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Fluggäste aus aller Welt bewerten Berliner Flughäfen: Tegel ist "schmuddelig, stinkig und heruntergekommen"

Kurze Wege, funktionaler Aufbau: Tegel-Fans schätzen an ihrem Lieblingsflughafen das sechseckige Terminal A. Ausländer sind oft anderer Meinung.

Kurze Wege, funktionaler Aufbau: Tegel-Fans schätzen an ihrem Lieblingsflughafen das sechseckige Terminal A. Ausländer sind oft anderer Meinung.

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dpa/Ralf Hirschberger

Berühmte Museen, niedrige Preise und ein wildes Nachtleben – Touristen aus aller Welt lieben Berlin. Doch wenn es zurück in die Heimat geht, schwindet die Begeisterung der Gäste oft wieder. Viele von ihnen sind überrascht, womit sie auf Berlins Flughäfen konfrontiert werden: mit Warteschlangen, unfreundlichem Personal, alten Anlagen und Toiletten, die schlecht riechen.

In dem internationalen Bewertungsportal, das von der Londoner Unternehmensberatung Skytrax betrieben wird, erhalten Tegel und Schönefeld nur drei von zehn Punkten. Dort stehen sie auf einer Stufe mit den Airports Accra (Ghana), Manila (Philippinen) und Odessa (Ukraine).

Schlechte Bewertungen im Netz

Tegel-Fans sollten darauf verzichten, die Seite www.airlinequality.com aufzurufen. Die Bewertungen, die dort zu lesen sind, fallen oft negativ aus. Fluggäste machen keinen Hehl daraus: So eine Anlage hätten sie in der Hauptstadt der größten europäischen Wirtschaftsnation nicht erwartet.

„Der Flughafen Berlin-Tegel ist schrecklich“, schreibt Jun Xian Phang aus Singapur. „Die Check-In-Halle ist überfüllt, und es gibt so wenige Läden.“ Die Getränke kosteten das Dreifache des Preises, der draußen verlangt wird, und die Sicherheitsleute seien unhöflich. Der Wartebereich an der Passkontrolle sei viel zu klein. Der Asiate gab Tegel einen von zehn Punkten.

Er werde Tegel nie wieder wählen, gibt Elias Schultz aus Schweden zu Protokoll. Als Air-Berlin-Passagier musste er in Tegel umsteigen. In seiner Erinnerung war das Gebäude, das er dort passierte, „sehr klein“. „Die Toiletten waren schrecklich.“ Und es so sah aus, als ob es keine Klimaanlage gäbe. „Als wir das Gate verließen und zu unserem Flugzeug liefen, war das eine Erleichterung“, so Schultz.

Fluggäste bemängeln auch, wie lange sie vor der Pass- und Sicherheitskontrolle warten mussten. „Mehr als eine Stunde“, schreibt Stephan Le Roux aus Südafrika. Er hatte offenbar im Terminal A eingecheckt, wo jedes Gate über eine Kontrolle und dahinter über einen einfachen Wartebereich verfügt. „Keine internationalen Duty-Free-Shops, keine Lounges hinter der Kontrolle. Eine totale Enttäuschung.“ Dabei ist es genau diese Struktur, die Fans loben. Nicht-Berliner haben jedoch wenig Lust, sich auf die architektonische Besonderheit einzulassen. Für Erstnutzer sei Tegel ein „sehr verwirrender Flughafen“, stellt Andrew Evans aus Großbritannien fest.

„Never come back“

Sicher, Tegel liege nahe am Zentrum, lobt Michael Drescher, Fluggast aus Deutschland. Aber es sei keine Freude, von diesem Flughafen aus zu fliegen. „Schlechte Restaurants, schlechte Auswahl von Läden, wenige und alte Toiletten, keine Steckdosen an den Gates. Es wird Zeit, dass sie ihn schließen.“

Noch harscher fallen bei Skytrax die Kommentare zu Schönefeld aus. „Als ich dort ankam, konnte ich nicht glauben, dass ich in der Hauptstadt von Deutschland bin“, schreibt ein Fluggast aus Polen. Es sei wie eine Zeitreise in den Ostblock während des Kalten Kriegs gewesen. Schönefeld erschien ihr „wie eine Zeitkapsel, die dich in die DDR zurücknimmt“, pflichtet Hilde Gudvangen aus Norwegen bei. „Schmuddelig, stickig, heruntergekommen“, so ihre Wertung. Es gebe kaum Sitzplätze. Am besten, man fliege schnell weg – „and never come back“.

Flughafengesellschaft investiert

Es gab zu wenige Check-In-Schalter und zu wenig Personal für die Sicherheitskontrolle, bemängelt Thea Heinig-Lazarou aus Zypern. Für beide Prozeduren habe sie anderthalb Stunden benötigt. „Die Toiletten rochen und waren in keinem schönen Zustand.“ Der Flughafen sollte mal wieder geputzt werden, rät Rosemary Frazer aus Großbritannien. Die Mitarbeiter seien schlecht trainiert und unhöflich. Von allen Flughäfen habe sie die schlechteste Behandlung als Rollstuhlfahrerin in Schönefeld erlebt – „und ich verreise viel“.

„Schaut man sich die Umfragen im Detail an, fällt auf, dass sich viele Kritikpunkte mit unserer in die Jahre gekommenen Infrastruktur und dem begrenzten Platz erklären lassen“, so Flughafensprecher Daniel Abbou. Der Flugverkehr in Berlin wachse seit Jahren schneller als der Markt. Deshalb werde viel Geld investiert, auch in Toiletten, 2015 wurden weitere Programme für 36 Millionen Euro gestartet. „Als nächstes werden wir zusätzliche Kapazitäten in Schönefeld schaffen“, sagt Abbou. Das Terminal B werde erweitert, ein Terminal komme hinzu, und auch das Angebot im Bereich Shopping und Gastronomie werde den Kundenbedürfnissen angepasst.



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