Berlin
Informationen und Veranstaltungen rund um die Hauptstadt Berlin und die Region

03.02.2013

Forsa-Umfrage: Wowereits Ansehen leidet massiv

Von Jan Thomsen
Berlin –  

Das BER-Debakel hat auch einen dramatischen Vertrauensverlust für den Senatschef zur Folge: Unter den derzeit diskutierten SPD-Nachfolgekandidaten geht Finanzsenator Ulrich Nußbaum als klarer Favorit hervor.

Klaus Wowereits Ansehen bei den Berlinern hat massiv gelitten. Hintere Plätze in der Beliebtheitsskala zeigen dies schon länger, neuer Tiefpunkt im Januar ist der drittletzte Rang für den Regierenden Bürgermeister. Hinter ihm stehen nur noch zwei Piraten-Politiker, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ergibt. Forsa befragte zwischen dem 21. und dem 30. Januar 1007 Berliner.

Erstmals seit der vergangenen Wahl gibt es genaue Erkenntnisse darüber, was die Hauptstädter über ihren Regierungschef denken. Das Urteil fällt – im Vergleich zu einem halben Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl im Frühjahr 2011 – desaströs aus: In fast allen positiv besetzten Zuschreibungen sind Wowereits Werte gesunken, und zwar teils dramatisch.

So finden ihn nur noch 60 Prozent der Menschen sympathisch (statt vorher 73 Prozent), nur noch 47 Prozent halten ihn für kompetent (statt 64), nur noch 29 Prozent würden von dem Sozialdemokraten sagen, er stehe auf der Seite der "kleinen Leute" (statt 44). Den stärksten Einbruch muss der Senatschef bei der Glaubwürdigkeit hinnehmen, in der Politik ein zentrales Kriterium. Nur noch ein Drittel der Berlinerinnen und Berliner (32 Prozent) halten den Regierenden Bürgermeister für glaubwürdig; im April 2011 waren es mit fast 60 Prozent fast doppelt so viele.

Zugelegt hat Wowereit lediglich bei negativen Zuschreibungen wie "launisch" und "sprunghaft". Die Sozialdemokraten stehen allerdings zu ihrem Regierungschef, unter SPD-Anhängern ist die Beurteilung fast durchweg positiv – im Gegensatz zu den Christdemokraten, der Partei des Koalitionspartners. Nur ein Drittel der CDU-Anhänger hält Wowereit zum Beispiel für kompetent, für glaubwürdig nicht einmal jeder Vierte. Ähnlich kritisch sehen den Regierungschef nur die Piraten.


Dass es eine Nachfolgedebatte gab und gibt, ist angesichts dieser Wowereit-Werte und der Tatsache, dass die Berliner die Flughafenfrage nach wie vor als wichtigstes Thema der Hauptstadt einstufen, fast zwingend. Unter den derzeit diskutierten SPD-Nachfolgekandidaten geht der beliebteste Politiker Berlins, Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), als klarer Favorit hervor. 46 Prozent würden sich für ihn entscheiden. Dass er mangels Parteibuch niemals Spitzenkandidat werden wird, solange es ambitionierte SPD-Politiker gibt, stört die Berliner nicht.

Hinter Nußbaum wird am ehesten Ex-Parteichef und Stadtentwicklungssenator Michael Müller das Amt des Regierenden Bürgermeisters zugetraut (30 Prozent). Der Parteivorsitzende Jan Stöß (23 Prozent) landet auf dem dritten Platz, kurz vor Arbeitssenatorin Dilek Kolat und Fraktionschef Raed Saleh (beide 20 Prozent). Wie schwach die Werte sind, zeigt der Vergleich mit Wolfgang Thierse, der in Berlin kein Amt inne hat und außerhalb jeder Konkurrenz um die Wowereit-Nachfolge steht. Ihn würden dennoch 40 Prozent der Befragten bevorzugen.

Oppositionsführerin Ramona Pop (Grüne) wollte Klaus Wowereit (SPD) mit einem Misstrauensvotum stürzen. Daraus wurde nichts, aber immerhin hat es den Grünen genutzt: Sie legten drei Prozent in der Sonntagsfrage zum Abgeordnetenhaus zu. Pop rückte in der Liste der  beliebtesten Politiker auf.
Oppositionsführerin Ramona Pop (Grüne) wollte Klaus Wowereit (SPD) mit einem Misstrauensvotum stürzen. Daraus wurde nichts, aber immerhin hat es den Grünen genutzt: Sie legten drei Prozent in der Sonntagsfrage zum Abgeordnetenhaus zu. Pop rückte in der Liste der beliebtesten Politiker auf.
Foto: dapd/timur emek

Zwar hat sich das Ansehen des Senats nach dem letzten Tiefpunkt im November etwas erholt, statt 30 sagen jetzt 35 Prozent, dass sie mit der Arbeit der Koalition zufrieden sind. Doch das ist ein vergleichsweise niedriger Wert. Wie gering der Rückhalt von Rot-Schwarz in der Bevölkerung ist, zeigt sich daran, dass die Mehrheit eine andere Regierung will. Neuwahlen wünschen sich 30 Prozent der Befragten, eine andere Koalition im Abgeordnetenhaus (ohne Neuwahlen) immerhin noch 25 Prozent.

Dieser Mehrheit von insgesamt 55 Prozent stehen 38 Prozent gegenüber, die Rot-Schwarz weiter an der Regierung sehen wollen. Unter Anhängern von SPD und CDU findet sich jeweils eine Mehrheit fürs Weitermachen, die Grünen wollen eher Rot-Grün statt Neuwahlen, die Linken vor allem kein Weiter-so. Die Piraten sprechen sich mehrheitlich für Neuwahlen aus.

Auffällig verschoben hat sich insgesamt die Perspektive: Erstmals seit der Wahl sind mehr Befragte (38 Prozent) mit der CDU zufrieden als mit der SPD (35).

Bei der Sonntagsfrage fürs Berliner Abgeordnetenhaus ergibt sich im Januar ein Unentschieden unter gleich drei Parteien. Die Grünen liegen inzwischen gleichauf mit der SPD und der CDU. Dabei ist auffällig, wie wenig es der CDU gelingt, ihr Potenzial auszuschöpfen. 31 Prozent würden bei einer Bundestagswahl die CDU wählen, fünf Prozentpunkte mehr als im Land. Die SPD hingegen wird wohl vom Bundestrend heruntergezogen.

Ressort

Was in Berlin passiert, beschäftigt oft die ganze Republik. Wir schreiben Nachrichten, Reportagen und Analysen aus dem Herzen der Hauptstadt. Und sagen, was wo läuft.


Fotospezial
In Berlin kann man viele wunderbare Orte und Dinge entdecken. Ein paar davon finden Sie in unserer Übersicht.

Hier verraten die Autoren der Berliner Zeitung, wo sie sich in Berlin am liebsten aufhalten.  mehr...

Neueste Bildergalerien Berlin
Neue Verlagsbeilage

Blättern Sie hier durch die aktuelle Beilage online. Lesen Sie unter anderem über die Entwicklung von Fahrsicherheitsassistenten.

Vergünstigte Tickets
Das Wintergarten-Varieté spielt erstmals Open Air - am 14. September in der Wuhlheide.

Wintergarten in der Wuhlheide: Sichern Sie sich die besten Plätze für das Rock-Varieté zum Vorteilspreis.

Dossier
Am 8. Mai 2010 hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das Flugfeld für die Öffentlichkeit freigegeben.

Wohnen oder Park: Was wird aus dem ehemaligen Flughafen-Gelände?

Dossier
Am Alexanderplatz soll ein 150-Meter-Turm entstehen.

Wie soll die Mitte Berlins aussehen? Alles zur Städtebau-Debatte.

Dossier
Die East Side Gallery sorgt seit Tagen für Zündstoff.

Der geplante Teilabriss der East Side Gallery erregt die Gemüter.

Aktuelle Berlin-Videos
Anzeige
Unsere Bilder des Tages
Dossier
Der mittelständische Bauverband ZDB warf der öffentlichen Hand vor, in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen ihre Kompetenz als Bauherr stetig zurückgefahren zu haben.

Der Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg wird zum Politikum.

Service

Wo drohen Staus? Fährt die S-Bahn? Immer ab 16 Uhr für den Folgetag.

Service

Was bringt der Abend, was bewegt Berlin am Wochenende? Unser Veranstaltungsservice führt Sie durch die Hauptstadt.

Termine heute, morgen und am Wochenende.
Polizei
Interaktive Polizeimeldungen
Berlin
Ein Polizist präsentiert Handschellen.

Spannende Kriminalfälle, erzählt von Berliner Zeitung und TRIGGER.tv.

Sonderbeilagen & Prospekte

Berliner Jobmarkt
Berlin in Bildern
Sprache
Eine Schrippe, kein Brötchen!

Nieselpriem, Nuckelpinne - verstehen Sie die Berliner?

Dossier
Wriezener Karree am Ostbahnhof.

Die Lage auf dem Immobilienmarkt verschärft sich. Dossier.

Serie zur Gentrifizierung
Debatten

Aktuelle Nachrichten aus dem Berliner Abgeordnetenhaus.

Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Berliner Kieze und Bezirke
Serviceinfos
ServiceInfos

Lesen Sie hier wissenswerte Beiträge über sämtliche Themen von A bis Z. mehr...

Anzeige
Webtipps
Lieferservice Berlin
Jetzt Pizza, Sushi oder Döner beim Lieferdienst in Berlin direkt online oder mobil mit der Handy App bestellen!
Autohändler in Berlin
Finden Sie Autohändler in Berlin und Umgebung bei AutoScout24