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Feinstaub: Berliner Luft ist zu stark belastet

Einer der Hauptgründe für die hohe Feinstaubbelastung: Das hohe Verkehrsaufkommen.

Einer der Hauptgründe für die hohe Feinstaubbelastung: Das hohe Verkehrsaufkommen.

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imago/Bernd Friedel

Berlin hat es in diesem Jahr wieder einmal geschafft – ins Spitzenfeld der deutschen Großstädte mit der staubigsten Luft. Von den Messstellen, die seit Anfang Januar besonders häufig Überschreitungen des zulässigen Tagesmittelwertes für Feinstaub gemeldet haben, befinden sich vier in Berlin. Das geht aus einer aktuellen Aufstellung des Umweltbundesamtes hervor.

Spitzenreiter ist erneut die Messstelle auf der Frankfurter Allee in Friedrichshain, wo der Wert in diesem Jahr bis zum vergangenen Sonnabend bereits 34 Mal überschritten worden ist. Damit droht Berlin dort die Vorgabe der Europäischen Union (EU) zu verletzen. Laut EU dürfen innerhalb eines Jahres maximal an 35 Tagen mehr als 50 millionstel Gramm in einem Kubikmeter Luft schweben. Es könnte sein, dass der Wert in der Friedrichshainer Hauptstraße auch in diesem Jahr häufiger überschritten wird. Bislang blieb das aber folgenlos.

In der Liste des Umweltbundesamtes steht die Frankfurter Allee auf Platz drei – hinter dem Neckartor in Stuttgart (48 Überschreitungstage bis Ende Oktober) und der Steubenstraße in Weimar (42 Überschreitungstage bis zum Sonnabend).

Verkehr ist Hauptverursacher

Von der Messstelle in der Silbersteinstraße im Berliner Bezirk Neukölln wurden seit Anfang Januar 29 Überschreitungen gemeldet. Auf der Karl-Marx-Straße im selben Bezirk wurde der zulässige Wert an 26 Tagen nicht eingehalten, auf dem Mariendorfer Damm im Süden Berlins an 24 Tagen, so das Bundesamt.

Feinstaubpartikel sind klein, aber gefährlich. Wenn Kraft- und Brennstoffe verbrannt werden, Autos bremsen oder Reifen über rauen Asphalt rollen, gelangen sie in die Luft. Schiffsmotoren, Baumaschinen und Zigaretten belasten die Umwelt ebenfalls damit. Die Teilchen können auch natürliche Ursachen haben, aus Meeren mit viel Gischt und von staubigen Äckern stammen. Wenn sie häufig eingeatmet werden, steigt das Risiko, an Herz, Kreislauf und Atemwegen zu erkranken. Hohe Belastungen seien in Deutschland schuld an 70.000 vorzeitigen Todesfällen im Jahr, das sind 20-mal so viele wie Verkehrstote, so die Deutsche Umwelthilfe.

Im vergangenen Jahr hatte Berlin in der Frankfurter Allee, der Silberstein- und der Karl-Marx-Straße sogar an 48 Tagen Überschreitungen des zulässigen Mittelwerts festgestellt. Ein Grund waren Hochdruckwetterlagen mit relativ schwachen Winden, die zumeist aus östlichen oder südlichen Richtungen wehten – und Feinstaub unter anderem aus Polen mitbrachten. Auch lokale Faktoren wirkten sich aus. Der Straßenverkehr gilt als ein Hauptverursacher. Auch Wohnungsheizungen tragen zur Feinstaubbelastung bei – vor allem holzbefeuerte Kaminöfen.

Neue Standards für Baumaschinen

Jetzt sei die Wetterlage in Berlin günstiger, hieß es am Montag in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Momentan gebe es Wetterlagen mit relativ viel Wind, sagte Sprecher Derk Ehlert. Das führe dazu, dass die Luftschichten ausgetauscht werden. Feinstaub wird weggeweht. „Derzeit werden die EU-Vorgaben eingehalten“, so Ehlert. Das gelte auch für Stickstoffdioxid. Je nachdem, wie die Wetterlagen in den nächsten Wochen aussehen, könnte eine „lokale Überschreitung“ der Vorgaben allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Die Berliner Umweltzone habe die Luft aber bereits sauberer gemacht. Rund 60.000 ältere Dieselfahrzeuge wurden mit Filtertechnik ausgerüstet. Eine Ausweitung der Umweltzone über den S-Bahn-Ring hinaus sei nicht vorgesehen, sagte Ehlert. Der Senat wolle lieber bei einem weiteren Problem ansetzen: „Um den Anteil an Rußausstoß weiter zu verringern, möchte der Senat künftig erhöhte Umweltstandards für Baumaschinen auf allen öffentlichen Baustellen des Landes Berlin umsetzen“, so der Sprecher. „Der hohe Dieselrußausstoß von Baumaschinen soll weiter verringert und die Luftqualität verbessert werden.“