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Flughafen Berlin: Mehdorn will Schönefeld, Easyjet den BER

Nicht schön, aber praktisch: Der Flughafen Schönefeld soll offen bleiben – als Terminal 2 des benachbarten BER.

Nicht schön, aber praktisch: Der Flughafen Schönefeld soll offen bleiben – als Terminal 2 des benachbarten BER.

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imago

Noch vor Kurzem galt sein Schicksal als besiegelt, doch nun hat er wieder eine Zukunft. Der Flughafen Schönefeld soll nicht geschlossen werden, wenn nebenan der BER öffnet. Um den Weiterbetrieb planen zu können, will Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn am Freitag im Aufsichtsrat einen Millionenbetrag beantragen. Er muss sich jedoch auf kritische Fragen gefasst machen. Airlines wie Easyjet wollen lieber zum neuen Flughafen. Außerdem drohen betriebliche Probleme.

Einige Bereiche haben den Charme von Lagerhallen. Viele Gates sind nur über schmale Treppen erreichbar. Und die Toiletten an der Gepäckausgabe konfrontieren Berlin-Besucher mit üblen Gerüchen. So viel steht fest: Schönefeld (Kürzel: SXF) ist alles andere als eine Schönheit. Doch für Mehdorns Planer gilt der einstige DDR-Hauptstadt-Flughafen heute als notwendiges Übel.

Entlastung nur bis 2020

„Am BER wird es Engpässe geben“, so Mehdorn. „Er ist für jährlich 27 Millionen Fluggäste konzipiert, doch im vergangenen Jahr hatten wir in Berlin schon 26,3 Millionen.“ In Schönefeld-Alt gäbe es zusätzlichen Platz für sechs bis sieben Millionen Passagiere pro Jahr. Das reicht bis 2020 – dann werden 35 Millionen erwartet.

„Double Roof“ (Doppel-Dach) heißt das Konzept. Schönefeld soll als Terminal 2 des BER dienen. „Es ist nicht als Billigairline-Flughafen gedacht“, sagte Mehdorn. Die Gebühren sollen Teil des BER-Preissystems sein – also genauso hoch. Doch Fluggesellschaften sind skeptisch. Allen voran Easyjet, die nicht in Schönefeld-Alt bleiben will. „Unser Ziel bleibt ein Umzug zum Hauptstadtflughafen BER, sobald dieser eröffnet. Wir freuen uns auf den BER“, sagte Deutschland-Chef Thomas Haagensen der Berliner Zeitung. „Der BER gibt uns die Möglichkeit, unsere Produkte und unser Netzwerk allen Fluggästen aus Berlin und Brandenburg anzubieten und ermöglicht ihnen zu vergleichen.“ Der neue Flughafen sei wichtig für die Strategie, zentrale Hauptflughäfen anzufliegen. Haagensen: „Wir arbeiten weiter an unserer Position als eine der führenden europäischen Airlines, und das lässt sich mit dem BER sehr gut realisieren.“

Auch Tegeler Airlines wollen lieber zum BER. „Air France KLM will nach wie vor zum neuen Flughafen ziehen, daran hat sich nichts geändert“, teilte zum Beispiel deren Sprecherin auf Anfrage mit. Condor, derzeit in Schönefeld-Alt, hat noch Fragen. Sofern die Kunden ein „gutes Reiseerlebnis“ hätten, kämen auch Alternativen zu dem ursprünglichen Plan in Betracht, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup. „Dabei ist es notwendig, dass sich die Kosten am Flughafen nicht erhöhen und die operativen Bedingungen nicht verschlechtern, so dass wir wettbewerbsfähig Ferienflüge anbieten können.“

Die „leichte Anreise“, die Teckentrup ebenfalls wünscht, wird es aber künftig nur mit Abstrichen geben: In Schönefeld werden keine Regionalzüge mehr halten. Aufsichtsrats-Mitglieder befürchten zudem, dass sich auch operative Bedingungen verschlechtern. Vom alten Terminal zur BER-Südbahn müssten die Flugzeuge weite Wege zurücklegen, hieß es. „So weit, dass Billigflieger die kurzen Wendezeiten, die sie brauchen, nicht mehr schaffen.“ Darum sei das Double-Roof-Konzept 2008 schon einmal abgelehnt worden.

Pokern um niedrige Gebühren

Ein weiteres Handicap: Der Regierungsflughafen soll jetzt westlich der Flughafenverwaltung entstehen. Davor verläuft ein Rollweg zu den Startbahnen. Regierungsflugzeuge könnten ihn blockieren. Ein Flughafensprecher wollte sich nicht äußern. In Gesellschafterkreisen wird vermutet, dass Easyjet nur um niedrigere Gebühren pokern will. Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider: „Ein Weiterbetrieb von Schönefeld ist besser als nichts.“