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Forsa-Umfrage: Ja zu Olympia, Nein zu Wowereit

Erkaltete Liebe: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht die Herzen seiner Bürger davonfliegen.

Erkaltete Liebe: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht die Herzen seiner Bürger davonfliegen.

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dpa

Berlin -

Berlin ist nicht Bayern. Dort war kürzlich der Plan, die Winterspiele 2022 in den Alpen zu veranstalten, bei einem Volksentscheid am Nein einer antiolympischen Mehrheit zerschellt. In Berlin dagegen gibt es laut repräsentativer Forsa-Umfrage eine Mehrheit, die eine Bewerbung der Hauptstadt um die Olympischen Sommerspiele befürwortet. 52 Prozent der im Auftrag der Berliner Zeitung Befragten sind für Olympia in Berlin, 44 Prozent sind dagegen, der Rest hat keine Meinung.

Besonders die Anhänger der Koalitionsparteien können sich für das Sportereignis erwärmen: 59 Prozent bei der SPD und und 58 Prozent bei der CDU. Erwartbar ablehnend sind die Grünen-Anhänger mit 55 Prozent Nein-, aber immerhin 45 Prozent Ja-Stimmen. Deutlicher ist die Ablehnung bei Linken-Anhängern. Dort sagen 63 Prozent Nein zu Olympia und nur 35 Prozent Ja.

Zurückhaltung beim Senat

Am größten ist die Zustimmung zu dem Sportereignis in der Generation der Turnschuhträger bis 29 Jahre. Dort fänden 78 Prozent eine Olympiabewerbung gut. In der Gruppe der über 60-Jährigen überwiegt dagegen die Ablehnung. Das kann damit zu tun haben, dass sich die Älteren noch an die sehr selbstbewusste Olympiabewerbung Berlins für die Sommerspiele im Jahr 2000 erinnern, die 1993 krachend scheiterte. Nur Istanbul bekam damals vom Internationalen Olympischen Komitee noch weniger Stimmen für seine Bewerbung als Berlin.

Beliebtheit und Bekanntheitsgrad der Berliner Spitzenpolitiker

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Der Senat äußert sein Interesse an einer neuerlichen Bewerbung deshalb heute nur zurückhaltend: Man stehe bereit. Ex-Sportsenator Klaus Böger (SPD) tritt dagegen für ein offensives Werben Berlins als Olympiastadt ein. Die Stadt habe jetzt schon mit dem Olympiastadion und etlichen großen Hallen beste Bedingungen.

Ob die Sportbegeisterung sich dauerhaft hält, ist aber fraglich. Als Forsa die Frage nach der Olympiabewerbung 2011 schon einmal stellte, hatten noch 57 Prozent der Berliner Ja zu Olympia gesagt, 5 Prozentpunkte mehr als jetzt. Außerdem sehen die Befragten in Klaus Wowereit offenbar keinen Regierenden Bürgermeister mehr, dem man das erfolgreiche Management von Großprojekten anvertrauen würde.

Vor allem bedingt durch die Krise beim Bau des Flughafens BER war der SPD-Politiker in der Beliebtheitsskala abgestürzt und verharrt trotz eines leichten Aufwärtstrends auch im November auf dem viertletzten Platz. Hinter ihm folgen auf den hintersten Plätzen Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) und zwei Piraten. Publikumsliebling auf der von minus 5 bis plus 5 reichenden Skala bleibt Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD). Forsa befragte 1 001 repräsentativ ausgewählte Berliner. Die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus 3 Prozentpunkte.