Abgelehnter Flughafen: Ein Passagierflugzeug landet auf dem Flughafen Schönefeld, während im Hintergrund der Tower des zukünftigen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt BER zu sehen ist. Foto: dapd
Abgelehnter Flughafen: Ein Passagierflugzeug landet auf dem Flughafen Schönefeld, während im Hintergrund der Tower des zukünftigen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt BER zu sehen ist. Foto: dapd
Berlin –
Hauptstadtflughafen? Nein danke: Die meisten Berliner wollen lieber die drei kleineren Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld anstatt des neuen Hauptstadtflughafens. Das zeigt eine Exklusiv-Umfrage von Forsa für die Berliner Zeitung.
Die Entscheidung für Schönefeld als alleinigen Flughafenstandort der Region stößt bei den Berlinern auf starke Skepsis. Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung vertreten 50 Prozent der Hauptstädter die Ansicht, es wäre besser gewesen, wenn es bei den früheren drei kleinen Flughäfen geblieben wäre. Lediglich 43 Prozent der Befragten halten die Entscheidung für einen einzigen Standort für richtig. Der Willy-Brandt-Flughafen soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Noch im Sommer war sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ganz sicher: „Die absolute Mehrheit ist für den Flughafen und freut sich auf ihn“, rief er Ende Juni den wenigen Gegnern des Flughafenstandorts Schönefeld zu, die sich am ersten Tag der offenen Tür auf die Baustelle des künftigen Hauptstadt-Airports BER gewagt hatten – unter lauter Flughafenfans. Rund 50 000 Besucher waren an jenem Tag nach Schönefeld gefahren. Die neue Umfrage ergibt nun ein anderes Bild.
50 Prozent – vor allem die Anhänger der CDU - sind der Meinung, man hätte es besser bei den früheren drei Flughäfen belassen sollen.
43 Prozent für Flughafen
43 Prozent der Berliner meinen, dass die Entscheidung für Schönefeld als einzigem Flughafen für Berlin und die Schließung von Tempelhof und Tegel richtig war. Dieser Ansicht sind insbesondere die Ost-Berliner sowie die Anhänger der SPD und der Grünen.
Nur ein Drittel glaubt an Verbesserung der Lebensqualität
Nur 37 Prozent der Berliner gehen davon aus, dass sich die Lebensqualität dadurch verbessern wird, dass es im Stadtgebiet künftig keinen Flughafen mehr gibt.
Keine Verbesserung der Lebensqualität
58 Prozent der Berliner sehen dadurch keine Verbesserung der Lebensqualität.
Minderheit für Ausweitung des Nachtflugverbots
Nur eine Minderheit der Berliner (26 %) befürwortet eine Ausweitung des Nachtflugverbots auf die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr.
Nachtflugverbot ausreichend
Die große Mehrheit (70 %) hält das derzeitige Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr für ausreichend. Dieser Meinung sind insbesondere die Vielflieger.
51 Prozent glauben an wirtschaftlichen Aufschwung
Dass es durch den neuen Flughafen mehr Arbeitsplätze und einen wirtschaftlichen Aufschwung in Berlin geben wird, glauben 51 Prozent der Berliner. 44 Prozent gehen hingegen davon aus, dass der neue Flughafen darauf keinen Einfluss haben wird. 17 Prozent der Berliner geben an, häufig zu fliegen.
35 Prozent Berliner fliegen nicht
48 Prozent fliegen hin und wieder, 35 Prozent nutzen das Flugzeug so gut wie gar nicht.
Bezeichnend ist, dass laut Forsa mehr Ost-Berliner – 50 Prozent der Befragten – die Entscheidung für Schönefeld gutheißen. Unter den West-Berlinern sind nur 38 Prozent dieser Ansicht. 56 Prozent von ihnen hätten es lieber, wenn alles beim Alten geblieben wäre. Insbesondere die Unter-30-Jährigen zweifeln die Entscheidung für einen Großflughafen mehrheitlich (54 Prozent) an. Nur 38 Prozent von ihnen halten diesen Schritt im Nachhinein für richtig. Bei den Befragten im Alter von 45 bis 59 Jahren sagen dagegen 46 Prozent ja zum BER in Schönefeld.
Gegen den Berliner Gesamttrend stehen laut Forsa vor allem die Anhänger der Grünen, die zu 57 Prozent den Alleinstandort Schönefeld für richtig halten. Unter den Anhängern der SPD sind es 52 Prozent, unter denen der Linken 49 Prozent, jeweils mit Mehrheit pro Schönefeld. Hingegen sind die Anhänger der CDU, die 2008 gegen die Schließung von Tempelhof protestierte, zu 60 Prozent der Meinung, drei Flughäfen seien besser als ein großer.
Nach offiziellen Angaben arbeiten jetzt 1500 Menschen an der Fertigstellung des Terminals, weitere 3500 sind im Freien beschäftigt.
Foto: Gerd Engelsmann
Das Wetter meint es gut mit ihnen. Die Arbeiten liegen im Plan, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel.
Foto: Gerd Engelsmann
Rund hundert Fluggäste klappern in diesen Tagen die Stationen im Terminalgebäude des künftigen Hauptstadtflughafens ab, um ihre Flüge pünktlich zu erreichen.
Foto: Gerd Engelsmann
Um Einzuchecken, um das Gepäck aufzugeben und die Sicherheitskontrolle zu passieren.
Foto: Gerd Engelsmann
Beim Boarding ist Schluss. Denn natürlich wird vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld noch nicht geflogen.
Foto: Gerd Engelsmann
Aber zweimal wöchentlich proben jetzt Mitarbeiter des Bodenpersonals, der Airlines und Bundespolizisten die Abläufe an ihren künftigen Arbeitsstellen.
Foto: Gerd Engelsmann
Immer und immer wieder. Es soll nichts schief gehen, wenn am frühen Morgen des 3. Juni der Airport mit dem Kürzel BER seinen Betrieb aufnimmt.
Foto: Gerd Engelsmann
In diesen Tagen erhalten die letzten Check-In-Schalter ihr Mobilar, werden Computer angeschlossen und Transportbänder getestet.
Foto: Gerd Engelsmann
Folien und Pappe schützen die edlen Holzverkleidungen der Abfertigungsinseln. Die Marmorfußböden sind, soweit schon vorhanden, mit Spanplatten bedeckt.
Foto: Gerd Engelsmann
Zwischen unzähligen Koffern und Taschen, die längst keine Besitzer mehr haben, für den Probebetrieb aber unentbehrlich sind, bahnen sich Arbeiter mit Baumaterialien und Ausrüstungsgegenständen ihren Weg durch die staubige Abfertigungshalle.
Foto: Gerd Engelsmann
Knapp fünf Minuten brauchen die Koffer auf ihren Bändern von den Check-In-Schaltern bis zur vollautomatischen Sortieranlage eine Etage tiefer.
Foto: Gerd Engelsmann
Nach Weihnachten hatten Helfer 16.000 Gepäckstücke durch die Anlage geschickt – in einer Stunde.
Foto: Gerd Engelsmann
Die Abläufe der Kontrollen seien optimiert worden, heißt es.
Foto: Gerd Engelsmann
Noch längst nicht einsatzbereit sind die Bänder, von denen einmal ankommende Passagiere ihr Gepäck nehmen sollen.
Zwar glauben die Befragten mehrheitlich (51 Prozent) daran, dass der Flughafen mehr Arbeitsplätze bringt. Aber für sich persönlich sieht eine große Mehrheit entweder keine Folgen (49 Prozent) oder aber negative (30 Prozent), wenn ab Juni dieses Jahres nur noch vom „Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt“ geflogen wird. Positive Auswirkungen erwartet für sich persönlich nur knapp jeder Fünfte.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Bürger aufgerufen, die Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen als Kompromiss zu akzeptieren. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) habe zwischen den unterschiedlichsten Anforderungen und Kriterien abgewogen, erklärte er am Donnerstag nach der Entscheidung. „Ich begrüße, dass die zuständigen Bundesbehörden nun Klarheit zu den künftigen Flugrouten geschaffen haben.“ Das Bundesaufsichtsamt entschied sich dafür, dass die Flugzeuge über die Müggelsee-Region im Südosten der Hauptstadt fliegen sollen. Auch über den Südwesten werden Flugzeuge abheben. Der neue Flughafen an der Stadtgrenze in Schönefeld soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Die Schließung des Flughafens Tegel werde zeitgleich hunderttausende Berliner von bisherigem massivem Fluglärm entlasten, betonte Wowereit.
Ramsauer: Flugrouten sind nicht in Beton gegossen
Nach der Festlegung der Flugrouten am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den betroffenen Anwohnern eine Überprüfung der Lärmbelastung zugesagt. "Die heute vorgestellten Flugrouten sind nicht in Beton gegossen", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag. Innerhalb eines Jahres könne man auf Grundlage der gewonnenen Daten über die An- und Abflugschneisen neu beraten. Am Vormittag hatte das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) die Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen präsentiert. Dabei bestätigte die Behörde weitgehend die bisherigen Planungen und genehmigte auch den umstrittenen Überflug des Müggelsees. (dapd)
Müller setzt auf weitere Verbesserungen für Bürger bei Flugrouten
Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat sich für eine weitere Modifikation der Flugrouten am neuen Hauptstadtflughafen Schönefeld ausgesprochen. Auch nach der Vorstellung der Strecken durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sei es Aufgabe der Fluglärmkommission, Verbesserungen im Interesse der Bürger bei den Routen zu erzielen, sagte Müller am Donnerstag. Die nun bestätigten Flugrouten seien ein Kompromiss, betonte Müller. An vielen Stellen fänden sich Vorschläge der Fluglärmkommission, aber auch des Landes Berlin wieder. Zugleich forderte Müller die Flughafengesellschaft auf, die künftigen Belastungen der Bürger möglichst gering zu halten und Betroffene unbürokratisch beim Lärmschutz zu unterstützen. (dapd)
Grüne kritisieren Senat für Flugrouten-Planung
Nach der Festlegung der Flugrouten am Großflughafen Schönefeld haben die Grünen dem Berliner Senat Tatenlosigkeit vorgeworfen. „Der Senat hat die Betroffenen im Stich gelassen und sich nicht ausreichend für optimierte Routen und den bestmöglichen Lärmschutz eingesetzt“, sagte die Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, am Donnerstag. (dapd)
Flughafenchef begrüßt Entscheidung zu Flugrouten
Die Berliner Flughafengesellschaft hat die Festlegung der Flugrouten zum neuen Hauptstadt-Airport begrüßt. „Nun herrscht endlich Klarheit“, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz am Donnerstag. Das vorgestellte Konzept sei „auch das Ergebnis der engagierten Arbeit der Fluglärmkommission und vieler der Bürgerinitiativen, die konstruktive Beiträge geleistet haben, um die Fluglärmbelastung in der Region so gering wie möglich zu halten“. Schwarz kündigte zudem an: „Auch nach Eröffnung des BER gilt es, Optimierungspotenziale durch die Erfahrungen des realen Flugbetriebs zu entwickeln.“ In jedem Fall werde wie bereits angekündigt die Studie zur Realisierbarkeit des sogenannten Münchener Modells für die Ostabflüge vorangetrieben. Nach internationalen Vorgaben sind Parallelstarts, die die Flugbewegungen bündeln würden, eigentlich nicht zulässig. Für den Flughafen München gibt es aber eine Ausnahme.
Platzeck zu Flugrouten: Lärmschutz unbürokratisch umsetzen
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat nach der Festlegung der Flugrouten für den neuen Flughafen Berlin-Schönefeld eine rasche Umsetzung des Lärmschutzes gefordert. Es könnten nicht alle Anwohner zufriedengestellt werden, sagte er am Donnerstag. „Umso wichtiger ist jetzt, den Lärmschutz in voller Kraft unbürokratisch und auch in Grenzfällen im Sinne der Betroffenen umzusetzen.“ Sollten sich nach der Eröffnung des Flughafens am 3. Juni neue Erkenntnisse ergeben, sollten diese in der Fluglärmkommission diskutiert werden. „Ich bin froh, dass das Bundesamt mit seinen Festlegungen im Wesentlichen die Ergebnisse der Fluglärmkommission aufgenommen hat“, sagte Platzeck. Damit seien bedeutende Verbesserungen gegenüber den ersten Entwürfen vom September 2010 erreicht worden.
Regisseur Haußmann will trotz Fluglärms nicht wegziehen
Der Filmregisseur Leander Haußmann („Sonnenallee“) protestiert seit langem gegen Fluglärm durch den neuen Hauptstadtflughafen, wegziehen will er aus der betroffenen Region in Berlin aber nicht. „Ich bin alter Friedrichshagener und lebe in der vierten Generation dort. Ein Wegzug kommt nicht infrage“, sagte Haußmann am Donnerstag, nachdem die Flugrouten für den neuen Airport bekanntgegeben wurden. Der Regisseur lebt in einer Wohnung im Naherholungsgebiet am Müggelsee. Haußmann kritisierte die schlechte Kommunikation im Vorfeld der Planungen. „Man hatte die ganze Zeit das Gefühl, da wird etwas unter dem Tisch gehalten“, sagte er. Außerdem mache es ihn „fuchsig“, dass die Gemeinden offenbar gegeneinander ausgespielt werden. Haußmann bezog sich damit auch auf eine mögliche Ost-West-Auseinandersetzung. Nach jetziger Festlegung der Flugrouten sind Anwohner im Südosten der Stadt mehr betroffen als die im Südwesten. (dpa)
Bundes-SPD fordert mehr Transparenz bei Flugroutenplanungen
Die SPD im Bundestag fordert angesichts des heftigen Streits um die Flugrouten am künftigen Hauptstadtflughafen künftig mehr Transparenz. Die Flugsicherung solle verpflichtet werden, bei Routenfestlegungen die Öffentlichkeit bereits bei der Vorplanung zu beteiligen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Sören Bartol, am Donnerstag. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) solle eine Gesetzesänderung einbringen. Die mangelnde Klarheit beim Airport Berlin Brandenburg sei für die Bevölkerung unerträglich gewesen. „Es muss spätestens in einem Jahr eine Überprüfung und Anpassung der Flugrouten geben“, forderte Bartol.
BDL-Präsident Siegloch lobt Flughafen als Job-Motor
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat die Festlegung der Flugrouten für den Großflughafen in Schönefeld begrüßt. "Es ist gut, dass dieser Meilenstein erreicht ist", sagte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch am Donnerstag. Der Flughafen sei ein Job-Motor für die gesamte Region. Zuvor hatte das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) die bisherige Routenplanung weitgehend bestätigt und einen Überflug über den Müggelsee genehmigt. Mit Blick auf die Anwohner sagte Siegloch: "Flugrouten sind ein Kompromiss zwischen den berechtigten Interessen der Menschen an Lärmschutz und der Notwendigkeit unserer Gesellschaft, mobil, international vernetzt und wirtschaftlich stark zu sein." (dapd)
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