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Flüchtlinge in Berlin: Flüchtlingsrat fordert Schließung der Massenunterkunft in Tempelhof

Die Polizei nahm nach der Schlägerei in Tempelhof mehrere Flüchtlinge vorübergehend fest.

Die Polizei nahm nach der Schlägerei in Tempelhof mehrere Flüchtlinge vorübergehend fest.

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dpa/Paul Zinken

Nach mehreren Schlägereien zwischen Flüchtlingen am Wochenende wächst die Kritik an den Massenunterkünften. Die Unterkunft in den Tempelhofer Hangars müsse umgehend geschlossen werden, forderte der Berliner Flüchtlingsrat am Montag. Die massenweise Unterbringung auf allerengstem Raum und bei völlig unzureichender Ausstattung befördere Aggressionen, sagte Georg Classen, der Sprecher der Initiative. Das Projekt in den Tempelhofer Hangars sei gescheitert.

Mehr Privatsphäre

2300 Menschen, darunter 800 Minderjährige, sind seit Wochen in drei Hangars des Flughafens untergebracht. „Die Behauptung des Senats, dass die Menschen nur 14 Tage dort bleiben müssten, ist falsch“, kritisiert Classen. „Viele haben nach zwei bis vier Wochen für einen weiteren Monat die Zuweisung in die Hangars enthalten.“ Dort gebe es für die Betroffenen keine Privatsphäre, viele litten unter Schlafentzug, zudem seien die sanitären Einrichtungen und die ärztliche Betreuung unzureichend. Kein Kind gehe zur Schule oder in die Kita.

Es sei absehbar gewesen, dass eine Unterbringung von Flüchtlingen in sehr großen Hallen wie den Tempelhofer Hangars auf die Dauer nicht gut gehen könne, meint auch Thomas de Vachroi, der Leiter der Notunterkunft im früheren Rathaus Wilmersdorf. „So etwas geht nur kurzfristig.“ Spannungen ließen sich zumindest verringern, wenn den Flüchtlingen wenigstens ein Mindestmaß von Privatsphäre eingeräumt werde. Andererseits sei die Notlage aber keine Rechtfertigung für Straftaten. „Das kann man nicht dulden“, sagt de Vachroi.

In Wilmersdorf setze er auf Integration vom ersten Tag an, um aufkommenden Spannungen entgegenzuwirken. Die Flüchtlinge würden zur Unterstützung der freiwilligen Helfer in der Unterkunft herangezogen. „Sie arbeiten unter anderem in der Kleiderausgabe, in der Wäscherei und in der Kantine“, erläutert de Vachroi. Eine echte Lösung sei auch das jedoch nicht: „Auf diese Weise lässt sich Beschäftigung schaffen für 50 bis 100 Menschen. Mit Hunderten oder gar Tausenden Flüchtlingen geht das nicht“, weiß der Unterkunftsleiter.

Der Flüchtlingsrat geht sehr viel weiter. Er fordert unter anderem, der Senat müsse die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, um unverzüglich illegale Ferienwohnungen und zu Spekulationszwecken leerstehende Wohn- und Gewerberäume für die Unterbringung von Flüchtlingen zu beschlagnahmen. Zudem müsse ein Bauprogramm für mindestens 50.000 Sozialwohnungen pro Jahr aufgelegt werden.

Überprüfung der Flächen

Unterdessen bahnt sich bei der geplanten Unterbringung von Flüchtlingen am Rand des Tempelhofer Feldes ein Umdenken an. Wie die Berliner Zeitung erfuhr, sollen die Areale am Tempelhofer Damm, an der Oderstraße und südlich des Columbiadamms zunächst auf ihre Eignung hin überprüft werden. Damit geht Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) auf die Bürger zu, die die geplanten Unterkünfte am Rand des Feldes kritisiert hatten. Wie berichtet, will Geisel am Rand des Feldes zeitlich befristet Unterkünfte für Flüchtlinge errichten. Dazu muss das Tempelhof-Gesetz geändert werden, das jegliche Bebauung des Feldes verbietet. Die jetzt geplante Prüfung könnte bedeuten, dass bestimmte Flächen doch nicht genutzt werden.