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Forsa-Umfrage: Berliner sind gegen Schullotterie

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Umfrage zu den Anmeldekriterien für die Oberschule in Prozent.
Umfrage zu den Anmeldekriterien für die Oberschule in Prozent.
Foto: BLZ / Forsa
Berlin –  

Nahezu alle Berliner halten das derzeit gültige Aufnahmeverfahren für Sekundarschulen und Gymnasien für falsch. Auch das Abitur an Gymnasien nach der 12. Klasse lehnt die Mehrheit ab.

Gerade haben Eltern wieder ihre Kinder an der gewünschten Oberschule angemeldet und hoffen nun, dass ihre Kinder den Platz auch erhalten. Das derzeit gültige Aufnahmeverfahren für Sekundarschulen und Gymnasien halten allerdings nahezu alle Berliner für falsch. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. 1005 Berliner wurden vom 14. bis 23. Februar befragt.

Fast alle Befragten lehnen insbesondere die Verlosung von 30 Prozent dieser Schulplätze ab, lediglich ein Prozent der SPD- und der Piraten-Anhänger sprachen sich für dieses Aufnahmeverfahren aus. Zudem sind generell nur fünf Prozent der Befragten der Meinung, dass die Eltern selbst entscheiden sollen, ob das Kind ein Gymnasium oder eine Sekundarschule besucht. Anders als in vielen anderen Bundesländern gilt in Berlin das Elternwahlrecht.

Mehrheit ist gegen Losentscheid

Mehrheitlich sprechen sich die Berliner für ein verändertes Aufnahmeverfahren ohne Losentscheid aus: 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Notendurchschnitt der letzten beiden Grundschuljahre allein über die Aufnahme an einem Gymnasium oder einer Sekundarschule entscheiden sollte.

Allerdings glauben 40 Prozent auch, dass „Schüler aus sozial schwächeren Familien an der Grundschule bei gleicher Leistung schlechter benotet“ würden. 28 Prozent sprechen sich für Aufnahmetests an Gymnasien aus und 22 Prozent würden sich allein auf eine Empfehlung der Grundschullehrer stützen.

Anlässlich der Einführung der neuen Aufnahmekriterien vor drei Jahren hatten die Berliner die gleichen Fragen bereits ganz ähnlich beantwortet. Der damalige Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hatte seinerzeit verlauten lassen, dass die Berliner in einigen Jahren von dem Oberschulanmeldeverfahren überzeugt sein würden. Doch danach sieht es nicht aus. Auch die beiden wichtigsten Schulleiterverbände sprechen sich für ein neues Aufnahmeverfahren aus. Die GEW-Schulleitervereinigung will die Abschaffung des Probejahres an Gymnasien erreichen. Vielmehr sollte die Grundschulprognose sowie ein Testverfahren nach zentral festgelegten Standards greifen, sagte Paul Schuknecht, Vorsitzender der GEW-Schulleitervereinigung. „Bei diesen Tests soll zum Beispiel die Belastungsfähigkeit der Schüler getestet werden, es soll nicht einfach bildungsbürgerliches Wissen abgefragt werden.“ Die Vereinigung der Oberstudiendirektoren wiederum fordert einen Numerus Clausus von mindestens 2,0. Bis zu einem Notenschnitt von 2,7 soll Schülern der Besuch eines Gymnasiums aber möglich sein, wenn der Schulleiter zustimmt und es genug Plätze gibt, so Ralf Treptow, der Vorsitzende. Doch auch dann wäre vielen Schülern, die trotz Sekundarschulempfehlung ein Gymnasium besuchen wollen, dies nicht mehr möglich. Bestimmte Gymnasien, die viele solcher Schüler aufgenommen haben, stünden vor dem Aus. Oder müssten zu einer Sekundarschule werden.

Schulpolitik sorgt für Unruhe

Auch sonst sorgt die Schulpolitik in Berlin für Unruhe: 55 Prozent der Befragten sprechen sich gegen das Turboabitur nach zwölf Jahren an Gymnasien aus. Sie sind für eine Verlängerung der regulären Gymnasialzeit auf 13 Jahre. Auch Holger Ambrosius, Leiter des Einstein-Gymnasiums in Britz, wünscht eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren auch an Gymnasien. „Schulleben außerhalb des reinen Unterrichts findet sonst kaum noch statt“, kritisierte Ambrosius. Im Westteil der Stadt sprechen sich sogar 64 Prozent gegen das Turboabitur aus, im Ostteil eine knappe Minderheit (43 Prozent). Dabei spielt sicher eine Rolle, dass auch in der DDR das Abitur bereits nach 12 Schuljahren erlangt wurde. An Sekundarschulen kann weiter das Abitur nach 13 Schuljahren abgelegt werden, allerdings halten nur 29 Prozent den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife an Sekundarschulen für gleichrangig mit dem an Gymnasien, die Mehrheit (57 Prozent, im Ostteil 55 Prozent) hält das Abitur am Gymnasium für „besser“, bei den CDU-Anhängern sind es sogar 72 Prozent.

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