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Flüchtlingsunterkünfte : 36 Fertighäuser für Flüchtlinge in Berlin

So könnten die Modulbauten für Berlin aussehen.

So könnten die Modulbauten für Berlin aussehen.

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ALGECO

In den kommenden beiden Jahren sollen an 36 Standorten Fertighäuser für Flüchtlinge entstehen. Die aus Modulen zusammengesetzten Bauten sollen Platz für 7200 Bewohner bieten und in der ganzen Stadt aufgestellt werden. Die Kosten für die Modulbauten werden voraussichtlich bei 150 Millionen Euro liegen. Mit den Plänen reagiert Sozialsenator Mario Czaja (CDU) auf die stetig steigenden Asylbewerberzahlen. In diesem Jahr fehlen etwa 9000 Plätze.

Bezirke sollen Flächen nennen

„Allein im ersten Quartal dieses Jahres stellten 5105 Menschen einen Asylantrag“, sagt der Sozialsenator. Im Vorjahreszeitraum seien es 1685 gewesen. Das Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen sei mit der Senatsfinanzverwaltung abgestimmt worden. Am 22. April soll es im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorgelegt werden.

Czaja hat den Bezirken eine Liste von landeseigenen Grundstücken als mögliche Standorte für die modularen Unterkünfte zugeschickt. Die Bezirksämter sollen aus diesen Vorschlägen auswählen oder Alternativen nennen. Maximal 240 Flüchtlinge sollen an einem Ort zusammenleben. Damit kann das Land auch auf Grundstücken bauen, die bislang als zu klein galten, etwa in Mitte. „Die modulare Bauweise bietet die Chance, in kurzer Zeit an verschiedenen Orten weitgehend gleiche, dauerhaft und qualitativ hochwertige Gebäude zu vertretbaren Kosten zu errichten“, sagt Czaja. Bis zum Sommer sollen die Fertighäuser konzipiert und im Herbst genehmigt werden. Die Bauzeit liegt bei rund sechs Monaten. Die Bauten sollen 50 Jahre halten. Wenn sie nicht mehr für Flüchtlinge benötigt werden, könnten dort auch Wohnungslose oder Studierende leben. Auch als Gemeindezentrum sei eine Nachnutzung denkbar.

Ein weiterer Vorteil sei, dass das Land Eigentümer dieser Typenbauten sei. „Als eigenständiger Anbieter für Flüchtlingsunterkünfte sind wir unabhängiger in der Betreiberauswahl“, sagt Czaja. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Senat nach Kritik an Missständen in Heimen beschlossen, künftig Unterkünfte selbst zu bauen. Die sechs Containerdörfer mit insgesamt 2186 Plätzen waren der Einstieg.

Unzumutbare Bedingungen

Gegenwärtig gibt es 64 Unterkünfte, in denen knapp 15.000 Asylsuchende leben. 636 Menschen sind seit Monaten unter unzumutbaren Bedingungen in Sporthallen untergebracht. Sie sollen nach Angaben Czajas Mitte Mai aufgegeben werden. Auch Hostels, in die 861 Flüchtlinge vermittelt wurden, sollen nicht mehr genutzt werden. Dort ist die Unterbringung zum Teil sehr teuer, zudem gibt es keine Betreuung durch Sozialarbeiter.

Stattdessen sollen den Flüchtlingen mehr Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Im vergangenen Jahr wurden knapp 1300 Wohnungen bezogen, im ersten Quartal dieses Jahres waren es 326. 2750 Asylsuchende haben sich aktuell für eine Wohnung beworben. Ein kleiner Kreis könne auch in Wohnungen in Brandenburg untergebracht werden, sagt Czaja. Der Bund wolle die Vermittlung über Ländergrenzen hinweg verstärken. Auch Wohngemeinschaften seien möglich.

Um die Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu entschärfen, müsse deren Verweildauer verkürzt werden. Czaja fordert, dass die Berliner Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Asylanträge schneller bearbeitet. „Insbesondere bei Menschen aus sicheren Herkunftsländern wie den Balkanstaaten müssen die Verfahren verkürzt werden.“


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