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Fahrrad im Sportunterricht: Radfahren macht schlau

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Illustration: Steffi Reeg

Zeitungslesen, Radfahren und Ethikunterricht – das passt alles sehr gut zusammen. Jedenfalls soweit es die Wald-Oberschule in Charlottenburg betrifft. Dort haben sich zwei 7. Klassen unter der Leitung ihres Ethiklehrers Josef Rabl in den vergangenen Monaten genau mit diesem Thema befasst. In Zusammenarbeit mit dem Izop-Institut aus Aachen, das mit seinem Projekt „Zeitung in der Schule“ die Lesekompetenz von Schülern in der Mittelstufe fördern möchte, wählten Lehrer und Schüler das Thema Verkehrssicherheit aus, zu dem sie Informationen recherchieren und eigene Texte verfassen wollten.

Da viele der Schüler mit dem Fahrrad zur Schule kommen und sogar im Sportunterricht Fahrräder zur Verfügung stehen, war schnell klar, dass es speziell um dieses Thema gehen sollte. Die Jugendlichen recherchierten zunächst in der Berliner Zeitung, die sie während des Projektes täglich erhielten, und nutzten auch die Suchfunktion auf der Webseite, um Informationen zu sammeln. Danach wurden sie selbst aktiv. Sie entwickelten einen Fragebogen, mit dem sie die Radfahrgewohnheiten von etwa 100 Mitschülern aus den siebten und achten Klassen erforschten. Es zeigte sich, dass ein Drittel von ihnen regelmäßig mit dem Rad zu Schule fährt, die meisten von ihnen mit dem Mountainbike.

Die Hälfte von ihnen trägt dabei einen Fahrradhelm, was umso bemerkenswerter ist, weil nur exakt zwei der Befragten der Meinung sind, so ein Helm sehe auch cool aus. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, schon mal von anderen Verkehrsteilnehmern beschimpft worden zu sein, wobei die Mehrheit der Meinung ist, das dies zu Unrecht geschah. Gut möglich, dass aus dieser Erfahrung heraus die Typologie der Radfahrer entstand, die auf dieser Seite beschrieben werden und die unsere Zeichnerin Steffi Reeg ins Bild gesetzt hat. (BLZ)

Der Mini-Fahrer ist fünf bis zehn Jahre alt, oft noch Radfahranfänger und Konkurrent auf dem Radweg zur Schule. Anfangs dirigieren ihn Mama oder Papa noch durch die morgendlichen Radwegklippen. Er fährt langsamer als die Älteren, zeigt sich unsicher und ist ab der zweiten oder dritten Klasse nur selten allein unterwegs. Er findet es toll, grundlos die Klingel zu läuten oder die Tute zu drücken. Abseits des großen Verkehrs fährt er mit seinen Freunden zu dritt nebeneinander und plaudert munter mit ihnen. Ein zufällig folgendes Auto bremst er mutig aus.
Das Bogenfahren zählt zu seinen Überraschungen. (Rahel Diederich)

Für den Allzeitfahrer gibt es keine Jahreszeit, in der er nicht mit dem Rad unterwegs sein kann. Er fährt jeden Tag mit seinem Bike in die Schule, fährt in der Pause auch mal schnell nach Hause, nach der Schule sieht man ihn auch per Rad unterwegs. Ob es regnet oder schneit, er hat die passende Bekleidung. Er achtet sehr auf sein Fahrrad, hält es in Schuss und verhindert mit allen Mitteln, dass es ihm geklaut wird. Für den Notfall besitzt er ein Zweitrad, damit er auch dann mobil ist, wenn sein Erstrad ausfällt. Kommt ein Freund zu Besuch, muss der damit rechnen, zu einer Radtour animiert zu werden. Sicher hätte er nichts dagegen, den Stuhl in seiner Klasse gegen einen Fahrradsitz einzutauschen, auf die Lehne verzichtet er locker.
(Lilly Draheim, René Kern, Fabian Kluge)

Der Unachtsame ist ganz bei seinem Gefährt und vergisst darüber alles um sich herum. Zu Regeln hat er ein lockeres Verhältnis; sein Interesse ist es, sein Ziel zu erreichen, die anderen dürfen warten. Meist fährt er viel zu schnell und erweist sich dabei als rücksichtslos. Ob Radweg, Straße oder Gehweg ist ihm egal, er kreuzt und kurvt auf allen Bahnen, volle Bremsung inbegriffen. Ein geregeltes Stopp scheint aber ausgeschlossen für ihn. Fußgänger gleich welchen Alters genießen wenig Achtung, er umrundet sie, wie ein Skirennläufer die Slalomtore. Fahrradpiste ist überall. (Cheyenne Leder)

Der mp3-Radler kann ohne eine Verkabelung beider Ohren nicht mit seinem Rad starten. Fährt man hinter ihm, hat man schon nach kurzer Zeit einen neuen Ohrwurm. Er legt ein flottes Tempo vor und hört alles, mal Pop, mal Rock, mal Hip-Hop. Wie viel er von seiner Umgebung akustisch wahrnimmt, lässt sich nicht sicher sagen. Er hätte wohl Probleme, würden Polizei und Feuerwehr verstärkt die Radwege benutzen. Ihn zeichnet eine gewisse Rücksichtslosigkeit aus, die Pedale tritt er mitunter im Takt der Musik. (Sophie Nicolai, Kilian Mühle, David Nikro)

Der bedächtige Radfahrer ist einer, der nicht durch seine Geschwindigkeit auffällt. Auf dem Radweg fährt er in der Mitte und in Gedanken versunken. Wenn es hinter ihm klingelt, erschrickt er und hat seine liebe Not, zur Seite zu fahren. Er betrachtet die Umgebung und sitzt dazu ganz aufrecht auf seinem Rad. Bisweilen scheint er darüber das Treten zu vergessen. Er ist meist alleine unterwegs und verpasst an der Ampel die Grünphase zur Weiterfahrt. Selbst bergab gerät er nur in mäßiges Tempo.
(Janik Tang)

Dem Mitten-auf-dem-Radweg-Fahrer scheint der Radweg in voller Breite zu gehören. Wenn man klingelt, fühlt er sich sofort beleidigt und fragt, was das Geläute soll, lässt sich aber Zeit damit, den Weg für andere frei zu machen. Er ist gerne freihändig unterwegs, hat dadurch Überbreite und hält sich für den Besten und Coolsten. Er telefoniert beim Fahrradfahren und meckert Leute an, die dies auch tun. Er bremst plötzlich, beschleunigt aber auch schnell ohne Abstimmung mit seiner Umgebung. Er verzichtet nahezu völlig darauf Zeichen – etwa beim Abbiegen - zu geben, denn wo er fährt, ist der Nabel der Welt. (Selma Alic, Philipp Strube)