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Flughafen Berlin Brandenburg (BER): Auf dem BER beginnen die Arbeiten von vorn

Blick auf den Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt: Spezialisten müssen nun die Fehler beheben, die während des versuchten Bau-Endspurts im Frühjahr gemacht worden sind.

Blick auf den Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt: Spezialisten müssen nun die Fehler beheben, die während des versuchten Bau-Endspurts im Frühjahr gemacht worden sind.

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dpa

Berlin -

An manchen Tagen reicht die Kraft spätabends nur noch aus, um in der Berliner Wohnung ein Bier zu trinken. „Dann geht es ab in die Koje“, sagt Horst Amann, der neue Technik-Geschäftsführer der Flughafengesellschaft. Denn auch der nächste Tag auf der Baustelle des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) wird anstrengend. „Tagtäglich kommt etwas Neues“, erzählt der Ingenieur. „Entspannt ist die Situation nicht unbedingt.“ Er verspüre „keine Euphorie“, wenn er über das Projekt nachdenkt.

Doch der 59-Jährige sagt auch: „Es bleibt beim Termin.“ Am 27. Oktober 2013 soll der neue Flughafen öffnen. „In der zweiten Novemberhälfte gehen die Arbeiten wieder los“, so Amann am Donnerstag nach der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats.

Spezialisten werden damit beginnen, in mühevoller Kleinarbeit Fehler zu beheben, die während des versuchten Bau-Endspurts im Frühjahr gemacht worden sind. „Vor allem bei der Verkabelung ging viel schief, was wir nun revidieren müssen“, sagte Amann. Kabel müssen neu sortiert werden.

In der Hast waren Starkstromleitungen neben Kommunikationskabeln verlegt worden – was aus Sicherheitsgründen verboten ist. Manche Kabelbrücken sind für die Last der vielen Kupferleitungen nicht ausgelegt.

Es hat viel Zeit gekostet, die Fehler festzustellen, saget Amann. „Die Dokumentation war äußerst lückenhaft. Ich habe schließlich meine Kollegen losgeschickt, das System in Augenschein zu nehmen“ – auf langen Wanderungen.

Enorme Defizite auf der Baustelle

Wie berichtet wird auch die Entrauchungsanlage umgebaut. Und zwar so, dass bestimmte Geschosse von separaten Anlagen von Qualm befreit werden können, wenn es brennt. Hier waren Amanns Vorgänger von den Vorgaben der Baugenehmigung abgewichen. „Wir müssen wieder dorthin zurück.“

Seit August ist Amann in Berlin. Die Wochenenden gehörten der Familie in Hessen, „aber an den übrigen Tagen dauert die Arbeit von früh bis spät“. Auf der Baustelle gab es anfangs „enorme Defizite“, zudem „andere Verhaltensmuster“, die er bis dahin nicht kannte, so Amann. Das Projekt beschere ihm immer noch ein Wechselbad der Gefühle. Manchmal läuft es besser, manchmal schlechter, „aber es läuft.“ „Wir sind im Zeitplan“, bestätigte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Das Gremium beschloss einstimmig, Haftungsfragen prüfen zu lassen. Wer ist dafür verantwortlich, dass der BER nicht wie zunächst geplant am 3. Juni öffnen konnte? Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und eine Rechtsanwaltskanzlei soll nun alle Beteiligten ins Visier nehmen – von den Architekten bis hin zur Geschäftsführung.

„Wir erwarten im ersten Quartal 2013 ein Ergebnis“, sagte Wowereit. Zuletzt war Flughafen-Chef Rainer Schwarz in die Kritik geraten. Er habe den Aufsichtsrat zu spät und nicht ausreichend darüber informiert, dass dem Projekt im Frühjahr 2012 Verzögerungen drohten.

Jetzt werden Verantwortlichkeiten untersucht. Im Gegenzug soll die CDU/FDP-Koalition auf Bundesebene der notwendigen Aufstockung der Mittel nun nicht mehr im Wege stehen. Damit die Flughafengesellschaft den Januar überlebt, müssen die drei Gesellschafter Geld locker machen – Berlin und Brandenburg je 444 Millionen, der Bund 312 Millionen Euro. Zwar beschlossen sie am Donnerstag, die 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Doch der Haushaltsausschuss des Bundestags muss noch grünes Licht geben. Dort steht das heikle Thema am Mittwoch auf der Tagesordnung. Vorher will Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) unter anderem mit der FDP sprechen.

Die angekündigte Prüfung greife aber zu kurz, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Schwarz muss suspendiert werden. Auch gegen die Aufsichtsratsmitglieder müsste man ermitteln“ – sie hätten ihre Aufsichtsfunktion nicht erfüllt.

Telefonat mit dem Kanzleramt

Von Zwist zwischen den Gesellschaftern war am Donnerstag keine Rede mehr. „Wir haben alle das Ziel, das Unternehmen zu fördern und den Flughafen zu eröffnen“, so Wowereit. Dazu trug hinter den Kulissen offenbar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte am Dienstag mit dem Kanzleramt telefoniert.

Die Europäische Union muss die Zahlungen genehmigen. Inzwischen hat der Bund den Antrag in Brüssel eingereicht. „Das Notifizierungsverfahren verläuft insgesamt konstruktiv und planmäßig“, stellte die Sonderkommission BER fest.