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Fluglärm in Berlin: Verbotene Flugrouten-Abkürzungen?

Anwohner beobachten vermehrt Flüge über Berlin, die so nicht vorgesehen sind.

Anwohner beobachten vermehrt Flüge über Berlin, die so nicht vorgesehen sind.

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dpa

Berlin -

Im Streit um die Flugrouten am neuen Hauptstadtflughafen prüft das Bundesverkehrsministerium, ob Flugzeuge verbotenerweise ihre Strecke über Berlin abkürzen. „Wir haben von Anwohnern entsprechende Hinweise bekommen“, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag und bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sei um eine Stellungnahme gebeten worden. „Wir wollen wissen, welche Gründe es für das Verhalten gibt.“ Aus Sicht von Minister Peter Ramsauer (CSU) befürchten die Anwohner zu Recht, dass die aktuell geflogenen Routen bereits eine Festlegung für den künftigen Standort sein könnten und so eine Lärmgewöhnung erreicht werden solle.

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Eine DFS-Sprecherin wies dies zurück: Ausschlaggebend für eine Abweichung von den vorgegebenen Routen sei die Sicherheit. Laut Bundesverkehrsministerium lassen sich anhand von DFS-Daten jedoch zahlreiche Flugmanöver belegen, die zum Teil stark von den künftigen Flugrouten des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) abweichen. So seien frühe Freigaben für Passagiermaschinen bei 1000 bis 2000 Fuß zu beobachten - also deutlich unter dem Richtwert von 5000 Fuß. Allein am 28. Juli seien drei Maschinen frühzeitig vom Kurs abgewichen und hätten in extrem niedriger Höhe Berlin überflogen.

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Die DFS begründete die Abweichungen mit der Wetterlage. Bei den fraglichen Flügen hätten Anfragen von Piloten vorgelegen, die Gewitterwolken vor sich gesehen hätten, sagte die Sprecherin. An Bord lägen Wetter-Radar-Daten vor, die aktueller seien, als die am Boden. „Wenn ein Pilot um eine Abweichung bittet, dann sehen wir zu, dass wir ihm entgegenkommen“, so die Sprecherin. „Wenn es um die Sicherheit geht, können wir nicht diskutieren.“

Mutmaßungen, Lotsen würden auf Kundenwünsche eingehen, wies die DFS zurück. „Uns ist derartiges nicht bekannt und wir unterstellen dies auch nicht“, sagte die Sprecherin. „Man kann ja auch im Straßenverkehr nicht davon ausgehen, dass jeder Autofahrer betrunken fährt.“ (dpa)