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Berliner Zeitung | Forsa-Umfrage in Berlin: Wohnungen am Flughafen Tegel - auch ohne Olympia
03. April 2015
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Forsa-Umfrage in Berlin: Wohnungen am Flughafen Tegel - auch ohne Olympia

Noch heben hier Flieger ab: Der Flughafen Tegel.

Noch heben hier Flieger ab: Der Flughafen Tegel.

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imago/Jürgen Ritter

Berlins Olympia-Pläne sind gescheitert, nachdem sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für Hamburg als Kandidatenstadt entschieden hat. Doch nach dem Willen vieler Berliner soll ein wesentlicher Teil der Planungen dennoch realisiert werden: die Wohnbebauung auf dem Gelände des Flughafens Tegel. Laut einer aktuellen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat, sprechen sich 64 Prozent der Berliner dafür aus, dieses Vorhaben umzusetzen.

Die Olympia-Pläne des Senats sahen vor, am östlichen Rand des Flughafens das Olympische Dorf zu errichten. Nach Abschluss der Olympischen und Paralympischen Spiele hätten die Gebäude zu Wohnungen umgebaut werden sollen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hat bereits angekündigt, an dem Plan festzuhalten. Bis zu 5000 Wohnungen könnten nach der geplanten Schließung Tegels im Jahr 2017 entstehen. Allerdings gibt es auch Bedenken: Die Wohnbebauung schränkt die Nutzung der angrenzenden Flächen nämlich ein. Dort sollen nach den Plänen des Senats Hightech-Unternehmen angesiedelt werden.

Linke froh über Niederlage

Das Bedauern der Berliner über die Niederlage im Olympia-Wettstreit hält sich laut der Forsa-Umfrage in engen Grenzen. Nur 28 Prozent gaben an, enttäuscht zu sein. Ein deutlich größerer Anteil der Befragten, 45 Prozent, waren froh, dass Berlin nicht als Kandidatenstadt nominiert wurde. 27 Prozent sagten, ihnen sei die Entscheidung egal. Besonders groß war die Enttäuschung mit 42 Prozent bei den Anhängern der SPD. Dagegen sagten 70 Prozent der Unterstützer der Linken, sie seien froh über die Absage. Die Linke hatte sich als einzige Partei im Abgeordnetenhaus klar gegen eine Olympia-Kandidatur ausgesprochen und die Nolympia-Kampagne unterstützt.

Ein weiteres Mal scheint sich damit zu bestätigen, dass die Berliner Großprojekten skeptisch gegenüber stehen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte erklärt, ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten Hamburgs sei die relativ geringe Unterstützung für eine Olympia-Bewerbung in Berlin gewesen. In Berlin hatten sich in einer Meinungsumfrage im Februar 55 Prozent für die Kandidatur ausgesprochen, in Hamburg waren es 64 Prozent.

Die zu geringe Unterstützung sehen die Berliner auch selbst als wichtigsten Grund für den Misserfolg. 60 Prozent sehen darin die Ursache. 52 Prozent glauben, die Vielzahl an Problemen in der Stadt sei der Grund für Berlins Scheitern. Dagegen zeigten sich die Befragten mit den Planungen des Senats zufrieden. Nur 21 Prozent vermuteten, ein zu schlechtes Konzept aus der Hauptstadt sei der Grund für die Absage des DOSB.

Zugleich waren die Befragten mehrheitlich der Meinung, dass sich Berlins Bemühungen um Olympia trotz der Niederlage gelohnt hätten. 54 Prozent sind der Meinung, dass es richtig war, sich zu bewerben. Nur 41 Prozent fanden die Anstrengungen überflüssig.

Für die Studie befragte Forsa insgesamt 1002 Berliner. Die telefonische Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 26. März statt.