26.09.2011

Festnahme: Mutmaßlicher Autozündler in Mitte erwischt

Von Lutz Schnedelbach
Seit Jahresbeginn wurden in Berlin fast 600 Autos angezündet. Die Polizei hat die Täter in drei Gruppen eingeteilt: Linksextremisten zündeln aus politischen Gründen. Nachahmungstäter legen Feuer, um sich als Helden zu fühlen, die dritte Gruppe weil sie die Versicherungen betrügen oder sich rächen will.
Seit Jahresbeginn wurden in Berlin fast 600 Autos angezündet. Die Polizei hat die Täter in drei Gruppen eingeteilt: Linksextremisten zündeln aus politischen Gründen. Nachahmungstäter legen Feuer, um sich als "Helden" zu fühlen, die dritte Gruppe weil sie die Versicherungen betrügen oder sich rächen will.
Foto: dpa
Berlin –  

Eine Zivilstreife verhaftet einen 25-jährigen Mann unmittelbar nach Ausbruch eines Brandes. Er saß bereits vor zwei Jahren wegen Zündelei kurzzeitig im Gefängnis.

Kaum eine Nacht vergeht, in der in Berlin keine Autos angezündet werden. Die Polizei tut sich schwer, Täter festzustellen, denn die Fahndung nach den Brandstiftern gehört zu den schwierigsten und umfangreichsten Ermittlungen überhaupt.

Am Sonnabend früh, gegen 4 Uhr aber hatten Polizisten offenbar Glück. Sie erwischten in Mitte einen mutmaßlichen Zündler, der ihnen bereits bekannt ist. Die Fahnder hatten den Mann in der Rosenthaler Straße / Ecke Steinstraße beobachtet.

Hektisch und nervös

Er war ihnen aufgefallen, weil er sich ständig umsah, hektisch war und sehr nervös wirkte. Er kniete an einem Audi nieder und hantierte an dem Auto. Dann stand er auf und ging weiter. Kurz darauf brannte der Wagen. Die Zivilfahnder, die der Bundespolizei angehören und in Blumberg stationiert sind, nahmen den Mann unmittelbar danach fest. Die Observation und die Festnahme seien professionell gewesen, hieß es gestern im Polizeipräsidium. Mit der Festnahme unmittelbar nach dem Ausbruch des Brandes gelte die Tat als beobachtet, so dass es schwer werde, die Tatvorwürfe zu entkräften, sagte ein Streifenführer.

Der mutmaßliche Brandstifter ist 25 Jahre alt. Er heißt Tobias P. und ist in Friedrichshain gemeldet. Ein Richter erließ noch am Sonnabend gegen ihn Haftbefehl wegen des Verdachts der Brandstiftung. Tobias P. wurde in das Untersuchungsgefängnis Moabit überstellt. Die Spuren an seiner Kleidung, an den Händen sowie die Aussagen der Polizisten sollen den Mann überführen. Kurz nach der Festnahme hatten die Beamten dem Mann Plastiktüten über die Hände gezogen, um Spuren zu sichern.

Auch die Kleidung wurde analysiert. Man sei sehr optimistisch, dem Verdächtigen die Tat nachzuweisen, sagten Ermittler. Der Staatsschutz prüft außerdem, ob Tobias P. für weitere Brände in der Nacht verantwortlich ist. Kurz bevor der 25-Jährige festgenommen wurde, waren in der Nähe der Rosenthaler Straße zwei weitere Autos durch Flammen beschädigt worden.

Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr

Die Zivilstreife, die Tobias P. erwischte, gehört zu den 450 Bundesbeamten, die seit vier Wochen täglich die Berliner Polizei bei der Fahndung nach Brandstiftern unterstützen. Sonst werden sie eingesetzt zur Begleitung von Fußballfans oder zur Sicherung von Demonstrationen.

Tobias P. ist der Polizei nicht unbekannt. Er war im November 2009 festgenommen worden, weil er verdächtigt wurde, in Friedrichshain zwei Autos angezündet zu haben. Er kam in Untersuchungshaft und musste nach 40 Tagen wieder frei gelassen werden. Der Tatverdacht hatte sich nicht erhärten lassen. Während der Untersuchungshaft mobilisierte die linke Szene mehrere Protestdemonstrationen gegen die Inhaftierung des Verdächtigen. Bis heute fordern dessen Anwälte Haftentschädigung für ihren Mandanten. Ein Gericht soll angeboten haben, das Verfahren einzustellen. Die Verteidiger sollen sich darauf jedoch nicht eingelassen haben. Dem Vernehmen nach fordern sie einen ordentlichen Freispruch.

Tobias P., Sohn eines früheren Bezirkspolitikers der Linken, gilt als Sympathisant der linken autonomen Szene und ist in der Krossener Straße polizeilich gemeldet. Dort sei er nur sporadisch, sagten gestern Anwohner. Nach der Räumung der Liebigstraße 14, wo er sich häufig aufhielt, sei er mal hier und mal dort. Das sei offenbar ein Grund dafür, dass auch jetzt wieder Untersuchungshaft verhängt wurde, sagten Polizisten. Die Fluchtgefahr sei zu hoch. Trotz der Festnahme hört die Brandserie nicht auf. Am Abend wurden in Kladow zwei Mercedes zerstört. Möglicherweise seien die Brandstifter sogenannte Trittbrettfahrer, so die Polizei.

In diesem Jahr wurden bisher zwei Brandstifter von Gerichten zu Bewährungsstrafen verurteilt. Zwei andere Prozesse um politisch motivierte Brandstiftungen endeten mit Freisprüchen.

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