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Fluglärm: Täglich 64 Starts mehr von Schönefeld

Schon seit Monaten protestieren Anwohner des neuen Flughafens gegen die Flugrouten und die damit verbundene Lärmbelastung, wie hier am 4. Februar in der neuen Ankunftshalle. Jetzt kam heraus, dass es sogar mehr Flugbewegungen geben wird, als vorher angenommen.

Schon seit Monaten protestieren Anwohner des neuen Flughafens gegen die Flugrouten und die damit verbundene Lärmbelastung, wie hier am 4. Februar in der neuen Ankunftshalle. Jetzt kam heraus, dass es sogar mehr Flugbewegungen geben wird, als vorher angenommen.

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dpa

Am Montagabend, bei der 33. Demonstration von Müggelsee-Anwohnern gegen Fluglärm, war die Stimmung auf dem Friedrichshagener Marktplatz besonders geladen. Etwa 1000 Menschen protestierten. Am Wochenende sind neue Zahlen bekannt geworden, die belegen, dass verschiedene Gebiete rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER nach dessen Eröffnung Anfang Juni deutlich häufiger als bisher prognostiziert überflogen werden könnten.

Nicht nur die Friedrichshagener, die von einem „neuen Betrug“ sprechen, sind empört. „Wir lassen uns nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen anderer für dumm verkaufen“, sagt Thomas Schmidt, Bürgermeister von Kleinmachnow. Aufmerksam gemacht auf die stärkere Belastung hatte die Anwaltskanzlei Geulen/Klinger, die im Streit um die Flugrouten neben Kleinmachnow auch Teltow und Stahnsdorf vertritt.

Besonders Orte auf Wannsee-Route betroffen

Klar scheint nur eins: In den betroffenen Berliner Ortsteilen und Brandenburger Gemeinden dürfte es zumindest öfter als bisher befürchtet laut werden. Friedrichshagen kommt dabei mit bis zu 129 statt 122 Überflügen täglich vergleichsweise glimpflich davon. Andernorts, so bei der Wannsee-Route, die auch über Kleinmachnow führt, ist die Steigerung deutlich stärker.

Die neuen Zahlen gehen auf die Wünsche der Fluggesellschaften zurück. Auf einer Konferenz im Dezember in Singapur hätten sich die Airlines zum Teil deutlich mehr Zeitfenster (Slots) für Starts und Landungen in Schönefeld reserviert als zunächst angenommen, heißt es bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen.

Lufthansa will 38 statt 8 Ziele von Berlin aus anfliegen

Vor wenigen Wochen erst hatte etwa die Lufthansa angekündigt, ihr Engagement in der Hauptstadt deutlich zu erhöhen. So will die größte deutsche Fluggesellschaft künftig 38 statt 8 Ziele von Berlin aus ansteuern. Andere Airlines halten sich mit der Bekanntgabe ihrer Pläne noch zurück, obwohl offensichtlich großes Interesse am Flughafen in Schönefeld besteht. Die neuen Zahlen sind in jedem Fall die Maximal-Optionen, die sich die Airlines sichern wollen.

„Bisher gab es nur Prognosen“, sagt der zuständige Brandenburger Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bretschneider. Jetzt gebe es „so etwas wie die erste Hochrechnung“. Auch er selbst sei von den Zahlen überrascht worden, die „natürlich misslich“ seien. „Aber es wurde nichts verheimlicht oder verschwiegen“, betont Bretschneider.

„An unserer Routenplanung hätte das nichts geändert“

Zu anderen Flugrouten, wie sie Ende Januar veröffentlicht wurden, hätten die neuen Überflugzahlen nach DFS-Angaben nicht geführt. Das Unternehmen hatte die Werte Anfang Februar von der Flughafengesellschaft FBB erhalten. „An unserer Routenplanung hätte das nichts geändert“, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. „Wir müssen immer so planen, dass auch ein Mehrbedarf berücksichtigt wird.“

Rechtsanwalt Remo Klinger, dessen Kanzlei vor einigen Jahren den Truppenübungsplatz Bombodrom zu Fall gebracht hat, sieht das anders: „Die jetzt bekannt gewordenen Tatsachen sind nicht nur politisch verheerend.“ Die offenkundig veralteten Flugzahlen hätten auch zu einem „Rechtsfehler“ bei der Festlegung der Flugrouten geführt.

Darüber werden irgendwann die Gerichte entscheiden. Die Wut von Anwohnern und die Bereitschaft zu klagen dürften nun noch ein Stückchen größer geworden sein.



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