blz_logo12,9

Flüchtlinge in Brandenburg: Zahl der Asylbewerber vervierfacht

Ein Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt.

Ein Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt.

Foto:

dpa/patrick pleul

POTSDAM -

So viele Flüchtlinge und Asylbewerber wie im vergangenen Jahr kamen noch nie in Brandenburg an. Das gab das Potsdamer Innenministerium am Wochenende bekannt. Insgesamt lebten 47 000 Menschen im Jahr 2015 zumindest vorübergehend in Brandenburg. Ein Teil verließ das Land auch wieder, 6 305 wurden auf andere Bundesländer verteilt, aber 28 128 Asylsuchende hat das Land tatsächlich aufgenommen. Das sagte Innenstaatssekretär Matthias Kahl in Potsdam.

Er sprach von einem neuen Rekord. Denn im Jahr 2015 beantragten mehr als vier Mal so viele Bewerber politisches Asyl als im Jahr davor, damals waren es 6 315. Das wiederum waren schon fast doppelt so viele wie 2013, als 3 305 Anträge gestellt wurden. Im Jahr 2012 lag die Zahl bei 1 794. Die niedrigste Zahl gab es im Jahr 2007 mit 565 Anträge.

Chaos verhindert

Kahl sagte: „Die Zahl der Asylsuchenden hat alle Prognosen weit übertroffen. Es war eine Riesenherausforderung, all die Menschen zu versorgen und unterzubringen.“

Dass dies gelungen sei, liege vor allem am Engagement von Hunderten haupt- und ehrenamtlichen Helfern. „Sowohl das Land als auch die Kommunen sind bei der Aufnahme der Flüchtlinge teilweise über die Belastungsgrenzen hinausgegangen“, sagte er. Trotzdem sei es gelungen, chaotische Zustände zu verhindern.

Immer wieder gab es Forderungen, dass Brandenburg doch genügend Platz biete, um auch Flüchtlinge aus dem recht beengten Berlin aufzunehmen. Das lehnt die rot-rote Landesregierung in Potsdam strikt ab. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zeigte sich zuletzt froh darüber, dass die Länderfusion mit Berlin einst gescheitert sei, denn sonst würde man jetzt die Probleme von Berlin nach Brandenburg abschieben. „Ich finde es einfach zu simpel, dass man in Berlin sagt, wir haben ein Problem, also lösen wir es durch Brandenburger Unterstützung“, sagte Schröter dem RBB. „Unsere Kommunen sind sehr gefordert bei der vernünftigen Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Alles was Berlin in Brandenburg machen will, geht zu Lasten unserer Kommunen.“ Auch Sozialministerin Diana Golze (Linke) kritisierte: „Wir können nicht einen Teil der Berliner Quote übernehmen, da muss jeder seine eigenen Hausaufgaben machen“, sagte sie. Es gehe ja auch um Sprachkurse und Integration.

Berlins Senatschef Michael Müller hatte am Freitag allerdings klargestellt, dass es nur um das IGA-Gelände in Selchow gehe, das zum Teil Berlin gehört. Er sei darüber mit seinem Amtskollegen Dietmar Woidke (beide SPD) im Gespräch.

Die bundesweite Verteilung der Flüchtlinge erfolgt nach dem „Königsteiner Schlüssel“, Brandenburg muss danach knapp 3,1 Prozent der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge aufnehmen. Anfang 2015 prognostizierte das Bundesamt für Migration etwa 9 200 Asylsuchende für Brandenburg. Die Prognose wurde immer wieder übertroffen. Der mit Abstand größte Teil der Asylsuchenden kam auch in Brandenburg aus dem Bürgerkriegsland Syrien, von dort waren es 13 688 Flüchtlinge. Ihre Zahl stieg erheblich: Im Monat Januar kamen 137 Syrer, im November waren es 3 341. Die zweitgrößte Gruppe sind die 4 572 Afghanen, gefolgt von 2 216 Albanern.

Vier Mal mehr Abschiebungen

Nachdem Albanien im Laufe des Jahres als sicheres Herkunftsland eingestuft wurde, sank die Zahl der Neuankömmlinge stark: Im Juli kamen 636 Albaner, in November waren es nur neun. Weitere stark vertretene Herkunftsländer sind Russland (1 761), Pakistan (1 404), Iran (1 081) und Serbien (999). Insgesamt wurden mehr als 500 Personen abgeschoben, 2014 waren es 112.

Brandenburg musste in Vorjahr mehrfach die Kapazität der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt erheblich ausbauen. Dort stieg die Zahl der Plätze von 2012 bis 2014 von 500 auf 2 000. Aktuell gibt es 5 500 belegbare Plätze. Weil der Zustrom wohl anhalten wird, sollen bald 955 weitere Plätze in der neuen Außenstelle in Wünsdorf dazukommen. „Wir gehen davon aus, dass 2016 bis zu 40 000 Menschen nach Brandenburg kommen“, sagte Innenstaatssekretär Kahl.