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Fall Lisa aus Berlin-Marzahn: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen russischen Journalisten

Der russische Erste Kanal berichtete fünf Minuten über die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen in Berlin. Die Polizei kam nicht zu Wort.

Der russische Erste Kanal berichtete fünf Minuten über die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen in Berlin. Die Polizei kam nicht zu Wort.

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1TV

Der Fall einer angeblichen Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen aus Berlin-Marzahn hat für einen russischen Journalisten möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den russischen TV-Reporter Ivan Blagoy wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, wie rbb-online.de am Montagabend berichtet.

Angezeigt hatte ihn der Konstanzer Rechtsanwalt Martin Luithle. „Er hat in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, seine in Deutschland lebenden russischsprachigen Landsleute zum Hass gegen Flüchtlinge aufgestachelt und zugleich indirekt zur Gewalt und Willkürmaßnahmen gegen sie aufgefordert“, so der Anwalt.

Vergewaltigung frei erfunden

Blagoy hatte für das russischen Staatssender "Pervij kanal" über die angebliche Vergewaltigung aus Berlin berichtet. Der Fall hatte derart hohe Wellen unter Russlanddeutschen geschlagen, dass sich selbst der russische Außenminister Sergej Lawrow dazu zu Wort gemeldet hatte. Er warf den deutschen Behörden vor, den Fall lange verheimlicht zu haben.

Nach „allen Regeln der zivilisierten Welt“ hätte Russland rechtzeitig über den Zwischenfall informiert werden müssen. Erste Hinweise habe Moskau aber nicht von deutschen Behörden, sondern von der „russischsprachigen Gemeinde“ in Deutschland erhalten, so Lawrow.

Ende Januar stellte sich schließlich heraus, dass das Mädchen die Geschichte über ihre Vergewaltigung frei erfunden hatte. Die fragliche Nacht des 11. Januars verbrachte sie bei einem Bekannten. Wegen Problemen in der Schule hatte sie sich offenbar nicht nach Hause zu ihren Eltern getraut.