28.01.2012

Flughafen Berlin Brandenburg: Skeptische Vielflieger

Von Sabine Deckwerth und Jan Thomsen
Ein Großteil der Berliner rechnet nicht mit einer Steigerung der Lebensqualität durch den neuen Großflughafen.
Ein Großteil der Berliner rechnet nicht mit einer Steigerung der Lebensqualität durch den neuen Großflughafen.
Foto: BLZ/Galanty, Quelle: Forsa
Berlin –  

Umfrage zum neuen Flughafen: Berliner rechnen mit mehr Arbeitsplätzen, aber nicht mehr Lebensqualität.

Der neue Flughafen Schönefeld wird vielfach als "Jobmaschine" gepriesen. Das sieht offenbar auch eine – knappe – Mehrheit der Berliner so. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung glauben 51 Prozent der Befragten daran, dass der Airport mehr Arbeitsplätze und einen wirtschaftlichen Aufschwung bringt. Nur 44 Prozent erwarten dies nicht.

Allerdings sieht eine deutliche Mehrheit für sich persönlich entweder keine Folgen (49 Prozent) oder aber negative (30 Prozent), wenn ab Juni nur noch vom "Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt" geflogen wird. Das heißt: Vier von fünf Berlinern können dem BER nichts dezidiert Positives abgewinnen.

Insbesondere diejenigen, die sich als Vielflieger bezeichnen, erkennen mehrheitlich (51 Prozent) Nachteile – mutmaßlich wegen der längeren Wege, die sie nach Schönefeld in Kauf nehmen müssen. Nur knapp jeder Fünfte glaubt, dass der neue Großflughafen für sie unterm Strich eher Vorteile bringt.

58 Prozent der Befragten erwarten keine Verbesserung der Lebensqualität

Aufgeschlüsselt nach Ost und West ergibt sich: Ein Fünftel (21 Prozent) der Ost-Berliner rechnet für sich mit persönlichen Vorteilen durch BER in Schönefeld. Im Westteil, wo sich 2008 in einem letztlich gescheiterten Volksentscheid mehr als eine halbe Million Berliner gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof aussprachen, sind es sogar nur 17 Prozent. 22 Prozent der Ost-Berliner und 36 Prozent der West-Berliner erwarten dagegen eher Nachteile für sich durch die Schließung der innerstädtischen Standorte Tegel (ab Juni 2012) und Tempelhof (seit Oktober 2008). 55 Prozent der Ost-Berliner und 45 Prozent der West-Berliner sehen keine Auswirkungen für sich.

Eine klare Mehrheit der Befragten (58 Prozent) ist außerdem der Ansicht, dass sich die Lebensqualität im Stadtgebiet ohne Flugbetrieb in Tempelhof und Tegel nicht verbessert – aller stadtplanerischen Euphorie etwa über die "Tempelhofer Freiheit" und ihre Entwicklungspotenziale zum Trotz. Lediglich 37 Prozent der Befragten sind der Meinung, das Aus der innerstädtischen Standorte bringe mehr Lebensqualität. Besonders die Anhänger der CDU sind skeptisch: Unter ihnen erwarten sogar 71 Prozent keinerlei Verbesserung der Lebensqualität durch die Schließung von Tempelhof und Tegel. Unter den SPD-Anhängern sind es nur 54 Prozent, ebenso unter denen der Piraten. Von den Grünen-Anhängern rechnen 53 Prozent und von denen der Linken 44 Prozent mit keiner allgemeinen Verbesserung.

Für derzeitiges Nachtflugverbot

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat 1.002 Hauptstädter im Zeitraum vom 16. bis zum 26. Januar dieses Jahres befragt. 17 Prozent von ihnen gaben an, häufig zu fliegen. 48 Prozent fliegen "hin und wieder", 35 Prozent "so gut wie gar nicht".

Das umstrittene Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr auf dem neuen Flughafen findet übrigens eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Berliner völlig in Ordnung. Für eine Ausweitung auf 22 bis 6 Uhr ist nur gut jeder vierte Befragte (26 Prozent). Über die Rechtmäßigkeit des genehmigten Verbots von 0 bis 5 Uhr wird ab März vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt.

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