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Flüchtlinge in Berlin: Senat plant riesiges Flüchtlingsdorf am Rande des Tempelhofer Feldes

Auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof sollen auf einer Fläche von rund 225.000 Quadratmetern soziale Einrichtungen entstehen.

Auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof sollen auf einer Fläche von rund 225.000 Quadratmetern soziale Einrichtungen entstehen.

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iimago/Kraehn

Eine Schule, Sporthallen, ein Fußballfeld, Werkstätten und eine Großküche – auf dem Gelände des stillgelegten Flughafen Tempelhof soll ein ganzes Flüchtlingsdorf entstehen. Für mehrere tausend Menschen. Das geht aus einem Entwurf für den Ausbau des Flughafenareals hervor, der im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erarbeitet wurde.

Der Plan, der der Berliner Zeitung vorliegt, soll an diesem Freitag im Hause von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) mit Vertretern der Abgeordnetenhausfraktionen und interessierten Bürgern diskutiert werden. Die Flächenreserven Berlins für eine Unterbringung der Zuzügler seien „absehbar erschöpft“, schreibt Staatssekretär Christian Gaebler in der Einladung. Deswegen sollten Flächen auf dem Tempelhofer Feld für eine „Notunterbringung“ genutzt werden.

Eingeladen zur Diskussion sind unter anderem Vertreter der Bürgerinitiative 100 Prozent Tempelhofer Feld. Sie hatte den Volksentscheid im Mai 2014 erwirkt, bei dem eine Mehrheit gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes votierte. Für den Bau von Notunterkünften auf dem Feld muss das beim Volksentscheid verabschiedete Tempelhof-Gesetz (Thf-Gesetz) geändert werden – befristet bis 2019.

Hallen für zusätzlich 3500 Menschen

Geplant ist, dass das Vorfeld des ehemaligen Airports mit einer Fläche von rund 225.000 Quadratmetern für soziale Einrichtungen wie eine Schule und mehrere Sporthallen genutzt wird. Das ist noch ohne Gesetzesänderung möglich. Denn das Vorfeld liegt außerhalb des Geltungsbereichs des Thf-Gesetzes. Auf den befestigten Flächen daneben sind fünf provisorische Hallen vorgesehen, in denen jeweils rund 700 Menschen untergebracht werden sollen. Dafür muss das Gesetz jedoch geändert werden. Insgesamt sollen in den neuen Hallen rund 3500 Menschen unterkommen. Zusammen mit den sieben Hangars des Flughafens, die Platz für 5000 Menschen bieten, könnten damit insgesamt 8500 Menschen in Tempelhof untergebracht werden.

Gegen die geplante Nutzung gibt es jedoch Protest. „Hier geht es offenbar darum, eine Art Ghetto zu bauen“, sagte Christiane Bongartz, die das Tempelhof-Gesetz mit formuliert hat. Die Bürgerinitiative 100 Prozent Tempelhofer Feld erklärte, sie werde an dem Gespräch mit dem Senat nicht teilnehmen. Das Thf-Gesetz sei von 740.000 Wählern beschlossen worden „und ist deshalb nicht im kleinen Kreis verhandelbar“. Mit den Plänen „würde der Senat seine Politik, die vorrangig auf Massenquartiere setzt, auf die Spitze treiben“. Die Initiative sprach von einer „Lagerpolitik“.

Sensible Historie

Der Flüchtlingsrat kritisierte, dass in den geplanten provisorischen Hallen pro Person rechnerisch nur sechs Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Das sei zu gering. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wies die Vorwürfe zurück. „Angesichts der NS-Geschichte des Tempelhofer Feldes von Massenlagern und Ghettos zu reden ist unerträglich und kein wertvoller Beitrag für die konstruktive Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema“, sagte Behördensprecher Martin Pallgen.

Unterstützung für die Senatspläne signalisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). „Unsere Aufgabe ist es, Grünflächen vor der Bebauung zu sichern“. sagte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. Dem komme der Senats nach. Jetzt müsse diskutiert werden, ob die Nutzung des Vorfeldes nicht ausreiche. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales bekräftigte, Tempelhof werde für die Unterbringung benötigt.

Am Donnerstag zogen die ersten 200 Bewohner in den Hangar 7. Damit sind jetzt vier der sieben Flugzeughallen bewohnt. In diesem Jahr werde verstärkt Augenmerk auf die Integration der Flüchtlinge gelenkt, sagte Behördensprecherin Regina Kneiding. Im vergangenen Jahr sei es vor allem darum gegangen, die Flüchtlinge zunächst mit einem Dach über dem Kopf zu versorgen.