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Flüchtlingsheim in Hellersdorf: Hochschule schickt Studenten ins Asylheim

Im Asylbewerberheim in Hellersdorf soll bald Unterricht stattfinden.

Im Asylbewerberheim in Hellersdorf soll bald Unterricht stattfinden.

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REUTERS

Berlin -

Im Flüchtlingsheim in Hellersdorf wird die benachbarte Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Lehrveranstaltungen abhalten. Sie habe mit dem Hausherrn geklärt, dass die Hochschule zwei Räume im Heim für Seminare nutzen kann, kündigte Rektorin Theda Borde an. Studentisches Leben würde dem Gebäude einen anderen Geist einhauchen. „Im Gegenzug öffnen wir unsere nur zehn Minuten Fußweg vom Flüchtlingsheim entfernte Hochschule für diese Menschen“, sagte die Politikwissenschaftlerin: „Wir werden Deutschkurse und andere Aktivitäten anbieten, sie können unsere Mensa mitnutzen und an der Hochschule präsent sein.“

Die Rektorin sieht beim zuständigen Bezirk Marzahn-Hellersdorf Defizite bei der interkulturellen Öffnung. In der Verwaltung sitze das Denken „Wir und die Anderen“ noch fest, Partizipation von Migranten gebe es nicht. Die beiden großen Migrantengruppen im Bezirk, Vietnamesen und Russlanddeutsche, lebten separiert mit wenigen Kontakten zu Einheimischen.

„Ausgegrenzte Unterprivilegierte deutscher Herkunft“

Viele der Hellersdorfer seien zudem „ausgegrenzte Unterprivilegierte deutscher Herkunft“: „Viele Menschen fühlen sich an den sozialen Rand gedrängt – und, ehrlich gesagt, sind sie es auch“, so Borde.

Um das Flüchtlingsheim in der ehemaligen Schule an der Carola-Neher-Straße gibt es seit Wochen Streit. Viele Anwohner lehnen die neue Nachbarschaft ab, Rechtsextreme instrumentalisieren die Proteste. Seit dem Einzug der ersten Flüchtlinge vor einer Woche gibt es fast täglich Demonstrationen für und gegen die Unterkunft. Am Sonnabend standen sich rund 150 NPD-Anhänger und 700 Gegendemonstranten gegenüber. Am Sonntagabend wurden vor dem Heim Flüchtlinge fremdenfeindlich beleidigt, wie die Polizei mitteilte. Zwei Männer hätten Bewohnern Parolen zugerufen und seien dann geflüchtet, hieß es.

Am Montag befasste sich der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit den Vorfällen in Hellersdorf. Polizeichef Klaus Kandt wies Verdächtigungen zurück, seine Behörde würde mit Gegnern des Heims kooperieren. Man habe die Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf, der Verbindungen in die rechtsradikale Szene vorgeworfen werden, nicht vorzeitig über die Verlegung einer Demonstration informiert. Die Polizei sei „mit Kräften etwa in Zugstärke“ präsent. Laut Kandt geht die größte Gefahr von der „Rechts-Links-Konfrontation“ aus. Vor allem Linksradikale suchten bei Demos körperliche Auseinandersetzungen. (epd/dpa)