfrage ergibt nun ein anderes Bild.
50 Prozent – vor allem die Anhänger der CDU - sind der Meinung, man hätte es besser bei den früheren drei Flughäfen belassen sollen.
Bezeichnend ist, dass laut Forsa mehr Ost-Berliner – 50 Prozent der Befragten – die Entscheidung für Schönefeld gutheißen. Unter den West-Berlinern sind nur 38 Prozent dieser Ansicht. 56 Prozent von ihnen hätten es lieber, wenn alles beim Alten geblieben wäre. Insbesondere die Unter-30-Jährigen zweifeln die Entscheidung für einen Großflughafen mehrheitlich (54 Prozent) an. Nur 38 Prozent von ihnen halten diesen Schritt im Nachhinein für richtig. Bei den Befragten im Alter von 45 bis 59 Jahren sagen dagegen 46 Prozent ja zum BER in Schönefeld.
Auf diesen Routen sollen die Düsen-Flugzeuge vom neuen Hauptstadtflughafen aus starten und landen.
Gegen den Berliner Gesamttrend stehen laut Forsa vor allem die Anhänger der Grünen, die zu 57 Prozent den Alleinstandort Schönefeld für richtig halten. Unter den Anhängern der SPD sind es 52 Prozent, unter denen der Linken 49 Prozent, jeweils mit Mehrheit pro Schönefeld. Hingegen sind die Anhänger der CDU, die 2008 gegen die Schließung von Tempelhof protestierte, zu 60 Prozent der Meinung, drei Flughäfen seien besser als ein großer.
Das Terminal ist vor allem eine gewaltige Baustelle, die niemand ohne Helm betreten darf.
Foto: Gerd EngelsmannZwar glauben die Befragten mehrheitlich (51 Prozent) daran, dass der Flughafen mehr Arbeitsplätze bringt. Aber für sich persönlich sieht eine große Mehrheit entweder keine Folgen (49 Prozent) oder aber negative (30 Prozent), wenn ab Juni dieses Jahres nur noch vom „Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt“ geflogen wird. Positive Auswirkungen erwartet für sich persönlich nur knapp jeder Fünfte.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Bürger aufgerufen, die Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen als Kompromiss zu akzeptieren. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) habe zwischen den unterschiedlichsten Anforderungen und Kriterien abgewogen, erklärte er am Donnerstag nach der Entscheidung. „Ich begrüße, dass die zuständigen Bundesbehörden nun Klarheit zu den künftigen Flugrouten geschaffen haben.“ Das Bundesaufsichtsamt entschied sich dafür, dass die Flugzeuge über die Müggelsee-Region im Südosten der Hauptstadt fliegen sollen. Auch über den Südwesten werden Flugzeuge abheben. Der neue Flughafen an der Stadtgrenze in Schönefeld soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Die Schließung des Flughafens Tegel werde zeitgleich hunderttausende Berliner von bisherigem massivem Fluglärm entlasten, betonte Wowereit.
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