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Forsa-Umfrage: Mehrheit der Berliner will kein Schloss

Blick auf den Schlossplatz: Hier soll im Mai der Grundstein für das Humboldt-Forum gelegt werden.

Blick auf den Schlossplatz: Hier soll im Mai der Grundstein für das Humboldt-Forum gelegt werden.

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BLZ/Gerd Engelsmann

Im Mai dieses Jahres soll der Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum gelegt werden. Doch wenn es nach der Mehrheit der Berliner geht, sollte das 590 Millionen Euro teure Kulturprojekt nicht realisiert werden. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung sprachen sich 61 Prozent der Befragten gegen den Bau des Schlosses aus, 34 Prozent dafür. Forsa befragte 1002 Berliner zwischen dem 20. und 28. Februar.

Die Meinungen zum Schloss, das als Bibliothek und Museum genutzt werden soll, fallen in den östlichen Bezirken ähnlich wie in den westlichen Bezirken aus. Mit 36 Prozent Befürwortern hat das Schloss im Westteil allerdings etwas mehr Anhänger als im Ostteil, wo sich nur 31 Prozent dafür erwärmen können. Befragt nach parteipolitischen Präferenzen, findet sich nur bei den Anhängern der SPD eine Mehrheit für das Schloss. Sogar bei den Anhängern der CDU sprechen sich 59 Prozent gegen den Bau aus. Am größten ist die Gegnerschaft zum Schloss bei den Anhängern der Piraten.

Der Berliner Senat kann den Bau des Schlosses allerdings nicht stoppen, selbst wenn er wollte. Das Projekt wurde vom Bundestag beschlossen und der Löwenanteil der finanziellen Mittel kommt aus dem Bundeshaushalt. Das Land Berlin beteiligt sich nur mit 32 Millionen Euro an dem Vorhaben. Im Jahr 2019 soll das Humboldt-Forum eröffnen.

Zur Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) vertritt die Mehrheit der Berliner ebenfalls eine andere Meinung als der Senat. Während die Landesregierung das Gebäude sanieren lassen will, sprechen sich 48 Prozent der Berliner laut Forsa für den Abriss des Gebäudes aus. Nur 42 Prozent halten es für richtig, dass das ICC saniert wird und erhalten bleibt.

Einigkeit durch alle Altersklassen

Ost und West sind hierbei nicht einer Meinung. Während es in den westlichen Bezirke eine Mehrheit von 51 Prozent für den Erhalt des ICC gibt, sprechen sich in den östlichen Bezirken 56 Prozent für den Abriss aus. Zu den Freunden des ICC gehören vor allem die Jüngeren sowie die Anhänger von CDU und Grünen. Am stärksten ist die Abneigung gegen das ICC bei den Anhängern der Linken ausgeprägt: 65 Prozent von ihnen plädieren für den Abriss.

In der Frage, ob das Tempelhofer Feld bebaut werden soll, spricht sich eine Mehrheit von 57 Prozent dafür aus, das Gelände so zu belassen wie es ist. Nur 41 Prozent sagen, dass eine Bebauung möglich sein sollte. Die Ansicht der Berliner ist in dieser Frage im Ostteil wie im Westteil gleich. Mit 60 Prozent ist der Anteil derjenigen, die gegen eine Bebauung sind, in den westlichen Bezirken allerdings etwas größer als in den östlichen Bezirken, wo 53 Prozent dieser Meinung sind. Selbst in allen Altersklassen sind sich die Berliner hier einig. Bei den Anhängern der Parteien gibt es nur unter den CDU-Unterstützern eine Mehrheit für eine Bebauung.

Unter denjenigen, die meinen, dass eine Bebauung des Tempelhofer Feldes möglich sein sollte, finden 74 Prozent den Vorschlag des Senats sinnvoll, rund 4 700 Wohnungen dort zu bauen. Nur 23 Prozent sprechen sich gegen die Pläne aus.

Auf wenig Gegenliebe stößt hingegen die Planung des Senats, in Tempelhof einen Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek zu errichten. 49 Prozent der Befragten halten die Idee nicht für sinnvoll, nur 46 Prozent unterstützen sie. In dieser Frage gehen die Meinungen in Ost und West wieder auseinander. Während sich im Westteil 49 Prozent der Befragten für den Bibliotheksneubau aussprechen und 46 Prozent diesen ablehnen, plädieren im Ostteil nur 43 Prozent dafür, aber 52 Prozent lehnen ihn ab. Die Trennlinie verläuft aber nicht nur zwischen Ost und West, sondern zugleich zwischen Alt und Jung. Die 18- bis 44-Jährigen sind mehrheitlich für den Neubau, die älteren Jahrgänge dagegen. Die statistische Fehlertoleranz der Umfrage beläuft sich auf plus/minus drei Prozentpunkte.