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Forsa-Umfrage zu Wowereit: Wowereit in Berlin wieder beliebter

Mit Wowereit den Frieden gemacht - mit Müller einen neuen Popularitätsträger gefunden? Forsa-Umfragewerte unter den Berlinern deuten daraufhin.

Mit Wowereit den Frieden gemacht - mit Müller einen neuen Popularitätsträger gefunden? Forsa-Umfragewerte unter den Berlinern deuten daraufhin.

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imago stock&people

Mit der Ankündigung seines Rücktritts hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) offenbar die Herzen vieler Berliner zurückgewonnen. Im monatlichen Berlin-Barometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Berliner Zeitung steigt der Senatschef um mehrere Plätze auf. Wowereit konnte 0,4 Beliebtheitspunkte zulegen, ein solcher Aufstieg ist ungewöhnlich.

Noch im Juli belegte Wowereit den letzten Platz in dem Ranking. Es scheint, als hätten die Berliner ihren Frieden mit Wowereit gemacht, der sein Amt 13 Jahre lang innehatte. So erklären 59 Prozent der Befragten, dass im Rückblick auf Wowereits gesamte Amtszeit das Positive überwiege, nur 31 Prozent behalten ihn negativ in Erinnerung. Unter SPD-Anhängern ziehen sogar 80 Prozent ein positives Fazit. Zugleich bedauern nur sehr wenige Studienteilnehmer Wowereits Rückzug. 76 Prozent halten diese Entscheidung für richtig, nur 17 Prozent für falsch.

Wowereit hatte Ende August angekündigt, dass er am 11. Dezember seinen Rücktritt einreichen werde. Seitdem läuft das Rennen um seine Nachfolge in der Berliner SPD, das die Mitglieder in einer Urwahl entscheiden werden.

Drei Kandidaten treten an: Stadtentwicklungssenator Michael Müller, Fraktionschef Raed Saleh und Landeschef Jan Stöß. Müller hatte zunächst mit seiner Kandidatur gezögert – immerhin wurde er vor zwei Jahren von Stöß als Vorsitzender verdrängt. Doch offenbar hat er in den Augen vieler Berliner die richtige Entscheidung getroffen. Aus dem Mittelfeld kommend hat Müller Anschluss an die Spitze des Rankings gefunden, mit 0,6 Beliebtheitspunkten legte er noch deutlicher zu als Wowereit.

Nur gut ein Drittel will vorgezogene Wahl

Das ist bemerkenswert, weil Müller noch im April in einer Umfrage schlecht abschnitt. Ebenfalls im Auftrag der Berliner Zeitung fragte Forsa damals mehr als 1 000 Berliner, wen sie für einen geeigneten Wowereit-Nachfolger halten. Damals stand Jan Stöß an erster Stelle, wenn auch mit schlechten Werten: 36 Prozent hielten ihn für geeignet, 48 Prozent für ungeeignet. Müller kaum auf 32 Prozent Zustimmung und 52 Prozent Ablehnung. In den vergangenen Wochen hat Müller darauf verwiesen, dass er im Gegensatz zu Stöß über Regierungserfahrung verfügt und sich darum das Spitzenamt zutraut – möglicherweise ist diese Botschaft bei den Wählern angekommen und lässt sie Müllers Niederlage beim Tempelhof-Volksentscheid vergessen.

Selbst über die Wowereit-Nachfolge entscheiden wollen die Berliner offenbar nicht. Die Forderung nach Neuwahlen, die Grüne und Linke erhoben haben, weisen sie zurück. In der Forsa-Umfrage sprechen sich nur 36 Prozent der Befragten dafür aus, die Abgeordnetenhauswahl vorzuziehen. 56 Prozent sind dagegen. Die Anhänger von Grünen und Linken lehnen Neuwahlen mit der gleichen Deutlichkeit ab. Regulär findet die Abgeordnetenhauswahl im Jahr 2016 statt.

Die SPD profitiert indes nur leicht von Wowereits Rücktrittsankündigung. In der Forsa-Umfrage legt sie nur um einen Prozentpunkt zu auf 25 Prozent. Sie liegt damit weiterhin hinter dem Koalitionspartner CDU – anders als bei der Abgeordnetenhauswahl 2009, als die SPD mit 28,3 Prozent stärkste Kraft wurde. Allerdings verringert sich der Abstand zwischen den beiden Parteien, denn die Union verliert zwei Prozentpunkte.

AfD über fünf Prozent

Sie muss sich nun offenbar auch in der Hauptstadt mit einem neuen Konkurrenten auseinandersetzen: der Alternative für Deutschland (AfD), die bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im August und September zweistellige Ergebnisse erzielte und von diesen Erfolgen offenbar auch im Berliner Meinungsbild profitieren kann.

In den Umfragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl lag die Partei bislang stets unter der Fünfprozenthürde, im August kam sie auf vier Prozent. Bei der EU-Wahl im Mai erhielt sie in Berlin 7,9 Prozent der Stimmen.

Für die Studie befragte Forsa 1 007 Berliner im Zeitraum zwischen dem 9. und dem 18. September. Die Umfrage wurde telefonisch durchgeführt.