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Falscher Bericht von totem Flüchtling: So entschuldigt sich Helfer Dirk V. für seine Lüge

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Screenshot der Facebook-Seite von Dirk. V. (28.01.2016)

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Facebook/Screenshot: Moabit hilft

Dirk V. ist einer der vielen ehrenamtlichen Helfer am Lageso. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kommunizierte er mit einer anderen Helferin, meldete ihr, ein Flüchtling, um den er sich gekümmert habe, sei gerade in einem Notarztwagen gestorben.

Die Helferin Reyna B. schrieb daraufhin eine pathetische Nachricht auf Facebook dazu - und löste ein gewaltiges Echo aus. Die Nachrichten überschlugen sich, Polizei und Feuerwehr suchten den vermeintlich Toten, alle Krankenhäuser in Berlin wurden abgefragt - nur war kein toter Flüchtling eingeliefert worden, nirgends.

Dirk V. selbst war nicht zu erreichen, reagierte nicht auf Anrufe und öffnete auch der Polizei nicht die Tür. Erst später wurde er von Polizisten vernommen und schließlich meldete er sich am Donnerstagmorgen um 02:50 Uhr mit einer Entschuldigung bei Facebook.

Der Text im Wortlaut

„Ich möchte mich hiermit bei euch aus tiefstem Herzen entschuldigen. Es tut mir unendlich leid, dass ich viele Menschen mit meiner falschen Aussage verletzt habe. Ich übernehme für das, was daraus folgte und möglicherweise noch folgen wird, die volle Verantwortung.

Viele von euch haben mich in den vergangenen Monaten persönlich kennengelernt, mit einigen von euch bin ich mittlerweile eng befreundet. Für die, die mich nicht kennen, möchte ich kurz erklären, wie es dazu kam:
Seit einigen Wochen merke ich zunehmend, dass mich mein ehrenamtliches Engagement mehr und mehr an die Grenzen der psychischen und auch körperlichen Belastung bringt. Mehrfach wollte ich mich zurück ziehen, habe es aber nicht geschafft.

Gestern Nacht kam ich von einer Feier mit syrischen Freunden und hatte ziemlich viel Alkohol getrunken. Zu viel! Da es wirklich einen jungen Mann gibt, der sich vorm LaGeSo eine schlimme Grippe/Mandelentzündung zugezogen hat, muss ich mich in eine Geschichte hinein gesteigert haben, die ich in diesem Moment wohl selbst geglaubt habe.
Heute morgen konnte ich mich an fast nichts mehr erinnern, erst im Laufe des Tages wurde mir klar ,was ich angerichtet habe. Da ich mein Handy ausgeschaltet hatte, wurde mir das Ausmaß erst am frühen Nachmittag klar.

Ich habe mich dann mit der Polizei in Verbindung gesetzt und mehrere Stunden eine Aussage gemacht. Ich habe erklärt, dass niemand gestorben ist. Bis zum Abend habe ich mit kaum jemanden von euch gesprochen gehabt, auch wollte ich nie eine Pressekonferenz oder ähnliches abhalten.

Ich weiß, dass ich viele damit sehr verletzt habe. Allen voran Reyna, die ich unbeabsichtigt mit hinein gezogen habe.

Ich wollte wachrütteln, etwas verändern und habe dabei in einer Mischung aus Betrunkenheit und nervlichem Zusammenbruch ein völlig falsches Mittel gewählt. Anders kann ich mein Handeln nicht erklären.

Ich werde mich sofort aus allen Gruppen zurückziehen. Jeden Fall, den ich noch betreue, werde ich an andere Helfer abgeben. Euch allen wünsche ich viel Kraft

Es tut mir so wahnsinnig leid.“ (Hinweis: Kurz nach dem Post deaktivierte Dirk V. sein Facebook-Profil wieder.)

Dirk V. hat sich stark engagiert

Es ist gerade mal zwei Monate her, da wurde Dirk V. von mehreren Medien als vorbildlicher Flüchtlings-Helfer präsentiert. So stellte ihn beispielsweise „Die Welt“ in einem langen Artikel als den „Mann, der 24 Flüchtlinge bei sich aufnahm“ vor, berichtete, dass er seit Wochen Menschen, die auf ihrer Flucht aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan am Lageso gestrandet waren, in seine kleine Wohnung aufgenommen und unterstützt hatte.

Auf Facebook hatte er demnach freimütig berichtet, dass sich die jungen Muslime nicht seiner offen gelebten Homosexualität gestört hätten, keiner habe ihn beschimpft. „Der Text traf einen Nerv, über 7000 Mal wurde er geteilt. Viele deutsche Medien zitierten ihn, auch englische, sogar südamerikanische. Für einige Tage wurde V. zur Stimme und zum Gesicht der freiwilligen Helfer, die verhindern, dass Deutschland unter der Last der vielen Flüchtlinge kollabiert“, schrieb die Zeitung Ende November 2015.

Schon damals bemerkte der Journalist, dass V. erschöpft wirkte und müde. V. selbst spricht davon, dass er sich körperlich, finanziell und vor allem emotional hoch belastet habe und dringend eine Auszeit brauche. (BLZ)