blz_logo12,9

Flüchtlinge: Iraker fliegen enttäuscht zurück nach Hause

In den Räumen der Bundespolizei werden vor dem Einchecken die Fingerabdrücke der Rückkehrer gescannt.

In den Räumen der Bundespolizei werden vor dem Einchecken die Fingerabdrücke der Rückkehrer gescannt.

Foto:

Benjamin Pritzkuleit

In Deutschland würden sie ein Haus bekommen, ein Auto und Arbeit, dachten der 23-jährige Schurasch und seine 16-jährige Frau Watha. „Wir dachten auch, wir könnten die Schule weiter besuchen. Alles würde besser werden.“ Sie hörten auf die Gerüchte, die im Irak die Runde machen, und bezahlten nach eigenen Angaben Tausende Euro an Schleuser. Jetzt wollen sie nur noch zurück.

So wie ihnen geht es vielen Irakern, die im Sommer vergangenen Jahres als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, meistens über die Türkei, den Balkan und die Grenze zu Bayern. Seit Jahresbeginn bis zu diesem Mittwoch reisten 706 Iraker über den Flughafen Tegel freiwillig aus – weil sie von Deutschland enttäuscht sind.

33 Illegale am Mittwoch

Jeden Mittwoch um 14.50 Uhr startet eine Linienmaschine der Iraqi Airways nach Erbil und Bagdad, die Iraker nach Hause bringt. Die Zahl der Heimkehrer steigt seit Herbst. Deshalb begann die Bundespolizei im November damit, mittwochs im Flughafen eine „Bearbeitungsstraße“ aufzubauen, um die Verfahren effektiv abzuarbeiten.

Vor dem Einchecken durchlaufen die Reisenden verschiedene Stationen. Polizisten prüfen die Reisedokumente, die oft Ersatzpapiere sind, ausgestellt von der irakischen Botschaft. Sie fragen die Reisenden, wie sie nach Deutschland kamen. Mit einem Fingerabdruck-Scanner wird geprüft, ob die Iraker registriert wurden und ob nach ihnen gefahndet wird. Ihre Identität kann so immer wieder erkannt werden – etwa wenn im Ersatzdokument ein anderer Name als bei der Einreise angegeben oder wenn sie wieder einreisen sollten.

Beim Scannen der Fingerabdrücke kam in Tegel heraus, dass fast 20 Prozent der Rückkehrer ohne eine Registrierung ins Land gelangten. Wer nicht registriert ist, muss nun seinen Fingerabdruck abgeben und wird fotografiert. Weil es das Gesetz verlangt, bekommen sie wie alle anderen eine Anzeige wegen illegaler Einreise. Von den 50 Reisenden, die am Mittwoch überprüft wurden, waren 33 nicht registriert. Die Staatsanwaltschaft wird die Verfahren gegen sie aber meistens einstellen.

Geld, Häuser und Autos versprochen

Die große Mehrheit der Rückkehrer sind junge Männer. „Die Gründe für die Rückkehr sind vielfältig“, sagt Thomas Mania, Inspektionsleiter der Bundespolizei im Flughafen Tegel. „Manchen versprach man Geld, Häuser und Autos, was sie nicht bekamen. Andere klagen über lange Bearbeitungszeiten deutscher Behörden. Einigen ist das Wetter zu kalt. Andere haben schlicht Heimweh.“

So wie der 21-jährige Hamzi. „Ich kann nicht mehr, es wurde einfach zu viel“, sagt er. „Selbst das Essen zu Hause fehlt mir.“ Drei Monate lang habe er Geld vom Amt bekommen, seit drei Monaten nichts mehr. Im Sommer kam er und wohnte seitdem in einer Unterkunft am Messegelände.

Ihre Tickets kauften die meisten Heimkehrer selbst. Zwei irakische Reisebüros in Kreuzberg machen damit gerade das große Geschäft, heißt es. Der 28-jährige Ahmad hat so ein Ticket. Er sagt, dass er in Bagdad in einem Sportverein für Schulen gearbeitet habe. Vor acht Monaten kam er nach Berlin und wurde in einem Hotel in Neukölln untergebracht. „Ich hoffte auf ein besseres Leben“, sagt er. „Das trat aber nicht ein.“

Seit drei Monaten habe er eine Lungenentzündung, er sei aber nicht behandelt worden, sagt er. Auch mit der deutschen Sprache funktioniere es nicht. Wie die anderen Befragten spricht auch er nach acht Monaten in Deutschland kein Deutsch, weshalb zwei Arabisch-Dolmetscher den Polizisten assistieren.

Viele ausgebildete Menschen

Sie alle glauben inzwischen, dass es daheim besser ist. „Die meisten geben an, dass sie im Irak gearbeitet haben“, sagt Thomas Mania. „Unter den Ausreisenden sind viele gut ausgebildete Menschen, Facharbeiter aller Sparten bis hin zum Polizisten.“

So wie der 23-jährige Mustafa, der mit seiner Frau und den beiden Kindern zurück will. Die Familie, die in Deutschland auf eine bessere Zukunft hoffte, ärgert sich, dass sie 14.000 Euro an eine Schleuserorganisation zahlte. „Ich war in Bagdad Buchhalter“, sagt er. „Ich werde dort Arbeit finden. Ich habe dort Auto und Haus gelassen. Dort wird es besser sein.“