31.10.2011

Forsa-Umfrage: Die Große Koalition wird immer beliebter

Von Jan Thomsen
Der Partnerlook kommt offenbar an: Frank Henkel (CDU, li.) und Klaus Wowereit (SPD) sind auf dem Weg zum neuen Dreamteam der Landespolitik.
Der Partnerlook kommt offenbar an: Frank Henkel (CDU, li.) und Klaus Wowereit (SPD) sind auf dem Weg zum neuen Dreamteam der Landespolitik.
Foto: dapd/Clemens Bilan
Berlin –  

Laut einer Forsa-Umfrage wollen die Berliner statt Rot-Grün nun Rot-Schwarz. Die wichtigsten Themen sind Bildung, Sicherheit und Jobs.

Während des gesamten Wahlkampfs und auch noch kurz danach war der Berliner liebste Koalition stets die rot-grüne. Je nach Fragestellung und Alternative plädierte rund ein Drittel bis die Hälfte der Befragten für ein Bündnis aus SPD und Grünen, für die anderen Optionen dagegen deutlich weniger. Dies ist – mit dem Scheitern der rot-grünen Koalitionsverhandlungen und der derzeitigen Zerstrittenheit der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus – offenbar endgültig vorbei. Fragt man jetzt die Hauptstädter nach ihrer Präferenz, so wollen sie mehrheitlich das, was als einzige Option übrig blieb, nämlich Rot-Schwarz. Mit 47 Prozent spricht sich fast die Hälfte für ein Bündnis aus SPD und Union aus, nur noch 39 Prozent sagen, Rot-Grün wäre doch besser für die Stadt.

Umkehrung der Verhältnisse

Exakt vor einem Monat waren die Verhältnisse es noch umgekehrt: Es hatten 50 Prozent für Rot-Grün votiert, 40 Prozent für Rot-Schwarz. Die neue Perspektive hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ermittelt. Für die repräsentative Erhebung wurden 1 004 Berlinerinnen und Berliner zwischen dem 18. und dem 27. Oktober befragt – also einen Monat nach der Berlin-Wahl, bei der die SPD mit 28,3 Prozent der Stimmen stärkste Partei wurde, gefolgt von CDU (23,3), Grünen (17,6), Linken (11,7) und Piraten (8,9). Die allererste Forsa-Umfrage nach der Wahl, nur wenige Tage nach dem 18. September, hatte noch kaum Veränderungen ergeben; nur die Grünen sackten leicht ab, während die Piraten ihr überraschendes Ergebnis sogar noch weiter verbessern konnten.

Dieser Trend blieb bei der aktuellen Befragung im Oktober gleich: Die Werte stagnieren für SPD (29 Prozent), CDU (24), Grüne (15) und Linke (11), nur die Piraten legen einen Punkt zu. Sie liegen damit erstmals gleichauf mit der Linken.

Bei der Koalitionsfrage zeigt sich die SPD als einzige Partei gespalten: Ihre Anhänger neigen zu je 46 Prozent zu Rot-Schwarz respektive Rot-Grün. Aber auch bei den Sozialdemokraten hat sich einiges verschoben, denn vor einem Monat waren die Rot-Grün-Anhänger mit 63 Prozent noch klar in der Mehrheit. Ansonsten gibt es im Westteil der Stadt etwas mehr Freunde der Großen Koalition aus SPD und CDU als im Osten. Und erwartungsgemäß neigen die Älteren, insbesondere die über 60-Jährigen, eher zu Rot-Schwarz (55 Prozent) als zu Rot-Grün (29).

SPD leidet unter Vertrauensverlust

Den Unterhändlern der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU, die voraussichtlich bis Mitte November laufen, geben die Berliner schon mal eine Prioritätenliste mit auf den Weg. Als dringendstes Problem nennt fast jeder dritte (31 Prozent) die Bildungs- und Schulpolitik, danach folgen die Themen Sicherheit und Kriminalität (23) sowie die gerade im Bundesvergleich sehr hohe Arbeitslosigkeit (19). Die Themen öffentliche Finanzen (10), Integration (8) und Wohnungspolitik (8) werden zurzeit als deutlich weniger relevant eingestuft; was besonders beim Thema Wohnungen und Mieten erstaunt, weil es im insgesamt nicht gerade inhaltsstarken Wahlkampf noch mit die größte Rolle spielte.

Allerdings ist das Vertrauen der Hauptstädter in die Kompetenz der Landespolitik wenige Wochen nach der Wahl gesunken – mutmaßlich auch wegen der unrühmlich zerplatzten Hoffnung auf Rot-Grün. Waren im September noch 52 Prozent der Berliner überzeugt, dass keine Partei ausreichend Lösungskompetenz anbiete, so glauben dies inzwischen 57 Prozent. Am meisten leidet die SPD unter dem Vertrauensverlust: Ihr Wert fiel von 27 auf 23 Prozent. Wie bereits vor der Wahl.

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