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Flughafen Berlin Brandenburg: Mehdorn kämpft gegen „Schockstarre“

Möchte bis Winter einen kleinen Teil des BER zu Testzwecken eröffnen: der Vorsitzende der Geschäftsführung der Berlin-Brandenburg Flughafen GmbH, Hartmut Mehdorn.

Möchte bis Winter einen kleinen Teil des BER zu Testzwecken eröffnen: der Vorsitzende der Geschäftsführung der Berlin-Brandenburg Flughafen GmbH, Hartmut Mehdorn.

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dpa

Berlin -

Berlins Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat seine Pläne für eine Teileröffnung des Großflughafens BER konkretisiert. „Wir überlegen, zum Jahresende mit einem Probebetrieb am Pier Nord zu starten", sagte Mehdorn dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ laut einer Vorabmeldung vom Sonntag. Möglich wäre ein Teilbetrieb „nur mit zwei kleinen Airlines, 1 500 Fluggästen, sechs oder acht Flugzeugen am Tag.“ So könne man testen, wie etwa die Gepäckabfertigung funktioniere. Er persönlich glaube nicht, dass es möglich sei, „BER von null auf hundert in einer Sekunde zu starten“, fügte Mehdorn hinzu.

Die Inbetriebnahme des Flughafens in Schönefeld wurde bislang viermal verschoben – zuletzt im Januar. Grund sind unter anderem massive Mängel an der Brandschutz-Anlage. Ein neuer Eröffnungstermin soll voraussichtlich im Herbst genannt werden. Bereits im Juli soll laut Mehdorn das Frachtzentrum des neuen Flughafens eröffnen. „Die Cargo-Leute vom alten Flughafen Schönefeld ziehen dann hierher.“ Dann könne sich deren Geschäft schon mal in Ruhe einspielen.

Tegel nach wie vor "Notreserve"

Widerstände aus der Politik gegen die Teileröffnung wies der Manager zurück: „Das wird eine Entscheidung der Geschäftsführung sein und kein politischer Beschluss.“ Der Vorschlag einer Teileröffnung war auf ein geteiltes Echo gestoßen. Mehdorn will sich nach eigenen Angaben weiter dafür einsetzen, Tegel dauerhaft offen zu halten. „Es gibt keine Hauptstadt dieser Welt, die nur zwei Landebahnen hat“, sagte er. Der Airport in Tegel sei nötig als „Notfallreserve“.

Mehdorn warnte zudem vor einer Ausweitung des Nachtflugverbots, wie es sein Aufsichtsratschef, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), favorisiert. „Wenn ein Jet hier nicht um 22.25 Uhr landen kann, kommt er gar nicht“, sagte er. „Dann fliegt er nach Frankfurt, München, Leipzig oder Kopenhagen.“ Die Folge wäre, dass „Berlin ein regionaler Flughafen“ werde. Mehdorn bekannte, er sei „mehr als überrascht“ gewesen, den „Stillstand zu erleben“, als er sein Amt als Flughafenchef in Berlin angetreten habe. „Diese Schockstarre.“ Er verstehe nicht, dass seit der Verschiebung des Eröffnungstermins im vergangenen Jahr so lange nichts passiert sei.

Die Arbeit im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft bezeichnete Mehdorn als „gewöhnungsbedürftig“. Es werde „sehr im Detail diskutiert“. Als Aufsichtsrat würde er „es anders machen“, so Mehdorn. „Ein Aufsichtsrat sollte sich um Grundsatzfragen kümmern.“ Er spüre ein großes Misstrauen, was er nach den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit aber „auch verstehen kann“, räumte er ein. (AFP/BLZ)