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Flughafen BER: Mehdorn wirft BER-Chefplanerin raus

Die Lichter am Flughafen Schönefeld sollen in den nächsten Jahren ausgehen. Oder doch nicht?

Die Lichter am Flughafen Schönefeld sollen in den nächsten Jahren ausgehen. Oder doch nicht?

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dpa

Berlin -

Das Projekt Flughafen BER ist erneut in Turbulenzen geraten. Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hat einer Chefplanerin gekündigt. Betroffen ist Regina Töpfer, die seit dem vergangenen Sommer Bereichsleiterin für Bauplanung und -steuerung war. Das bestätigte die promovierte Bauingenieurin der Berliner Zeitung. „Die Information ist korrekt“, teilte Töpfer am Mittwoch mit.

Im Januar sei sie überraschend über den Rauswurf informiert worden, berichtete die 46-Jährige. Sie habe zwar fachlich gute Arbeit geleistet, das Projekt BER aber nicht in erforderlichem Maße nach vorn gebracht, wurde ihr mitgeteilt. Töpfer vermutete, dass die von ihr geäußerte Kritik an sicherheitsrelevanten Mängeln am BER zu der Entscheidung beigetragen habe. „Ich habe mich bemüht, die bestehenden bekannten Brandschutzmängel systematisch abarbeiten zu lassen“, sagte sie. Ein Großteil der Probleme bestehe fort. „Es sind noch viele Themen abzuarbeiten.“ Sie gehe nicht davon aus, dass die Bauarbeiten 2014 enden, und der Flughafen wie erhofft 2015 öffnet. Es habe weitere Umbesetzungen gegeben. „Die notwendige personelle Kontinuität ist zum Teil nicht mehr gegeben.“

Die Ingenieurin war zuvor seit Mai 2008 als Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatorin auf der BER-Baustelle tätig gewesen. Nachdem sich schwere Arbeitsunfälle ereignet hatten, habe sie ihre Tätigkeit noch ernster genommen, sagen Beobachter. Töpfer habe Mängel offen benannt und sei auch bei Mehdorn angeeckt.

Der Rauswurf ist nicht die einzige personelle Veränderung am BER. Bevor Mehdorn kam, erhielten das Architekturbüro gmp, Technik-Chef Manfred Körtgen und Geschäftsführer Rainer Schwarz die Kündigung. Mehdorn stellte dann Körtgens Nachfolger Horst Amann kalt. Die Entlassung Töpfers erwecke den Eindruck, als wolle Mehdorn „allein und eigenhändig“ den Flughafen zu Ende bauen, sagte der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piraten), Handelsblatt Online. „Seine Personalpolitik zeugt von Selbstüberschätzung. Wer Mehdorn widerspricht, fliegt.“

Am Mittwoch bestätigte die Flughafengesellschaft, dass sie den Weiterbetrieb des heutigen Schönefelder Flughafens erwägt. „Das ist eine Option, die wir prüfen“, teilte ihr Sprecher Ralf Kunkel mit. Beobachter werten dies als Eingeständnis, dass der neue Schönefelder Flughafen nach seiner Eröffnung bald zu klein sein wird. Wenn die bestehenden Schönefelder Terminals offen blieben, stünde eine Kapazität für mehr als sieben Millionen Fluggäste zusätzlich pro Jahr zur Verfügung. Das würde die Situation am BER entspannen, hieß es.