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Fahrräder in Berlin: Die meisten Fahrradleichen gibt es in Pankow

Fährt nicht mehr, steht nur noch rum: Was vom Fahrrad so übrig bleibt.

Fährt nicht mehr, steht nur noch rum: Was vom Fahrrad so übrig bleibt.

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imago stock&people

Die Zahl klingt gewaltig: 2566 Fahrräder sind im vergangenen Jahr in der Stadt zwangsweise entsorgt worden. Zwangsweise, weil die Zweiräder – oder was von ihnen übrig war – seit Wochen und Monaten an Radabstellbügeln, Laternenmasten, Straßengeländern und Ähnlichem hingen. Aber wer ist so situiert, dass er ohne weiteres sein Fahrrad am Straßenrand einfach so aufgibt?

Die Frage lässt sich schnell beantworten. „Das sind Leute, die ihre Räder angeschlossen haben, dann vielleicht ein, zwei Tage unterwegs sind. Wenn sie zurück kommen, finden sie ihre Fahrräder zerstört“, sagt Philipp Poll, Landesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Und wer einmal genau hinschaut, kann das bestätigen: Die Räder sind krumm getreten, Reifen und Felgen fehlen, der Sattel ist weg... Poll fordert deshalb stadtweit Fahrradstationen und verschließbare Fahrradboxen. „Dann sind die Räder nicht mehr für alle zugänglich“, sagt der 32-Jährige und verweist auf Beispiele in Nordrhein-Westfalen.

Aber das kostet Geld und würde in der größten deutschen Stadt – hier gibt es geschätzt wenigsten 1,5 Millionen Fahrräder – doch einige Zeit dauern.

Bis dahin müssen also die Ordnungsämter immer wieder tätig werden. Die handeln nach klaren Regeln: Steht ein Rad drei Wochen auf öffentlichem Straßenland und wird in dieser Zeit nicht mehr bewegt, wird von einer unerlaubten Eigentumsbeseitigung oder einem Eigentumsdelikt ausgegangen. Das Ordnungsamt stellt in diesem Fall eine Sachfahndungsnachfrage an die Polizei, kommt da keine Antwort oder ist die negativ, wird gehandelt. Also das Fahrrad wird entfernt. Ist das Rad offensichtlich Schrott, wird nach einer Drei-Wochen-Frist von einer Eigentumsaufgabe ausgegangen und das Rad ebenfalls entfernt. Soweit der juristische Rahmen.

Damit die Halter auch wissen was droht, wird in Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und in Reinickendorf mit gelben Mahnplaketten gearbeitet. Vor allem rund um U- und S-Bahnhöfe mehren sich die Schrottrad-Fälle. Spitzenreiter ist der Bezirk Pankow. Dort wurden im Jahr 2014 exakt 588 Räder entsorgt. Dann folgen Mitte (419) und Charlottenburg-Wilmersdorf (314). Vorbildlich geht es dagegen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg zu – jedenfalls nach der Statistik. Denn dort wurden in 2014 nur zwei beziehungsweise vier Räder entsorgt. Im Normalfall gehen die Räder über die BSR in den Schrott, nur in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es den Verein Goldnetz. Der rüstet die Räder wieder auf. Darum kümmern sich in dem Projekt Langzeitarbeitslose. Die aufgemöbelten Räder gehen dann für einen symbolischen Preis an sozial Schwache, die nicht mehr als 900 Euro im Monat verdienen. Immerhin bis zu 25 Räder, die vorher von der Polizei geprüft und codiert werden, gehen so an neue Besitzer.

Die einstigen Besitzer kaufen sich einfach wieder ein Rad: 2013 wurden bundesweit 3,8 Millionen Fahrräder neu erworben.