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Berliner Zeitung | Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung: Berlins Lehrer sind beliebter als gedacht
30. March 2014
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Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung: Berlins Lehrer sind beliebter als gedacht

Eltern hätten weniger dagegen, dass ihre Kinder künftig von Quereinsteigern unterrichte werden könnten, als man vielleicht vermutet hätte.

Eltern hätten weniger dagegen, dass ihre Kinder künftig von Quereinsteigern unterrichte werden könnten, als man vielleicht vermutet hätte.

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dpa

Dieses Ergebnis hätten wohl die wenigsten erwartet: Die Mehrheit der Berliner unterstützt die Pläne des Senats, auch Quereinsteiger ohne Lehramtsstudium in den Schuldienst zu übernehmen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung.

Immerhin 57 Prozent der Befragten fanden es demnach gut, dass die Bildungsverwaltung Hunderte von Personen einstellen will, die nicht auf Lehramt studiert haben und erst in den Schulen zu Lehrern ausgebildet werden sollen. Nur 38 Prozent der Befragten lehnten dies ab. Unter den befragten Eltern mit schulpflichtigen Kindern waren immerhin noch 51 Prozent für Quereinsteiger, aber schon 45 Prozent dagegen. Der Senat will mit den Seiteneinsteigern den akuten Lehrermangel beheben, da dieses Jahr gut 2 400 Lehrer in den Ruhestand gehen werden.

Ansehen des Berufs zuletzt gesunken

Allgemein war mit 85 Prozent eine überwältigende Mehrheit der Befragten der Meinung, dass ein Lehramtsstudium allein für die Ausübung dieses Berufes nicht ausreicht – vielmehr brauche man dazu eine besondere persönliche Begabung. Nur 13 Prozent glaubten, die Ausbildung allein reiche aus. Eltern schulpflichtiger Kinder waren sogar zu 89 Prozent der Meinung, dass ein Lehrer eine besondere persönliche Begabung für den Beruf mitbringen müsse.

Folgerichtig sprachen sich 68 Prozent der Berliner dafür aus, dass angehende Pädagogen vor Aufnahme des Lehramtsstudiums einen Eignungstest absolvieren müssen, 30 Prozent der Befragten waren gegen einen solchen Test. Eltern schulpflichtiger Kinder sprechen sich besonders häufig (74 Prozent) für einen Test aus. Einen solchen Aufnahmetest hatte jüngst auch der Lichtenberger Gymnasiallehrer Robert Rauh, Gewinner des Deutschen Lehrerpreises, in seinem Sieben-Punkte-Programm zur Reform der Lehrerausbildung gefordert.

Generell ist das Image der Berliner Lehrer keinesfalls so schlecht wie viele annehmen: Bei 48 Prozent der Befragten genießen Lehrer ein hohes Ansehen, auch bei Eltern von schulpflichtigen Kindern. Nur bei 16 Prozent der Bürger ist das Ansehen der Lehrer eher niedrig. Kurios ist, dass die Befragten aber davon ausgehen, dass das Lehrerbild in der Bevölkerung insgesamt deutlich negativer ausfällt als bei ihnen selbst. So vermuteten nur 15 Prozent der Befragten, dass der Lehrerberuf bei Bürgern generell ein hohes Ansehen habe. 31 Prozent hielten ein niedriges Ansehen der Pädagogen für wahrscheinlich, der Rest war unentschieden.

Die Befragten waren mehrheitlich der Meinung, dass das Ansehen des Lehrerberufes in den vergangenen Jahren gesunken sei: 45 Prozent stimmten dem zu, 37 Prozent der Befragten glaubten, dass sich am Lehrer-Image nichts geändert habe, nur sieben Prozent sahen eine Verbesserung. Von den Parteiensympathisanten sahen die Grünen-Anhänger mit 12 Prozent noch am ehesten eine Image-Steigerung des Lehrerberufs, unter den CDU-Anhängern waren das nur fünf Prozent. Vorbehalte gegenüber Berliner Pädagogen gibt es im Bundesländer-Vergleich: 23 Prozent der Befragten glauben, dass Berliner Lehrer im Vergleich zu Pädagogen aus anderen Bundesländern schlechter abschneiden, sechs Prozent meinen, sie seien besser.

Forsa hatte zwischen dem 17. und dem 27. März 2014 insgesamt 1 002 Berliner befragt.