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Flughafen-Skandal: Architekturbüro Gerkan wird gekündigt

Da war die Freude noch groß: Architekt Meinhard von Gerkan, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck (beide SPD, v.l.n.r.) enthüllen am Donnerstag (09.06.2011) in Berlin am Flughafen Tegel ein Plakat des neuen Hauptstadt-Airports.

Da war die Freude noch groß: Architekt Meinhard von Gerkan, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck (beide SPD, v.l.n.r.) enthüllen am Donnerstag (09.06.2011) in Berlin am Flughafen Tegel ein Plakat des neuen Hauptstadt-Airports.

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dpa

Berlin -

Die Kündigung hat den Berliner Architekten Hubert Nienhoff am Donnerstag völlig überrascht. Er leitet das Berliner Büro des renommierten Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (GMP), das den neuen Willy-Brandt-Flughafen mit entworfen hat. Nienhoff hat erst am Mittag durch die Pressekonferenz der Regierungschefs von Berlin und Brandenburg erfahren, dass die Generalplanung für den Großflughafen dem Konsortium PG BBI entzogen wird. Zu diesem Konsortium gehört neben JSK Architekten maßgeblich GMP mit Chefarchitekt Meinhard von Gerkan. Was der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit da also verkündet hat, ist offenbar ein Rausschmiss erster Klasse.

Bei den Kisengesprächen in der Nacht zuvor waren die Architekten nach eigenen Angaben nicht gehört worden. „Wir waren bei den Gesprächen nicht dabei. Deshalb ist die Entwicklung für uns überraschend und nicht nachvollziehbar“, sagte Nienhoff der Berliner Zeitung.

Zuvor hatte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft über die Planer gerichtet. Und kommt zu der Einschätzung, dass die „Generalplanerleistungen eine der Schwachstellen“ am Flughafenbau seien, so Wowereit. Die Achillesferse des Projekts sei insbesondere die technische Gebäudeausrüstung einschließlich der Sicherheitstechnik gewesen.

Flughafengesellschaft übernimmt Generalplanung

Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu. Schon vor zwei Jahren wurden ernste Probleme bei der Planung des neuen Flughafens bekannt. So hatte im Februar 2010 das Ingenieurbüro IGK/IGR als einer der drei Generalunternehmer, die die Planungsleistungen erstellen, Insolvenz angemeldet.

Wie sich herausstellte hatte das Büro, das für die Planung der technischen Ausrüstung des Terminals verantwortlich war, zu diesem Zeitpunkt erst 20 Prozent seiner Planungsleistungen erbracht.

Dies führte unter anderem dazu, dass nur wenige Wochen später der ursprünglich vorgesehene Eröffnungstermin vom 30. Oktober 2011 um acht Monate verschoben werden musste. Ursache für die jetzige Terminverschiebung ist erneut die technische Ausstattung, zu der die nicht komplett einsatzbereiten Brandschutzeinrichtungen mit 3.500 Meldestellen gehören.

Die Generalplaner können allerdings nicht sagen, was ihnen jetzt konkret vorgeworfen wird. GMP versichert aber, dass man die „Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt“ habe. Und verweist darauf, dass man schon die Flughäfen Tegel, Stuttgart und Hamburg geplant und baulich errichtet habe. „Wir wissen nicht, was jetzt gekündigt werden soll“, sagt Nienhoff. In der Planungsgesellschaft BBI wolle man mit JSK zusammenkommen und beraten. Eine Kündigung halten die Planer für einen Fehler. „Es wäre dumm, wenn sie das tun würden“, so Nienhoff. Wowereit sagt hingegen, dass die Generalplanung künftig von der Flughafengesellschaft selbst übernommen wird.


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