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Berliner Zeitung | Flüchtlingsunterkünfte in Berlin: Protest gegen Standorte auf vertraulicher Liste des Senats
11. February 2016
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Flüchtlingsunterkünfte in Berlin: Protest gegen Standorte auf vertraulicher Liste des Senats

In der Simulation sehen die Container freundlich und schön bunt aus.

In der Simulation sehen die Container freundlich und schön bunt aus.

Foto:

Lageso

In Marzahn-Hellersdorf und in Lichtenberg befinden sich die meisten Standorte, gar keine sind dagegen in Mitte und Tempelhof-Schöneberg zu finden – die ersten 26 Grundstücke, auf denen modulare Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet werden sollen, befinden sich überwiegend im Nordosten Berlins. Das geht aus einer noch vertraulichen Liste des Senats hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Wie berichtet, sollen in Berlin an 60 Standorten modulare Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen. Diese werden aus überwiegend vorgefertigten Bauelementen errichtet und sollen pro Standort bis zu 500 Menschen aufnehmen. Nach bisherigen Darstellungen sollen 24.000 bis 25.000 Menschen in den modularen Unterkünften untergebracht werden. In einem aktuellen Papier der Finanzverwaltung ist sogar von bis zu 30.000 Menschen die Rede. Weitere 15.000 Flüchtlinge sollen in Containern untergebracht werden, die schneller aufzustellen sind. Die Container sollen an weiteren 30 Standorten errichtet werden.

Auf der Liste mit den ersten 26 Standorten für modulare Unterkünfte befinden sich sieben Grundstücke in Marzahn-Hellersdorf und vier Areale in Lichtenberg. In Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Pankow liegen je drei Standorte, zwei sind es in Treptow-Köpenick und je einer in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Reinickendorf und Spandau.

Gegen die Auswahl der ersten 26 Standorte regt sich Protest. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Evers sagte am Mittwoch, die Liste sei mit der CDU nicht abgestimmt. Die Union sei „in höchstem Maße irritiert“ und fordere Transparenz ein.

Ähnliche Kritik kommt aus den Bezirken. Der Steglitzer Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) bemängelte, dass am Standort der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn in Wannsee nicht nur die früheren Krankenhausgebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden sollen, sondern dass dort außerdem noch modulare Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet werden sollen.

Dies mache die nötige Integration ausgesprochen schwer. Der Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, äußerte sich zurückhaltend und sagte: „Bei uns werden die Standorte noch geprüft.“ Mehrere Bezirke erklärten, die Standorte seien mit ihnen nicht abgestimmt worden, darunter Lichtenberg und Spandau. Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf Reinhard Naumann (SPD) zeigte sich mit der Grundstücksauswahl dagegen einverstanden.

In dem City-Bezirk ist ein Standort für die Unterkünfte am Spandauer Damm unweit der DRK-Kliniken in Westend vorgesehen. „Das ist in Ordnung“, sagte Naumann. Am weitesten gediehen sind die Planungen für Marzahn-Hellersdorf. Für die Bebauung des Areals Märkische Allee/Martha-Arendsee-Straße liegt die Genehmigung bereits vor.