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Flughafen BER : Ein Rolls-Royce für Schönefeld

Neuer Kopf, neue Richtung am BER?

Neuer Kopf, neue Richtung am BER?

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AFP/Johannes Eisele

Kurz nach 19.30 Uhr wurden die Sektflaschen entkorkt und die Gläser gefüllt. Karsten Mühlenfeld, der neue Chef der Berliner Flughäfen, stieß mit dem Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) und seinen anderen Fürsprechern im Flughafen-Aufsichtsrat an. Etwas erschöpft wirkte er, aber auch erleichtert. Ein langer, ereignisreicher Tag näherte sich dem Ende.

So viel steht fest: Für die Flughafengesellschafter Berlin und Brandenburg war der 20. Februar auch ein erfolgreicher Tag. Sie hatten sich gegen den Bund durchgesetzt und dem Projekt BER eine weitere Blamage erspart. Weil sie sich einig waren, wurde die schlimmstmögliche Variante verhindert: dass es das oberste Gremium der Flughafengesellschaft FBB nicht schaffen würde, einen Nachfolger für den zurückgetretenen Hartmut Mehdorn zu wählen, und dass die peinliche Hängepartie weiterginge.

Um kurz nach 18 Uhr war es offiziell. Im Besucherzentrum des BER sagte Bretschneider zu dem 51-Jährigen neben ihn: „Herzlich willkommen bei uns am Flughafen, Herr Dr. Mühlenfeld!“ Der Neue sei ein „Mann mit großer Erfahrung im Projektmanagement“. Mühlenfeld, lange Zeit beim Triebwerkhersteller Rolls-Royce in Dahlewitz tätig, habe sich als „hervorragender Kämpfer für die Region erwiesen“. Warum übernimmt er jetzt einen der härtesten Jobs, den es in dieser Region gibt? „Auch Rolls -Royce war ein komplexes Umfeld“, sagte Mühlenfeld. Der Posten als Vorsitzender der FBB-Geschäftsführung sei „eine Möglichkeit, meine Fähigkeiten zu zeigen“.

„Nur zweite Garnitur“

Es gab auch Beobachter, die nicht in den Lobgesang einstimmen wollten. Andreas Otto von den Grünen war skeptisch. „Herr Mühlenfeld hat keinen Flughafen geleitet und kein Großprojekt begleitet“, gab der Abgeordnete zu bedenken. „Aus meiner Sicht ist er nur zweite Garnitur.“

Michael Clausecker, aus Berliner Sicht erste Wahl für die Mehdorn-Nachfolge, sah das anders. „Herr Mühlenfeld ist ein guter Mann“, sagte der Betriebswirtschaftler, der bis 2014 beim Bahnhersteller Bombardier Transportation Vorsitzender der Geschäftsführung war, am Freitagabend der Berliner Zeitung. „Ich gratuliere ihm herzlich und wünsche ihm viel Glück.“ Es sei richtig, dass Berlin und Brandenburg eine Entscheidung getroffen hätten.

Gezerre und Ungewissheit gab es bis zum Schluss. Obwohl bis 22 Uhr telefoniert wurde, konnten sich die Länder auch am Donnerstag nicht mit dem Bund auf einen Kandidaten einigen. Darum kamen Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) überein, allein zu entscheiden.

Los ging es am Freitag um 13 Uhr im Präsidialausschuss des Aufsichtsrats. Dort wurde der Vertreter des Bundes, Staatssekretär Rainer Bomba (CDU), überstimmt. Der Beschluss lautete: Mühlenfeld soll dem Aufsichtsrat als neuer Flughafenchef vorgeschlagen werden.

„Dass er und nicht Clausecker Chef werden sollte, war unsere Brücke für den Bund“, hieß es in Potsdam. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat etwas gegen Clausecker. Warum, wurde nie ganz klar. Vielleicht lag es daran, dass sich Clausecker im Ministerium keine Freunde gemacht hatte, als er noch Hauptgeschäftsführer und Präsident des Verbandes der Deutschen Bahnindustrie war. Damals kritisierte er, dass die Zugzulassung in Deutschland so bürokratisch sei wie in fast keinem anderen Land. Oft bemängelte er auch den Investitionsstau bei Gleisen und Stellwerken.

Wilhelm Bender wollte nicht

„Vielleicht war es auch nur eine Retourkutsche Dobrindts, die Berlin und Brandenburg treffen sollte“, sagte ein Beobachter. Schließlich hatten die Länder auf Hinweise, dass Staatssekretär Bomba Ambitionen auf den Chefposten habe, verwundert reagiert. Das Verhältnis im Trio ist ohnehin gespannt. Dobrindt kommt aus Bayern, wo sich mit dem Flughafen München der gewichtigste Konkurrent des neuen Berliner Flughafens befindet. „Vielleicht trägt das dazu bei, dass er den Ausbauplänen für den BER skeptisch gegenübersteht“, hieß es in Berlin.

Minister Dobrindt ließ eigene Kandidaten suchen. Auch Wilhelm Bender, lange Chef des Frankfurter Flughafens, bekam einen Anruf aus Berlin. Der 70-Jährige wollte allerdings nicht, hieß es. Seine Enkel lasteten ihn voll aus, ließ er wissen.

Doch der Bund mochte über die Brücke, die ihm die Länder gebaut hatten, nicht gehen. Nachdem sich Mühlenfeld als nunmehr einziger Kandidat kurz nach 15 Uhr im Aufsichtsrat vorgestellt hatte, kam es zum Showdown. Mit großer Mehrheit wurde er gewählt, nur die Vertreter des Bundes stimmten gegen ihn.

Nun wird er Bombardier, wo er erst seit Anfang Februar arbeitet, bald wieder verlassen. „Wir setzen uns zusammen, besprechen die neue Situation und finden eine tragfähige Lösung“, sagte Unternehmenssprecher Immo von Fallois.

Was steht am Flughafen BER als erstes für Mühlenfeld an? „Es geht darum, die jetzigen Pläne umzusetzen. Und dafür zu sorgen, so schnell wie möglich Schallschutz bei den betroffenen Bürgern einzubauen“, lautete seine Antwort. Am 1. oder am 15. März, so ist zu hören, will der Neue in Schönefeld anfangen.


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