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Fluglärm am BER: 17.000 Anwohner warten noch auf Schallschutz

Mit dem Flugbetrieb kommt der Lärm, wissen die Anwohner des BER.

Mit dem Flugbetrieb kommt der Lärm, wissen die Anwohner des BER.

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dpa

Zwei Jahre nach der geplanten Eröffnung geht die Umsetzung des Schallschutzprogramms am zukünftigen Hauptstadtflughafen BER weiterhin nur langsam voran. Wie aus dem kürzlich veröffentlichten Sachstandbericht der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) hervorgeht, sind von den rund 16.960 Anträgen der betroffenen Anwohner, die bis Ende Mai eingegangen sind, nur 2038 abschließend bearbeitet. Nur für jede dritte dieser Wohnungen wurde bislang das notwendige Schallschutzgutachten angefertigt.

Der verkehrspolitische Sprecher der brandenburgischen CDU-Landtagsfraktion, Rainer Genilke, sagte am Sonnabend, das Schallschutzprogramm müsse zügig umgesetzt werden. „Die Anwohner am BER haben einen Anspruch, der erfüllt werden muss.“ Nur so könne auch die Akzeptanz des Flughafens gesteigert werden. Vor allem aber ist die Umsetzung notwendig, um den BER überhaupt eröffnen zu können.

Aufwendige Wertermittlung

Vergleicht man die kürzlich veröffentlichten Zahlen mit denen von Ende April, so wird deutlich, dass im Mai nur 78 Anträge abschließend bearbeitet wurden. Besonders wenige Anträge sind bislang im sogenannten Tagschutzgebiet abgearbeitet. Dies sind die vom Fluglärm besonders betroffenen Bereiche, wo die Anwohner ein Recht auf besonders aufwendige – und kostspielige – Maßnahmen haben. 11.222 Anwohner haben in diesen Gebieten bislang einen Antrag abgegeben. Lediglich 299 dieser Anträge sind abgearbeitet. Ein Grund: Viele der Anwohner werden pauschal entschädigt und erhalten eine Summe, die 30 Prozent des Verkehrswerts ihres Hauses entsprechen soll. Die Begutachtung ist relativ aufwendig.

Zugleich verläuft auch die Einreichung neuer Anträge schleppend. Nur 55 BER-Anwohner haben im Mai einen Antrag abgegeben. Insgesamt haben 6560 Berechtigte ihre Ansprüche noch nicht geltend gemacht, also jeder vierte. Die Anwohner können ihre Ansprüche noch fünf Jahre nach Eröffnung des Flughafens geltend machen. Da die Immobilienpreise derzeit steigen, könnten einige Anwohner auf höhere Entschädigungen spekulieren.

Wie ein FBB-Sprecher am Sonntag mitteilte, konzentrieren sich die Gutachter derzeit auf die Gebiete in der Einflugschneise der zukünftigen BER-Südbahn. Dort seien rund 90 Prozent der Objekte durch Gutachter begangen worden. Von rund 4 700 Berechtigten hätten 100 bereits einen Bescheid erhalten, weitere 430 Bescheide seien unterschrieben und sollen in Kürze verschickt werden. Die übrigen Anträge sollen bis zum Herbst bearbeitet sein.

Die Bearbeitung der Anträge in diesem Bereich ist besonders wichtig, weil die Südbahn des künftigen Hauptstadtflughafens bereits im Frühjahr 2015 für einige Monate in Betrieb gehen soll, während die BER-Nordbahn saniert wird. Sie wurde in den 1970er-Jahren erbaut und dient derzeit als Start- und Landebahn des Flughafens Schönefeld.