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Flüchtlingscamp am Oranienplatz: Flüchtlinge - Zuflucht im Hostel

Ein einstiges Hostel in Kreuzberg: Hier könnten möglicherweise bald die Flüchtlinge vom Oranienplatz wohnen.

Ein einstiges Hostel in Kreuzberg: Hier könnten möglicherweise bald die Flüchtlinge vom Oranienplatz wohnen.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Das Haus, in das die Flüchtlinge vom Oranienplatz ziehen sollen, ist offenbar gefunden – jedenfalls wenn es nach dem Bezirk geht. Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich um das ehemalige Jugendgästehaus der Schreberjugend in der Franz-Künstler-Straße in Kreuzberg. Am Dienstag will das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) das Gelände besichtigen.

Die Immobilie besteht aus drei dreistöckigen Flachbauten mit Platz für 200 Menschen. Sie liegt mitten in einem Wohngebiet. Auch grenzt die Freie Waldorfschule Kreuzberg an das Gelände. Am Oranienplatz ist man zu Fuß in etwa zehn Minuten. Monika Herrmann (B 90/Die Grünen), die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, wollte die Adresse am Sonntag nicht bestätigen. Sie sagte nur, es habe einen Durchbruch bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie gegeben.

Sie habe zusammen mit der Diakonie ein Haus in Kreuzberg besichtigt, und diese habe zugestimmt, das Gebäude als Unterkunft für die Flüchtlinge zu betreiben, so Herrmann. Die Grünen-Politikerin will die Adresse selber nicht nennen, weil sie fürchtet, es könnte besetzt werden. „Es gibt Aktivisten, die nicht wollen, dass wir bei der Suche nach einem Gebäude erfolgreich sind.“

Bezugsfertig ist das Haus allerdings nicht. Ein defekter Heizkessel muss ersetzt werden. Die Kosten belaufen sich laut Herrmann auf 20.000 bis 30.000 Euro. Wer das bezahlen soll, ist unklar. Auch Fragen des Brandschutzes seien zu klären. Die Bürgermeisterin hofft, dass das Lageso den Komplex übernimmt und den Kessel bezahlt. In zwei der Häuser könnten Asylbewerber untergebracht werden, im dritten die Lampedusa-Flüchtlinge vom Oranienplatz.

Die Lampedusa-Flüchtlinge, deren Zahl zwischen 60 und 100 geschätzt wird, haben keinen Asylantrag gestellt. Sie gelten als Obdachlose, ihre Unterbringung wird mit Geld der Kältehilfe finanziert. Die Senatsverwaltung für Finanzen hat dem Bezirk dafür nun 136.000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. „Kältehilfe bedeutet, dass die Flüchtlinge morgens das Haus verlassen müssen und erst abends wieder kommen dürfen“, sagte Herrmann. „Aber die Diakonie möchte auch eine Wärmestube einrichten, dann ist der ganze Tag abgedeckt.“ Begrenzt sei die Hilfe auf sechs Monate.

Nicht aus dem Rennen ist ein Haus, das Sozialsenator Mario Czaja (CDU) favorisiert. Es gehört einem Privatmann, der mit einem Träger der Wohnungslosenhilfe zusammenarbeitet. Herrmann lehnt den Vorschlag ab. Das Angebot sei zu teuer. Außerdem ziehe sie einen kirchlichen Betreiber auch deshalb vor, weil dieser in Hinsicht auf die medizinische und therapeutische Versorgung der Flüchtlinge besser vernetzt sei.

In Senatskreisen macht sich Ungeduld über Herrmann breit. Sie würde dauernd neue Gebäude ins Spiel bringen und dadurch die Lösung verzögern. Skeptisch werden ihre Vorstellungen betrachtet, dass das Gebäude an der Franz-Künstler-Straße bereits Mitte November bezugsfertig sein soll.