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Flugrouten: Verheimlicht, manipuliert, mit zweierlei Maß gemessen

2004 landete der Flugzeug-Oldtimer Do-24 auf dem Großen Müggelsee. Hoffentlich eine Ausnahme, so die Anwohner.

2004 landete der Flugzeug-Oldtimer Do-24 auf dem Großen Müggelsee. Hoffentlich eine Ausnahme, so die Anwohner.

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ddp

Berlin -

Die Bürger rund um den Müggelsee lassen nicht locker. Im Streit um die künftigen Flugrouten haben sie am Freitag schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Flugsicherung (DFS) erhoben. Die DFS habe „manipuliert“ und Alternativen zu der umstrittenen Müggelseeroute, die ihnen viel Lärm bescheren würde, nicht ernsthaft geprüft, sagte Ralf Müller von der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI). Er verlangte ein Dienstaufsichtsverfahren gegen den Berliner DFS-Leiter Hans Niebergall. Außerdem forderten die Bürger „solide Planungsgrundlagen“, die alle Folgen für die Umwelt erfassen. Es müsse ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren geben.

Bei Ostwind, der an rund einem Drittel der Tage weht, sollen ab Juni 2012 täglich bis zu 122 Flugzeuge vom Flughafen Berlin Brandenburg (BER) aus den Müggelsee ansteuern - so plant es die DFS. Dort werden viele Maschinen eine Höhe von 1 500 Meter erreicht haben. Dies erlaube es den Lotsen, die weitere Strecke frei festzulegen, sagte Hans Behrbohm, Mediziner und FBI-Mitglied. Dadurch werde die Müggelseeregion zum Tor nach Berlin.

Bereits ein DFS-Konzept vom 27. September 2010 sah Startrouten über dem Müggelsee vor. Aber erst am 4.Juli 2011 wurden sie der Fluglärmkommission als bevorzugte Strecken präsentiert. Vorher war davon offiziell nicht die Rede, so Müller. „Während die Überflugpläne für den Westen Berlins durch Proteste rechtzeitig gestoppt werden konnten, gelang das für den Osten wegen des späten Bekanntgabetermins nicht.“ Auch Teltow und Stahnsdorf bleiben Flüge erspart, Friedrichshagen und Schöneiche nicht - obwohl die Einwohnerzahl fast gleich sei. Müller: „Ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes.“

DFS weist Vorwürfe zurück

Der Senat fordert stattdessen eine Route, die über den wenig besiedelten Gosener Wiesen verläuft. Doch die Bürgerinitiative vermisst eine genaue Prüfung. Sie präsentierte am Freitag die DFS-Vorlage an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, in der die Alternativroute negativer als bisher dargestellt wird - offenbar, damit sie chancenlos bleibt. Dabei wäre eine Umfliegung des Müggelsees, von Müggelheim und Erkner problemlos möglich. Dies sei heute schon Praxis.

Die DFS will mit ihrem Konzept die Doppelbelastung Erkners durch Starts und Landungen verringern. „Doch es sieht neue Doppelbelastungen vor - unter anderem von Neuenhagen“, so der FBI-Sprecher.

Die DFS wies die Vorwürfe „entschieden“ zurück. „Sie sind in keiner Weise für uns nachvollziehbar. Wir folgen bei der Routenfindung dem gesetzlichen Auftrag, den Flugverkehr so sicher wie möglich abzuwickeln - mit so geringer Belastung für die Bürger wie möglich“, sagte eine Sprecherin. Im Bundesverkehrsministerium zeigte man sich „erstaunt“ über die Kritik. „Die Fluglärmkommission ist der Ort, an dem alle Betroffenen nach den besten Lösungen suchen“, so ein Sprecher. Zudem habe es mehrere Gespräche mit der FBI gegeben. (mit dapd)