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Falscher BER-Ingenieur: Bäcker dürfen Brandschutz planen

Die Baustellen für den neuen Flughafen - eine Liste ohne Ende.

Die Baustellen für den neuen Flughafen - eine Liste ohne Ende.

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dpa

Er widersprach nicht, wenn man ihn als Ingenieur bezeichnete, dabei hat er nur eine Ausbildung zum technischen Zeichner absolviert. Obwohl Alfredo di Mauro kein Hochschuldiplom besitzt, war er maßgeblich an der Planung der Entrauchungsanlage 14 im Schönefelder Flughafen BER beteiligt – einem Herzstück der Brandschutztechnik, das bis heute nicht richtig funktioniert. Di Mauros Hochstapelei ist der jüngste Skandal am BER. Eine Lücke im Recht habe es ihm allerdings leicht gemacht, hieß es am Mittwoch in der Baukammer, der Standesvertretung aller im Bauwesen tätigen Ingenieure in Berlin. Er habe die Anlage entwerfen dürfen.

„So lange jeder Mann und jede Frau in Deutschland ganz legal Ingenieursleistungen erbringen darf, ohne Ingenieur zu sein, so lange soll sich keiner wundern, wenn Laien oder unzureichend Ausgebildete hochkomplexe Ingenieurleistungen anbieten. Die Verwunderung und Empörung, die jetzt gezeigt wird, ist scheinheilig“, sagte Peter Traichel, Geschäftsführer der Baukammer. „Jeder Bäcker darf Brandschutzkonzepte erstellen“ – juristisch gesehen. Es gelte lediglich: Nur Ingenieure dürfen die Pläne zur Genehmigung vorlegen. „Natürlich darf niemand sagen, dass er Ingenieur ist, wenn das nicht zutrifft. Aber abgesehen davon hat Herr di Mauro nichts Böses getan.“

In der Medizin und im Rechtssystem dürfen bestimmte Leistungen nur von Ärzten oder Juristen erbracht werden. Im Bauwesen ist das anders. Zwar setzen sich die Ingenieurkammern für strengere Regelungen sein. „Standsicherheit und Brandschutz dürfen nicht Laien überantwortet werden“, so der Geschäftsführer. Doch eine Gesetzesänderung sei nicht in Sicht. Grund: „Es geht darum, billig zu bauen.“

Weitere BER-Akten aufgetaucht

Es komme immer wieder vor, dass Nicht-Ingenieure Ingenieursleistungen erbringen, zum Beispiel im Einfamilienhausbau, sagte Traichel. „In einer solchen Dimension wie am BER ist so etwas meines Wissens nach erstmals vorgekommen.“

Hätte die Flughafengesellschaft FBB nicht fragen müssen, wer die Anlage plant? Nein, sagte Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. „Auftraggeber fragen nicht die Qualifikationen der einzelnen Planer ab. Das ist auch nicht notwendig, weil es sich immer um eine Gesamtleistung handelt, zu der mehrere beitragen. Eine Planung wird stets komplett übergeben.“ Bei Baukonzernen werde schließlich auch nicht gefragt, ob der Vorstandschef Bauingenieur ist.

Als die Entrauchungsanlage geplant wurde, war di Mauro kein Vertragspartner der FBB, hieß es in der Flughafengesellschaft. Er sei für die Planungsgemeinschaft BBI tätig gewesen, die bis 2012 für die Generalplanung zuständig war. Nachdem ihr gekündigt worden war, arbeitete die FBB mit 65 Firmen weiter – di Mauros war eine davon. Inzwischen erhielt aber auch er die Kündigung.

„Herr di Mauro war nur ein Teil“, sagte Mehdorn im Sender n-tv. Es gebe bei dem Projekt einen Strauß von Fehlern. Es bestand eine „skurrile Arbeitsteilung“. Rauchmelder, Sprinkler, Durchsagen, Rauchabzug und Frischluftzufuhr lagen in unterschiedlichen Händen. Die Überwachung reichte nicht aus, es wurde nicht alles so gebaut wie geplant.

Nachdem am Montag zwei Container mit BER-Akten auf der Marktstraße in Lichtenberg entdeckt worden waren, stieß der Berliner Kurier auf weitere Unterlagen?– offenbar ebenfalls aus dem Nachlass des Architekturbüros JSK, das an der Planungsgemeinschaft BBI beteiligt war. Sie lagerten auch noch am Mittwoch im Parterre des Hauses Marktstraße 8, wo JSK bis zur Insolvenz logiert hatte. (mit dpa)