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Flughafen Berlin BER: Wannsee-Flugroute wieder im Gespräch

Die Reaktorhalle des Helmholtz-Zentrums. Der Reaktor verbraucht jedes Jahr 2,5 Kilogramm spaltbares Uran.

Die Reaktorhalle des Helmholtz-Zentrums. Der Reaktor verbraucht jedes Jahr 2,5 Kilogramm spaltbares Uran.

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Christian Schroth

Berlin -

Berlins einziger Atomreaktor soll 2020 abgeschaltet werden. Das ist nicht nur für viele Anwohner in Wannsee, sondern auch für die Planer der künftigen Flugrouten eine gute Nachricht. Denn das Aus könnte dazu führen, dass der Südwesten Berlins nun doch überflogen wird. Zwar hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) die Wannseeroute im Januar für rechtswidrig erklärt, weil das Risiko eines Flugunfalls oder eines Anschlags auf den Kernreaktor nicht ausreichend untersucht worden sei.

Doch dieses Hindernis entfalle nun, sagte Nikolaus Herrmann, der Direktor des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung. „Im Moment ist der einzige kritische Punkt der Reaktor, und dieser kritische Punkt ist dann weg.“
Das Helmholtz-Zentrum Berlin (HBZ) hatte am Dienstag überraschend mitgeteilt, dass es den Forschungsreaktor BER II nur noch bis 2020 betreiben und danach abbauen wolle. Das hat der Aufsichtsrat des HBZ beschlossen.

Sprecherin Ina Helms begründet das mit den nicht mehr erweiterbaren Kapazitäten. „Langfristig ist der Neutronenfluss von zehn Megawatt bei uns für die Wissenschaft zu gering.“ Aus der Politik habe man klare Signale erhalten, dass es in Deutschland keinen neuen Forschungsreaktor geben werde. Zum Vergleich: Große Atommeiler haben eine Leistung von 1 400 Megawatt.

Störfall ist nicht auszuschließen

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima war 2011 die Debatte um den vor 56 Jahren im Südwesten des ehemaligen West-Berlin erbauten Forschungsreaktors neu entbrannt. Auch die Proteste aus Potsdam nahmen zu. Unter dem rot-grünen Berliner Senat gab es 1989 schon einmal Bestrebungen, den Reaktor in Wannsee abzuschalten. Ein „Stresstest“ ergab 2011, dass BER II zwar gegen Brände, Erdbeben und Hochwässer ausreichend geschützt sei. Bei dem Absturz eines Flugzeugs sei ein schwerer Störfall („GAU“) aber nicht auszuschließen.

HBZ-Sprecherin Helms begründet den Rückzug aus der Neutronenforschung auch damit, dass gegenwärtig im südschwedischen Lund die stärkste Neutronenquelle der Welt entsteht. Sie soll 2018 in Betrieb gehen. Auf diese Rahmenbedingungen habe sich das Helmholtz-Zentrum frühzeitig eingestellt. Es werde sich zukünftig auf die moderne Energieforschung konzentrieren mit dem Schwerpunkt Materialforschung, so Helms.

Für den Standort Wannsee mit rund 800 Mitarbeitern strebe das HBZ an, dort eine weiterentwickelte Photonenquelle BESSY III zu errichten. BESSY II steht am HBZ-Standort Adlershof. Doch dort sei nicht mehr genug Platz für ein Nachfolgemodell. Darüber hinaus solle die in Wannsee bereits betriebene Solarenergieforschung ausgebaut werden.

Schon vor 2020 Flüge möglich

Nachdem das OVG Klagen gegen die Müggelseeroute zurückgewiesen hat, müssen nun auch die Bürger im Südwesten Berlins mit Flugverkehr über ihren Häusern und Gärten rechnen. Die Deutsche Flugsicherung müsste die Startroute für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) nun neu planen, sagte Nikolaus Herrmann. Anschließend hätte die Fluglärmkommission darüber zu beraten.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses Berlin-Brandenburg, Matthias Schubert, reagierte jedoch gelassen. „Wir haben eine ganze Reihe von Klagen erhoben – gegen die Planfeststellung, die Flugroutenfestlegung und gegen die Betriebsgenehmigung. Der Reaktor ist darunter nur ein Punkt von vielen.“

Das Aufsichtsamt hofft, dass das Bundesverwaltungsgericht das Urteil kassiert. Dann könnte es schon vor 2020 Flüge über dem Wannsee geben. (mit dpa)