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Flughafen BER: Mehdorn geht in die Offensive

Der unfertige Flughafen BER.

Der unfertige Flughafen BER.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Die Aufsichtsräte der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg haben an Vorstandschef Hartmut Mehdorn im Prinzip dieselben Fragen wie die Öffentlichkeit: Wann wird der neue Flughafen BER fertig, und wie viel wird er kosten? Doch wenn das Gremium am Freitagmorgen um 9.30 Uhr zusammenkommt, steht ein ganz anderer Punkt ganz oben auf der Tagesordnung. Zur Einstimmung wird Wilhelm Haarmann von der Frankfurter Kanzlei Linklaters auf Einladung von Mehdorn einen Vortrag halten über gute Unternehmensführung.

Die Idee des Flughafenchefs, seine Kontrolleure erst einmal belehren zu lassen, hat nicht dazu beigetragen, deren Stimmung aufzuhellen. „Er will uns offenbar zu verstehen geben, dass wir ihn in Ruhe lassen sollen“, glaubt ein Aufsichtsratsmitglied. Aber das wird wohl nichts, zu groß ist der öffentliche Druck, zu drängend die Probleme.

Erst kürzlich hat ein Spitzenmanager der Flughafengesellschaft in einem zwanzig Seiten langen Brief an Mehdorn Missstände benannt. Insbesondere kritisierte der Leiter des Bereichs Real Estate Management das organisatorische Chaos auf der Baustelle und die mangelnde Kritikfähigkeit der Geschäftsführung, die aus seiner Sicht das Projekt verzögert und gefährdet. Der Mann ist inzwischen entlassen, aber zumindest wird über seine Vorwürfe im Aufsichtsrat diskutiert.

Neben der Frage des zusätzlichen Finanzbedarfs – wie berichtet will Mehdorn offenbar 1,1 Milliarden Euro von den Gesellschaftern beantragen – werden außerdem die technischen Schwierigkeiten auf der Tagesordnung stehen. Angeblich wollen die Aufsichtsräte künftig Vertreter der beteiligten Unternehmen wie Siemens direkt Bericht erstatten lassen über Fortschritte und Hindernisse auf der Baustelle.

Entscheidung über Nachtflüge

Siemens ist beauftragt mit einem wichtigen Teil der Entrauchungsanlage, der Steuerung der Frischluftnachführung. Das ist ein komplexes Unterfangen, Tausende Fenster und Luftklappen müssen im Fall eines Brandes geöffnet oder geschlossen werden. Der Firma fehlen aber wichtige Informationen: So gab es bislang keine verbindlichen Nummern für die unzähligen Räume im Terminal. Scheinbar eine Petitesse, jedoch eine mit weitreichenden Folgen – viele Pläne lassen sich ohne Raumnummern schlicht nicht erarbeiten. Für die wichtigsten Teile des Terminals liegt zudem noch keine Entwurfsplanung für die Entrauchungsanlage vor. Laut europäischem Amtsblatt wurde der entsprechende Auftrag erst im Dezember vergeben – da sollte Siemens eigentlich schon loslegen.

Besondere Bedeutung hat die heutige Sitzung für die brandenburgische Landesregierung. Der Aufsichtsrat wird am Freitag abschließend über ihren Vorschlag entscheiden, das Nachtflugverbot am Morgen um eine Stunde bis 6 Uhr zu verlängern. Vor gut einem Jahr hatte der Landtag ein Volksbegehren angenommen, das sogar noch stärkere Beschränkungen forderte. Die Flughafen-Mitgesellschafter, das Land Berlin und der Bund, lehnen das Ansinnen jedoch ab. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte seine Haltung am Donnerstag. „Wer die Flugzeiten einschränken will, der sorgt dafür, dass dieser Flughafen nicht wirtschaftlich arbeiten wird“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In ihrem Konzept legen die Brandenburger dar, dass von der Beschränkung höchstens elf Flüge am Tag betroffen wären, von denen einige vermutlich auch verlegt werden könnten. Sollte die Änderung tatsächlich die Wirtschaftlichkeit des BER gefährden, lässt das nichts Gutes hoffen für seine Profitabilität.


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