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Feuer in Reinickendorf-Wittenau: Turnhalle auf Areal von Flüchtlingsunterkunft niedergebrannt

Eine Sporthalle auf einem früheren Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Wittenau ist abgebrannt.

Eine Sporthalle auf einem früheren Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Wittenau ist abgebrannt.

Foto:

Thomas Schröder

In einer Sporthalle, 200 Meter neben einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der früheren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf, ist am Mittwochnachmittag ein Brand ausgebrochen. Das zum Zeitpunkt des Brandes leere Gebäude wurde zerstört. Rund 100 Feuerwehrleute hielten die Flammen in Schach. Am frühen Abend war der Brand unter Kontrolle. Obwohl es starke Rauchentwicklung gab, wurde niemand verletzt. Die Bewohner der Unterkunft waren aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Nach den Worten von Innensenator Frank Henkel (CDU) wird sich die Brandursache erst am Donnerstag feststellen lassen. Es werde nach Aussagen der Feuerwehr erst im Laufe des Tages möglich sein, den Brandort zu betreten, sagte Henkel der RBB-„Abendschau“.

Sowohl Brandstiftung als auch ein technischer Defekt kommen infrage. Die marode Halle sollte Ende des Jahres für eine Sanierung zeitweise geschlossen werden, hieß es vom Klinikkonzern Vivantes, dem das Gelände gehört. Ermittler des polizeilichen Staatsschutzes, die für politisch motivierte Straftaten zuständig sind, hielten sich für Untersuchungen bereit.

Als einer der Ersten war SPD-Fraktionschef Raed Saleh zum Brandort geeilt. Er wolle den Ermittlungen nicht vorgreifen, sagte er. „Und vielleicht ist es ja tatsächlich nicht das, was wir alle denken. Aber wir erleben gerade schlimme Tage.“

„Wir brauchen mehr Sicherheit vor Ort.“

Wiederholt war es zuletzt in der Stadt und der Region zu Angriffen auf geplante Flüchtlingsheime gekommen. Hakan Tas, sicherheitspolitischer Sprecher der Links-Fraktion im Abgeordnetenhaus, forderte die Innenverwaltung auf, solche Unterkünfte mit Polizei zu schützen und sich nicht allein auf den privaten Wachschutz des Betreibers zu verlassen. „Wir brauchen mehr Sicherheit vor Ort.“

Während Politiker und Verantwortliche mit sorgenvollen Minen den Brandort begutachteten und die Folgen diskutierten, wirkten die Bewohner der Unterkunft entspannt. In kleinen Gruppen standen sie auf dem Gelände und beobachteten die Szenerie. Befragt nach verdächtigen Personen, sagte ein junger Mann: „Ich kenne niemanden, der etwas gesehen hat. Ein paar Kinder haben aber erzählt, dass ein Auto schnell weggefahren sei. Das können sie sich aber auch ausgedacht haben.“ Das Gelände der ehemaligen Nervenklinik ist weitläufig und offen. Sowohl am U-Bahnhof an der Oranienburger Straße als auch am Rathaus Reinickendorf gibt es unbewachte Eingänge.

Als zusätzliche Erstaufnahmestelle im Gespräch

Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatte den Standort zuletzt als mögliche zusätzliche Erstaufnahmestelle für Asylsuchende ins Gespräch gebracht. Dabei sei es aber nicht um die Sporthalle als mögliche Unterkunft gegangen, sagte eine Sprecherin. Geplant sei, in der bestehenden Unterkunft künftig auch eine Erstregistrierung durch mobile Teams des Landesamtes für Gesundheit und Soziales vorzunehmen. Weitere Flüchtlinge auf dem Gelände unterzubringen, ist nach Angaben der Senatsverwaltung der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales nicht vorgesehen.

Die Halle wird unter anderem von einer Betriebssportgruppe von Vivantes und von Clubs im Bezirk genutzt. Ein Mal pro Woche spielt ein Verein in der Halle Fußball mit Flüchtlingskindern. Am Brandort hieß es, dass für Donnerstag ein Fest mit einem Fußballspiel in der Halle geplant gewesen sei. Nach anderen Informationen wollte ein Streetworker-Team am Donnerstag auf dem Gelände ein Fest veranstalten – jedoch nicht in und an der Halle.