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Flughafen Berlin-Brandenburg: Eröffnung des Berliner Flughafens um Monate verschoben

Betreten bis stocksauer: Flughafen-Chefplaner Manfred Körtgen, Flughafen-Chef Rainer Schwarz und die Länderchefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck.

Betreten bis stocksauer: Flughafen-Chefplaner Manfred Körtgen, Flughafen-Chef Rainer Schwarz und die Länderchefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck.

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AFP

Berlin -

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Die für den 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg wird bis nach den Sommerferien verschoben. Zur Begründung nannte die Betreibergesellschaft Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH am Dienstag Mängel beim Brandschutz. Der Flugbetrieb in Berlin werde bis auf weiteres von den Flughäfen in Tegel und Schönefeld abgewickelt, sagte Flughafen-Chef Rainer Schwarz. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck äußerten sich zuversichtlich, dass der Flughafen im August in Betrieb genommen werden kann.

Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg waren am Dienstag auf ihrer gemeinsamen Kabinettssitzung in Potsdam von der Betreibergesellschaft über die Verschiebung nur 27 Tage vor der geplanten Eröffnung informiert worden. „Kein guter Tag für den Flughafen Berlin-Brandenburg“, sagte Wowereit und betonte: „Wir haben alles unternommen, um den ambitionierten Eröffnungstermin 3. Juni auch sicherzustellen.“

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Die Betreibergesellschaft könne sich aber nicht über die Bedenken beim Brandschutz hinwegsetzen, dies wäre unverantwortlich. „Deshalb haben wir keine Alternative in der Verschiebung des Eröffnungstermins gesehen.“ Es gebe aber keinen Grund, jetzt in Hektik zu verfallen. „Wir brauchen einen kühlen Kopf“, sagte der SPD-Politiker. „Wir wollen so schnell wie möglich den Flughafen in Gang bringen.“ Platzeck sagte, er sei stocksauer. Dies sei „mehr als eine böse Überraschung“. Er erwarte bis nächsten Montag eine „ganz klare Aussage der Geschäftsführung, um dann zu einer klaren Terminaussage zu kommen“.

„Wir behalten uns Regressforderungen vor“, sagte Wowereit mit Blick auf die Baufirmen. „Wenn es technische Probleme gibt, muss es auch Ehrgeiz der Unternehmen sein, dass das läuft“. Zu den Kosten der Verschiebung sagte Wowereit, einige Maßnahmen zur Beschleunigung müssten nun nicht bezahlt werden. Andererseits gingen Millionenbeträge als Einnahmen verloren, die aus höheren Entgelten einkalkuliert worden waren.

Der Chef der Flughafentechnik, Manfred Körtgen, sagte, die Brandschutzanlagen seien installiert, eine sichere Inbetriebnahme sei aber bis zum 3. Juni fraglich. So sei nicht sichergestellt, dass der Terminal im Notfall evakuiert werden könne. Zu den Kosten der Verschiebung wollte sich Flughafen-Chef Schwarz nicht äußern. Die Flughafengesellschaft werde in den nächsten Tagen prüfen, ob Schadenersatzansprüche zu leisten sein könnten. Es müsse zudem darüber beraten werden, welche Konsequenzen zu ziehen seien. Er selbst sei bereit, „in dieser ganz schwierigen Situation“ an dem Projekt weiter mitzuarbeiten.

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Lufthansa sieht weitere Mängel

Aus Sicht der Lufthansa ist der Brandschutz nicht das einzige Problem, das noch gelöst werden muss. „Wir haben in den Testläufen in den vergangenen Tagen und Wochen feststellen müssen, dass noch an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht“, erklärte die Fluggesellschaft. Nach der kurzfristigen Verschiebung erwarte die Lufthansa nunmehr mit dem neuen Eröffnungsdatum eine verlässliche Planungsgrundlage. Auch nach der verschobenen Eröffnung will Deutschlands größte Airline an ihren Plänen für eine deutliche Ausweitung des Flugbetriebs in Berlin festhalten. Die geplanten zusätzlichen Flüge sollten in jedem Falle starten. Derzeit befinde sich die Lufthansa in Gesprächen, um die dafür notwendigen Start- und Landerechte (Slots) am Flughafen Berlin-Tegel zu sichern.

Berlin-Brandenburg wird nach den Airports in Frankfurt und München der drittgrößte Flughafen in Deutschland. Zu Beginn des Flugbetriebs soll er eine Kapazität von 27 Millionen Passagieren haben, deren Zahl bis auf 45 Millionen ausgebaut werden kann. In Frankfurt werden derzeit mehr als 56 Millionen Fluggäste abgefertigt. Am Berliner Flughafen sollen rund 20.000 Menschen arbeiten. Die ohnehin strukturschwache Region verspricht sich von dem Airport einen Jobmotor.

Mängel am Brandschutz hatten am Düsseldorfer Flughafen im April 1997 zu einer Katastrophe geführt: Bei Schweißarbeiten wurde ein Feuer ausgelöst, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen und 88 verletzt wurden. (Reuters)

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