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Fashion Week: Hoermanseder: Stützen, halten, schnüren

Marina Hoermanseder wirkt so unbeschwert und sympathisch wie ihre Entwürfe mitunter morbid. Der Lehrer McQueen, dieser große Künstler, ist nicht von der Hand zu weisen.

Marina Hoermanseder wirkt so unbeschwert und sympathisch wie ihre Entwürfe mitunter morbid. Der Lehrer McQueen, dieser große Künstler, ist nicht von der Hand zu weisen.

Foto:

Markus Wächter

Berlin -

Mit ihrer Abschlusskollektion an der Berliner ESMOD sorgte Marina Hoermanseder im vergangenen Sommer für Aufsehen. Statt verspielter Kleidchen zeigte sie Lederkorsette, die an orthopädische Apparaturen erinnerten. Am Freitag präsentiert sie ihre neue Kollektion auf der Fashion Week.

Sie haben gerade erst ihren Abschluss gemacht, jetzt zeigen Sie schon eine Kollektion im Zelt und das gleich auf dem Runway. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Natürlich könnte ich auch ein bisschen weniger Geld in die Hand nehmen und kleiner anfangen, aber ich weiß nicht, ob ich dann bekommen würde, was ich brauche. Ich glaube, gerade am Anfang muss man ein großes Publikum erreichen. Am Runway ist einfach mehr Tamtam. So bekommt man die besseren Leute, Prominente, Redakteure, Sponsoren.

In Ihrer Abschlusskollektion haben Sie orthopädische Apparaturen und Korsette modisch verarbeitet. Wie kommt man auf so eine Idee?

Bei meinem Praktikum bei Alexander McQueen habe ich mich sehr auf diese Weiblichkeit spezialisiert, die mit Korsetts und Korsagen zusammenhängt. Ich habe recherchiert und bin auf das erste orthopädische Korsett aus dem 18. Jahrhundert gestoßen. Diese alten Bilder, die zum Teil Unwohlsein auslösen, haben mich nicht mehr losgelassen.

Sie haben im Vorfeld der Fashion Week gesagt, Sie würden gerne mit Ihren Kollektionen einen Aufschrei in der Modewelt erreichen, ein Entsetzen, sich aber vor allem Respekt verschaffen. Das klingt ganz schön selbstbewusst...

Jeder ist unsicher, ich auch, aber für meine Abschlusskollektion habe ich so positives Feedback bekommen und damit tatsächlich einen „Aufschrei“ hervorgerufen. Ich habe zum Beispiel eine Email von einer Dame aus Australien bekommen, die nichts mit Mode zu tun hat, aber auf meine Kollektion im Internet gestoßen ist und Gänsehaut bekam, weil sie als Jugendliche wegen einer Skoliose selbst diese Deformitätskorsette tragen musste. So etwas meine ich: Ich will die Leute berühren mit meiner Arbeit.

Provozieren Sie gerne?

Ich habe nicht vor, zu provozieren. Meine Absicht ist es vielmehr, handwerklich zu imponieren. Ich bin auch deswegen bei dem Thema geblieben, weil ich es mit Leder so gut umsetzen konnte. Ich wollte unbedingt mit Leder arbeiten.

Warum gerade Leder? Was ist das Besondere an dem Material?

Von der Tierhaut zum fertigen Objekt gibt es so viele handwerkliche Schritte, bei denen man ganz genau arbeiten muss. Man darf sich auf keinen Fall verschneiden, bei der Kante hat man nur eine Chance. Da ist ein bisschen Adrenalin dabei, das mag ich. Die Kante muss geschliffen werden und gemalt. Das Leder muss lackiert werden, dann wieder getrocknet und wieder lackiert. All das mit der Hand zu machen, ist für mich die schönste Erfüllung.

Zu Ihren Inspirationen für die neue Kollektion zählen Gehirne und Nacktkatzen – nicht gerade das, was man gemeinhin als schön bezeichnet. Welche Vorstellung von Schönheit haben Sie?

Ich liebe die Herausforderung, etwas, was man nicht a priori als schön definiert, in etwas Schönes zu verwandeln. Keiner würde sagen, dass ein orthopädisches Korsett schön ist. Wenn man es aber verändert, kann es durchaus schön sein. Und ein Gehirn kann eine Inspiration sein, um etwas Schönes zu schaffen.

Was erwartet uns bei der Schau?

Ein gutes Zusammenspiel von österreichischem Handwerk und französischer Eleganz. Manchmal denke ich: Hoffentlich erwartet nicht jeder eine 20-teilige Freakshow von mir. Es sind dieses Mal ein paar kommerzielle Teile dabei, außerdem will ich zeigen, dass alles gar nicht mehr so schlimm ist, wenn man den Lederrock mit einer schicken Bluse kombiniert.

Das Gespräch führte Beate Scheder.

Marina Hoermanseder im Internet unterwww.marina-hoermanseder.com

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