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Forsa-Umfrage : Nur eine knappe Mehrheit ist für Olympia

Die Bewerbung um die Olympischen Spiele spaltet Berlin.

Die Bewerbung um die Olympischen Spiele spaltet Berlin.

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dpa

Die ersten Skizzen einer möglichen Berliner Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 oder 2028 sind fertig, im Dezember will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über eine Kandidatur entscheiden, möglicherweise wird es schon im nächsten Jahr eine Volksabstimmung über das Vorhaben geben. Doch ehe es so weit ist, haben die Befürworter noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa gerade im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat, gibt es nur eine hauchdünne Mehrheit für eine Berliner Bewerbung. 52 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, 46 Prozent dagegen. Olympia-Gegner wie auch Befürworter haben in den vergangenen Wochen betont, dass eine breite Akzeptanz der Bevölkerung unerlässlich sei für eine mögliche Bewerbung. Diese Bedingung ist demnach noch nicht erfüllt.

Linke sind sich nicht ganz sicher

Auffällig an den Ergebnissen ist die starke Ablehnung unter den älteren Befragten. In der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen unterstützen nur 39 Prozent eine Bewerbung, bei den über 60-Jährigen sind es 45 Prozent. Die Jüngeren sind dafür umso enthusiastischer. Fast drei Viertel der 18- bis 29-jährigen sprechen sich für eine Kandidatur Berlins aus. Eine kleine Überraschung birgt die Auswertung nach Parteipräferenz: Immerhin 45 Prozent der Linke-Anhänger sind für Olympia, 52 Prozent sind dagegen. Die Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat sich trotz dieses unklaren Meinungsbilds klar positioniert: Sie lehnt Olympia ab und ist sogar dem Nolympia-Bündnis beigetreten, das sich vorige Woche gegründet hat.

Eine klare Meinung haben die Berliner offenbar zur Frage, ob sich Olympische Spiele wirtschaftlich für die Stadt lohnen würden. Nur 38 Prozent der Befragten glauben an einen finanziellen Nutzen. Dieser Wert ist jedoch deutlich kleiner als der Anteil der Olympia-Befürworter. Offensichtlich rechnen also auch viele Unterstützer einer Bewerbung damit, dass die Austragung der Spiele die Stadt etwas kosten wird.

Sehr deutlich äußern sich die Bürger auch zu der Frage, ob es vor einer Bewerbung eine Abstimmung geben sollte. 58 Prozent sind dafür, nur 40 Prozent halten den damit verbundenen Aufwand für zu groß. Besonders vehement fordern die Anhänger von Grünen und Linken die Mitsprache der Bevölkerung ein, sie sprechen sich zu jeweils rund 70 Prozent für eine Abstimmung aus. Bislang gab es ein solches Votum nur einmal in Deutschland: In Bayern stoppten die Bürger der Landeshauptstadt München und der betroffenen Landkreise per Bürgerentscheid im vergangenen November die Bewerbung für die Winterspiele 2022. In München ging es knapp aus: Dort stimmten 52 Prozent der Bürger gegen die Spiele.

Ein weiteres Mal relativiert die Forsa-Umfrage übrigens das Bild der Berliner als Touristenhasser. 75 Prozent der Befragten würden sich freuen, wenn aufgrund der Olympischen Spiele noch mehr Besucher als heute in die Hauptstadt kämen. Damit bestätigt sich das Bild einer Forsa-Studie vom Juni, in der ebenfalls 76 Prozent der Befragten sagten, dass sie sich über steigende Touristenzahlen in Berlin freuen.

Die Funktionäre des DOSB haben nach der Schlappe in München zuletzt versichert, dass sie für eine stärkere Einbindung der Bevölkerung bei zukünftigen Kandidaturen eintreten und für weniger Aufwand bei der Ausrichtung. Auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, greift diese Forderungen in seiner Reformagenda auf. In dem Fragenkatalog des DOSB, den die beiden möglichen Bewerberstädte Hamburg und Berlin derzeit beantworten, wird explizit danach gefragt, wie eine Akzeptanz der Bewerbung in der Stadt gewährleistet werden solle.

Hamburger fürchten hohe Kosten

In Hamburg ist diese Akzeptanz offenbar schon jetzt größer als in Berlin. Laut einer aktuellen Umfrage der Initiative Markt- und Sozialforschung befürworten dort 73 Prozent der Befragten eine Kandidatur. Ebenso groß ist jedoch der Anteil der Studienteilnehmer, die befürchten, dass die Ausrichtung sehr teuer wird. Und 89 Prozent möchten vorab wissen, wofür die Olympia-Bauten nach den Spielen genutzt werden.

In Berlin hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1003 Bewohner der Hauptstadt per Telefon befragt, die Interviews fanden vom 21. bis zum 31. Juli statt.


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